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Gestra will neue Mitarbeiter einstellen

Florian Schwiegershausen 03.12.2018 2 Kommentare

Er hat schon länger mit dem Gedanken gespielt, und hält es nun für den richtigen Zeitpunkt: Nach 25 Jahren im Betrieb zieht sich der Gestra-­Vorstandsvorsitzende Lutz Oelsner (rechts) von diesem Posten zurück und wird in den Aufsichtsrat wechseln.
Er hat schon länger mit dem Gedanken gespielt, und hält es nun für den richtigen Zeitpunkt: Nach 25 Jahren im Betrieb zieht sich der Gestra-­Vorstandsvorsitzende Lutz Oelsner (rechts) von diesem Posten zurück und wird in den Aufsichtsrat wechseln. Sein Nachfolger wird Finanzvorstand Friedhelm Lefting, der bis auf Weiteres beide Posten übernehmen wird. (Kuhaupt)

Nach Jahren der Unsicherheit ist der Bremer Armaturen- und Regelungstechnikhersteller Gestra in Findorff wieder auf einem guten Weg nach vorn – und zwar so gut, dass das Unternehmen bis Ende 2019 wieder zusätzlich Mitarbeiter einstellen will. Außerdem hat der Gestra-Vorstandsvorsitzende Lutz Oelsner überraschend angekündigt, sich aus dem Vorstand zurückzuziehen.

Was die Mitarbeiter angeht, braucht es im Betrieb zum einen Ersatz für diejenigen, die sich in den Ruhestand verabschieden. Zum anderen braucht das Unternehmen für den Ausbau des Geschäfts weitere Kräfte. „Wenn wir allein vor Ort in Bremen schauen, hatten wir Ende 2017 insgesamt 381 Mitarbeiter, bis Jahresende werden es 395 Mitarbeiter sein, und bis 2019 sollen es in Bremen 410 Mitarbeiter sein“, sagt Finanzvorstand Friedhelm Lefting. Der ergänzt: „Wenn wir die Fachkräfte, die wir benötigen, auch am Markt finden werden in der momentanen Situation.“

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Die Suche nach zusätzlichen Mitarbeitern zeigt aber auch gleichzeitig: Die Sorge und Ungewissheit, was der neue Gestra-Besitzer, das britische Unternehmen Spirax-Sarco vorhat, scheint vorbei. Im April 2017 wurde das Bremer Unternehmen von dem britischen Konkurrenten übernommen. Betriebsrat und Mitarbeiter sorgten sich wegen der Übernahme, weil beide Unternehmen in manchen Bereichen bisher als Wettbewerber unterwegs waren.

Lefting sagt: „Von Anfang an wurde uns mit Respekt begegnet – für unseren Namen und unseren Ruf, den wir weltweit haben, und für das, was wir herstellen. Das waren wir von unserem ehemaligen Besitzer in den USA so nicht gewohnt.“ Mit Spirax-Sarco gebe es sehr viel mehr Nähe bei der Unternehmenskultur. Abstimmungen seien dagegen mit dem Vorbesitzer Flowserve aus den USA eher schwieriger gewesen.

Klar ist für die britische Konzernmutter aber auch gewesen, dass Gestra ein eigenständiges Unternehmen bleibe und damit auch seinen Namen behalte. Oelsner erinnert sich: „Unsicherheit gab es aber ebenso bei unseren Kunden, also unseren Händlern, mit denen wir seit vielen Jahren zusammenarbeiten.“ Doch auch sie habe man überzeugen können, sich keine Sorgen zu machen. 60 Prozent bei Gestra ist Händlergeschäft, während Spirax zu 75 Prozent im Direktgeschäft mit Unternehmen unterwegs ist.

Neuer Vertrieb in China

Bei allen Gemeinsamkeiten, die Gestra und Spirax-Sarco haben, gibt es doch weitere Unterschiede, wie Oelsner verdeutlicht: „Zum einen ist Deutschland für Gestra der Hauptmarkt, zum anderen haben wir uns mehr in Richtung chemische Industrie konzentriert, aber auch in Richtung Kraftwerke oder auch Kesselhersteller wie Viessmann und Bosch. Dagegen hat sich Spirax mehr in Richtung Pharma- und Lebensmittelindustrie konzentriert.“

Im Ausland will die Firma auch weiter wachsen. Erst seit einigen Tagen ist klar, dass Gestra eine Vertriebsgesellschaft in China gründen wird. Lefting verdeutlicht: „Da haben wir einen Sales-Manager, der weitere Mitarbeiter einstellen wird.“ Ohne die Konzernmutter Spirax-Sarco, die quer durch China insgesamt 40 Büros hat, sei so ein Schritt schwieriger. Der neue Gestra-Vertrieb dort solle auf alle Fälle abgekoppelt vom Spirax-Vertrieb laufen.

Gestra investiert aber nicht nur in neue Mitarbeiter, sondern auch in zusätzliche Technik und ins Gebäude. Ein Lasersystem, das die Fertigung noch genauer macht, wurde für den Maschinenpark angeschafft. Im Verwaltungsgebäude, das inzwischen 44 Jahre alt ist, wurden bereits Kilometer an neuen Leitungen verlegt. Außerdem wurden zwischen den Büros und den Gängen Fenster eingebaut, damit alles etwas heller und luftiger erscheint.

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Um den Mitarbeitern und auch der Öffentlichkeit den Aufbruch zu zeigen, hat sich Gestra auch ein neues Corporate Identity verpasst. Die blaue Farbe ist geblieben, der Schriftzug ist schlanker geworden und steht nun neben und nicht mehr im Logo. „Auch das ist ein Bereich, bei dem wir die Mitarbeiter natürlich mitnehmen wollten“, sagt Oelsner. Denn einige Prozesse im Unternehmen habe es schon gegeben, die man an die der britischen Konzernmutter angepasst und für die Belegschaft Veränderungen bedeutet habe.

Zu seinem Rückzug sagte Oelsner dann: „Am kommenden Dienstag wird mein letzter Arbeitstag als Vorstandsvorsitzender sein.“ Denn nachdem der Besitzerwechsel vollzogen sei, das Unternehmen in eine gute Zukunft blicken kann, sieht Oelsner dies als guten Zeitpunkt, sich aus dem Vorstand zu verabschieden. „Am Freitag habe ich es den Mitarbeitern gesagt.“ Oelsner bleibt dem Unternehmen aber weiter erhalten, da er in den Aufsichtsrat wechseln wird. Sein Engagement als Präsident der Unternehmensverbände im Lande Bremen wolle er genauso fortführen wie das als Vize-Präsident im Arbeitgeberverband Nordmetall. Die Zeit, die er mehr zur Verfügung habe, will der 56-Jährige der Familie widmen: „Die ist in den letzten Jahren zu kurz gekommen.“

Seine Nachfolge bedeutet für die Gestra-Mitarbeiter Kontinuität. Denn Finanzvorstand Lefting wird nun auch Vorstandsvorsitzender. Bis auf Weiteres wolle der 56-Jährige beide Funktionen übernehmen. Am Freitag wird er Mitarbeiter mit einem Dienstjubiläum ehren. Dazu wird auch Lutz Oelsner gehören. Seit 25 Jahren arbeitet er für Gestra. Über den kommenden Dienstag mag der Vorstandschef sich dagegen noch keine Gedanken machen. Dann wird Lutz Oelsner den Schlüssel seiner Bürotür zum allerletzten Mal umdrehen.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...
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