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Gewerbeflächen in Bremen und umzu werden knapp

Lisa Boekhoff 31.07.2018 0 Kommentare

Ein Zuhause für Amazon: Auf diesem Areal in Achim will sich der Internetkonzern ansiedeln. Die Verträge mit der Stadt sind derzeit noch nicht unterzeichnet. Wenn Amazon kommt, gibt es kaum noch Gewerbefläche in Achim.
Ein Zuhause für Amazon: Auf diesem Areal in Achim will sich der Internetkonzern ansiedeln. Die Verträge mit der Stadt sind derzeit noch nicht unterzeichnet. Wenn Amazon kommt, gibt es kaum noch Gewerbefläche in Achim. (Christian Walter)

Die Zahlen sind erfreulich. Der Markt für Logistik- und Industrieflächen in der Region Bremen ist im ersten Halbjahr kräftig gewachsen. Der Flächenumsatz lag laut Engel und Völkers Commercial bei 113.000 Quadratmetern und stieg damit um satte 16,5 Prozent. Robert C. Spies kommt in einer eigenen Rechnung sogar auf 160.000 Quadratmeter und einen Zuwachs um mehr als 65 Prozent gegenüber 2017. Doch es gibt ein Problem. Denn Gewerbeimmobilien sind knapp. "Ich habe nicht gedacht, dass wir so in dieses Jahr starten", sagt denn auch Jörg Lachmann. In seinen Erwartungen war der Leiter des Bereichs Industrie bei Engel und Völkers Commercial vorsichtig: "Der Mangel ist über alle Flächen gegeben."

Angebote, um kurzfristig Gesuche abzudecken, sind rar, bestätigt Björn Sundermann, verantwortlich für Logistik- und Industrieimmobilien bei Robert C. Spies. "Bestandsflächen sind so gut wie nicht vorhanden. Es ist Alltag, dass wir potenziellen Kunden Flächen nicht zur Verfügung stellen können." Derzeit arrangierten sich Unternehmen vermehrt mit Verträgen für nicht optimal passende Flächen, da sie ansonsten gar nicht zum Zuge kämen.

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Lachmann und Sundermann sehen das Versäumnis in der Vergangenheit. Es sei in Bremen einfach kein Vorrat an Flächen entstanden. Das habe dazu geführt, dass Firmen sich in niedersächsischen Gemeinden ansiedeln – wie Amazon in Achim. "Auch viele andere Unternehmen sind ins Umland gezogen, weil wir die Fläche nicht bieten konnten. Oyten und Achim freuen sich. Doch Bremen könnte besser dastehen", sagt Lachmann von Engel und Völkers Commercial. Im Umland allerdings beobachtet er jedoch, dass der Platz für Industrie und Logistik ebenfalls langsam schwindet. "Wenn Amazon nach Achim kommt, ist Achim komplett voll. In Oyten sind nur noch wenige, kleinere Flächen verfügbar."

Gemeinden zwischen den Ballungszentren profitieren

Wenn Unternehmen dann auch in Bremens Speckgürtel keinen Platz mehr finden, profitierten womöglich andere Gemeinden zwischen den Ballungszentren Hannover, Hamburg und Bremen. "Dort sind extrem viele Logistikzentren und Gewerbegebiete entstanden. Da ging es anscheinend zumindest gefühlt schneller." Wie zum Beispiel im Fall von Home24 in Walsrode. Der Online-Möbelhändler hätte auch gut in Bremen, Achim oder Oyten funktionieren können, findet Lachmann. Bremen sei als zentraler Standort wichtig mit seiner Achse in die Niederlande, ans Meer nach Bremerhaven, nach Hamburg, runter nach Hannover und Süddeutschland. "Doch da fehlt eine Menge Fläche."

Das Wirtschaftsressort sieht das etwas anders. "Die Erschließung von Gewerbeflächen konnte im ersten Halbjahr 2018 bedarfsgerecht erfolgen", heißt es. "Aktuell freuen wir uns über eine sehr gute Vermarktungslage unserer Gewerbeflächen und schauen diesbezüglich auch positiv in die Zukunft." Insbesondere große Logistikflächen, aber auch kleinteilige Gewerbeflächen seien im Moment stark nachgefragt. Im Gewerbepark Hansalinie sowie im Bremer Industriepark gebe es genug solcher Flächen. Zudem seien Anfang des Jahres Mittel für die Entwicklung von kleinteiligen Flächen für Kleinstunternehmen des produzierenden Gewerbes und des Handwerks bereitgestellt, um in den nächsten Jahren neun Hektar zu erschließen – etwa im Bremer Industriepark oder auf dem Gelände der ehemaligen Bremer Wollkämmerei.

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Björn Sundermann weist ebenfalls auf die vielen Neubauvorhaben in Bremen hin. Der Immobilienexperte geht davon aus, dass dieses Jahr deshalb sogar ein Spitzenumsatz von 300.000 Quadratmetern Fläche in Bremen, Bremerhaven und der Region erzielt werden könne: "Das Neubauvolumen hat zugenommen. Es passiert sehr viel." Doch erst ab dem nächsten Jahr sei der wesentliche Teil der großvolumigen Flächen verfügbar. "Alles, was bis dahin passiert, ist nicht abdeckbar."

Gewerbegebiet am Bremer Kreuz lässt auf sich warten

Das geplante Gewerbegebiet am Bremer Kreuz lasse noch auf sich warten, sagt auch Lachmann. "Das sind mindestens drei Jahre, bis wir dort bauen können." Auch im Güterverkehrszentrum werde der Platz langsam knapp. Die Kunden benötigten oft nicht erst in der Zukunft Lagerhallen und Produktionsstätten, sondern sofort oder in wenigen Monaten. Kleine Handwerksbetriebe, die Flächen um die 500 Quadratmeter suchten, hätten ebenfalls Probleme. "Diese Flächen sind einfach nicht verfügbar. Da wäre ein Handwerkerhof eine tolle Geschichte, um mehrere Betriebe unterzubringen." Nur für Autozulieferer sehe es besser aus. Denn ihnen sei in der Hansalinie ein Platz vorbehalten. Die Wirtschaftsförderung Bremen sei bei der Vermittlung extrem bemüht, die Zusammenarbeit funktioniere hervorragend. Letztlich sei sie aber nicht für die Ausweisung von Flächen zuständig.

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Bremen sei ein sehr kleines Land, weshalb die Fläche für Gewerbe ohnehin stärker begrenzt sei, sieht Lachmann eine Ursache für den Mangel. "Dann kommt noch dazu, dass wir relativ wenig Personal im Bauressort haben. Flächennutzungspläne dauern einfach länger als in anderen Gemeinden." Unterm Strich sei Bremen nicht langsamer, widerspricht dagegen Konkurrent Sundermann. "Ich habe in den letzten zwei Jahren zehn bis zwölf Neubauvorhaben begleitet. Da hat die Behörde gut mitgespielt." Engagement fordert Sundermann dennoch. Er plädiert dafür, spekulativ Flächen auszuweisen. Es habe schon in der Vergangenheit entsprechendes Interesse von Projektentwicklern gegeben, doch die Stadt sei dazu nicht bereit. Die Abwanderung ins Umland von Coca-Cola oder Amazon habe unter anderem aber funktioniert, weil dort spekulativ gebaut wurde. "Das war der große Pluspunkt. Doch die Flächen sind nun absorbiert. Das Angebot in den Nachbargemeinden wird rar."

Unternehmen wanderten derweil auch wegen der Gewerbesteuer ab, sagt Lachmann, weil diese in Bremen "wesentlich höher ist als im Umland". In nächster Zeit gebe es genug Geschäft. "Wenn ich sehe, was ich noch auf dem Schreibtisch liegen habe, mache ich mir um die nächsten zwölf Monaten keine wirklichen Gedanken." Doch langfristige Lösungen für mehr Industrieflächen hält Lachmann für unbedingt notwendig.

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Leserkommentare
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Bremen99 am 21.10.2019 20:41
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