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Handwerkspräsident will Azubi-Ablöse

Theresa Münch und Florian Schwiegershausen 03.06.2019 0 Kommentare

Wenn Betriebe Ablösesummen für Fremdazubis zahlen sollen, dann halten Bremens Handwerker nichts von der Idee, die der ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer hat.
Wenn Betriebe Ablösesummen für Fremdazubis zahlen sollen, dann halten Bremens Handwerker nichts von der Idee, die der ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer hat. (Reichel/dpa)

Betriebe könnten nach Überlegungen aus dem Handwerk künftig Ablösesummen zahlen, wenn sie Azubis gleich nach der Lehre von der Konkurrenz abwerben. Zwei von drei Fachkräften, die im Handwerk qualifiziert würden, arbeiteten im Laufe ihres Berufslebens in anderen Wirtschaftsbereichen, sagte Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer.

„Unsere gut ausgebildeten jungen Leute werden abgeworben.“ Er denke deshalb über eine Entschädigung für Ausbildungsbetriebe nach, die Azubis direkt nach der Lehre verlieren. Konkret könnte man regeln, dass Auszubildende in den ersten Jahren nach ihrer Lehre nur dann den Betrieb wechseln dürfen, wenn der neue Arbeitgeber einen Teil der Ausbildungskosten übernimmt, so der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH).

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Denn die Betriebe stecken während der dreijährigen Lehre viel Geld in ihre Azubis – oft mit dem Hintergedanken, die jungen Leute später zu übernehmen und dann ohne lange Einarbeitung direkt einsetzen zu können. Was ein Auszubildender seinen Arbeitgeber kostet, ist je nach Branche unterschiedlich.

Insgesamt zahle der Betrieb aber immer drauf, sagte Wollseifer, der auch Präses der Kölner Handwerkskammer ist und dort einem Maler-Familienbetrieb entstammt. „Die Ausbildung kostet im ersten und zweiten Jahr Geld – im ersten Jahr viel, im zweiten Jahr etwas weniger. Im dritten Lehrjahr kommt dann auch ein bisschen was rein.“ Nach der aktuellsten Kosten-Nutzen-Rechnung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) hat ein Betrieb pro Azubi jährliche Kosten von etwa 18 000 Euro – zugleich aber erwirtschaftet der Lehrling rund 12 500 Euro. Der Betrieb lässt sich einen passgenau ausgebildeten Mitarbeiter bei dreijähriger Ausbildung also mehr als 15 000 Euro kosten.

Der Präses der Bremer Handwerkskammer, Jan-Gerd Kröger, hält den Vorschlag seines Kölner Kollegen für „völligen Quatsch“. Der Bremer Bauunternehmer sagt dazu: „Wir leben in einer freien Marktwirtschaft, und da kann jeder entscheiden, wie er will.“ Kröger sagt auch, wenn er als Chef sehe, dass er einen guten Azubi hat, dann setze er doch alles daran, diesen zu halten. Ob es da zusätzliche Geldanreize gebe oder andere „weiche Aspekte“, müsse man sehen.

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„Aber das mit der Ablöse klappt doch schon in der Fußballbundesliga nicht so recht, warum soll das dann bei uns im Handwerk funktionieren“, ergänzte der Bremer Handwerkskammerpräses, der übrigens bei der Kammerwahl in diesem Jahr nicht noch einmal antreten wird.

Der Obermeister der Bremer Innung Sanitär, Heizung, Klima, Kai Schulz, sieht die Ablösesumme für Azubis ebenfalls skeptisch und glaubt nicht, dass man das beim zukünftigen Arbeitgeber des Ex-Azubis durchsetzen könne: „Man müsste dann ja schon im Ausbildungsvertrag festhalten, dass der auslernende Azubi eine Übernahme-Verpflichtung mit dem Ausbilder eingeht, damit ich dann von einer Ablöse sprechen kann, wenn der Azubi nicht bei mir bleiben will.“

Ein Grund, warum ein anderer Betrieb versuchen könnte, Azubis bei der Konkurrenz abzuwerben, ist, dass dieser Betrieb selbst nicht genügend ausbildet. Und da sagt Schulz, dass viele seiner ausbildenden Kollegen dann eher von einer allgemeinen Ausbildungsumlage sprechen, die alle Handwerksbetriebe pauschal entrichten müssten, wenn sie nicht ­selber ausbilden.

Das hätte laut Schulz den Vorteil, „dass nicht nur die ausbildenden Betriebe die Kosten und Mühen der Ausbildung tragen und die nicht ausbildenden Betriebe die Früchte ernten“. Die Ausbildungsumlage ist aber bei vielen Unternehmen aus Handel und Handwerk umstritten. In der Pflege dagegen existiert bereits eine Ausbildungsumlage.

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Einige Branchen müssen derzeit zudem damit rechnen, dass die Ausbildung noch teurer wird. Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) plant einen Azubi-Mindestlohn: Alle Auszubildenden sollen vom kommenden Jahr an im ersten Lehrjahr mindestens 515 Euro im Monat verdienen. Im zweiten und dritten Lehrjahr soll es noch mehr geben. Das Handwerk sei von diesen Regelungen besonders betroffen, sagte Wollseifer – „weil wir der stärkste Ausbilder sind“. 28 Prozent aller Lehrlinge in Deutschland lernten in Handwerksbetrieben.

Die meisten von ihnen verdienen schon jetzt mehr als den geplanten Mindestlohn – aber längst nicht alle. Nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit bekamen Ende 2017 fast 65 000 Azubis weniger als 400 Euro im Monat, weitere 50 000 unter 500 Euro – zusammen mehr als sieben Prozent aller Auszubildenden. Vor allem ostdeutsche Betriebe müssten mit dem neuen Mindestlohn deutlich mehr in die Ausbildung investieren – etwa Metzgereien, wo Azubis nach BIBB-Daten derzeit nur 310 Euro verdienen. Auch Raumausstatter- und Friseur-Lehrlinge im Osten sowie angehende Schornsteinfeger in Deutschland werden vom geplanten Mindestlohn profitieren.

Forderung stößt auf Problematiken

Den Betrieben werde das Probleme bereiten, sagte ZDH-Präsident Wollseifer. Sie könnten die Mehrkosten auch nicht einfach umlegen, da die Kunden nicht bereit seien, mehr zu zahlen. „Höhere Löhne und Vergütungen für Beschäftigte fordern, ist das eine, aber das andere ist es, dann für die Handwerksleistung auch einen entsprechend wertschätzenden Preis zu zahlen“, sagte er.

Zumindest auf dem Bau wäre das Thema des Azubi-Mindestlohns hinfällig. Denn Maurer-Azubis sind bereits seit vielen Jahren über die gesamte Lehrzeit schon immer am oberen Ende der Ausbildungsvergütung gewesen.


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Leserkommentare
Wesersteel am 19.10.2019 12:05
Da hat man sich genau den Richtigen zum Gespräch rausgesucht,denn der Hering ist ein Arbeitgeber-Betriebsrat !
Bremen99 am 19.10.2019 12:01
Na das passt ja hervorragend: 70 Jahre SPD-Regierung in Bremerhaven steht dann für "Ruinen schaffen ohne Waffen".

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