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Börsenexperte der Sparkasse Bremen im Porträt
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"Herr Otto, wie wird das denn jetzt?"

Lisa Boekhoff 11.10.2019 0 Kommentare

Sascha Otto an seinem Arbeitsplatz im Großraumbüro der Sparkasse. An einem der Monitore wacht der Bulle – das Symbol für steigende Kurse.
Sascha Otto an seinem Arbeitsplatz im Großraumbüro der Sparkasse. An einem der Monitore wacht der Bulle – das Symbol für steigende Kurse. (Christina Kuhaupt)

Der Fernseher springt an, und für eine Weile flimmert der Fürstenhof auf dem Bildschirm im Konferenzraum. In der ARD läuft die Endlosromanze „Sturm der Liebe“. Gleich geht es am ovalen Tisch mit Blick auf den Brill aber höchstens um stürmische Kurse und Befindlichkeiten der Börse. Immer montags und donnerstags kommt der Vermögensverwaltungsausschuss der Sparkasse Bremen zusammen, um über die Strategie im Anlagegeschäft zu sprechen.

Tatsächlich zieht schnell ein Unwetter auf. „Es hat wieder getwittert“, ist der allererste Satz an diesem Tag, und er zeigt, welches Gewicht ein paar Zeilen beim Kurznachrichtendienst bedeuten. In diesem Fall habe China angefangen: Drohungen für neue Zölle auf amerikanische Produkte stehen im Raum. Donald Trump reagierte schnell und kündigte Gegenmaßnahmen an. Auf dem Bildschirm ist längst ein Meer aus Zahlen zu sehen, das nur ruckartig Wellen schlägt, wenn sich die Werte ändern.

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Chef der Runde ist Sascha Otto, der Leiter des Wertpapier- und Portfoliomanagements. An diesem Tag ist Otto fast ein bisschen enttäuscht: „Die Leute langweilt es, sich mit Geld zu beschäftigen.“ Das hänge auch daran, dass Finanzbildung in Deutschland „unterirdisch“ sei. Selbst seine Freunde müsse er triezen, sich um ihr Vermögen zu kümmern. Und es gebe noch einen Grund: „Menschen können sich Wachstum nicht vorstellen.“ Otto gibt einen Beweis. Wie weit reicht ein Blatt Papier, das 50 Mal gefaltet wird?

Otto spricht gerne in Bildern, um abstrakte Vorgänge verständlich zu machen. Schließlich muss er ein Kunststück schaffen: die Menschen für die Kapitalmärkte begeistern – seine Leidenschaft. Gerade beweist sich der Experte im Börsenspiel „Schlag den Otto“, tritt gegen „Heavy Trader“, „Ofenkartoffel25“ und „Finanzhai93“ an. Wer setzt auf die besseren Aktien? Otto oder die Mitspieler?

Die Sprache ist dramatisch

Im Konferenzraum geht es um den Blick auf die Woche. Zwei Praktikanten sind ebenfalls dabei. Die Sprache ist dramatisch: Da ist etwas nicht nur nicht gut, sondern „grottenschlecht“, nicht nur besorgniserregend, sondern „gruselig“ und eine Auseinandersetzung nicht hart, sondern „blutig“. Und wenn Szenarien durchgespielt werden, dann geht oft gleich die ganze Welt unter. Der drögen Materie pustet das ordentlich Leben ein. Dabei passt Drama gar nicht zu den hanseatischen Kunden der Sparkasse Bremen. Die Anlagestrategie des Teams ist konservativ.

Ottos Arbeitstag beginnt schon zu Hause. Dort setzt er sich morgens um sieben Uhr mit einem Kaffee an seinen Computer, schaut auf die Nachrichten, auf spannende Aktientitel, darauf, was bereits in Asien los ist. „Das ist für mich eigentlich die wichtigste Zeit, um mir Gedanken zu machen: Was passiert in der Welt?“ In dieser Zeit lasse er sich treiben und entwickle Ideen. Vor allem die Rentenmärkte interessieren Otto in diesen Tagen. Denn da werde gerade der Takt vorgegeben. Außerdem verstehe er etwas nicht.

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Menschen seien bereit, Bundesanleihen mit negativer Rendite zu kaufen. „Welchen rationalen Sinn gibt es dafür?“ Immer, wenn er an den Kapitalmärkten etwas nicht nachvollziehen könne, versuche er „zu buddeln“, um herauszufinden, was los sei. „Meine Vermutung ist, wir bauen momentan eine der größten Blasen auf, die es gibt.“ Darum sei es umso wichtiger, sich mit den Rentenmärkten zu beschäftigen. Außerdem liegt dort das meiste Geld der Kunden.

Otto wünscht sich, dass es dagegen noch ein paar mehr Aktien im Depot werden. Doch die Überzeugungsarbeit bei den Kunden bringe nur langsam etwas. Überhaupt: Das Verhältnis der Deutschen zu Aktien sei ein Phänomen. Nur wenige besitzen überhaupt Wertpapiere. „Leider, leider“, sagt Otto. „Der größte Fehler überhaupt! Gar keine Frage. Ich habe das Gefühl, viele Deutsche glauben: Ich kaufe heute eine Aktie und morgen ist mein Geld weg.“ Theoretisch könne das passieren, doch viele hielten es für einen Normalfall. Der Börsenexperte sieht den Vermögensaufbau auch als gesellschaftliche Herausforderung, um gegen das Problem von Altersarmut zu steuern. Wer sein Geld auf dem Sparbuch liegen lasse, der verschenke eine Menge.

Das Gesicht der Sparkasse Bremen

Um darauf aufmerksam zu machen, geht Sascha Otto raus. Auftritte und Kundengespräche sind ein großer Teil seines Jobs. „Ich merke gerade bei den Veranstaltungen: Das kommt gut an.“ Und es habe schon fast etwas von einer Mission: „Überlegt euch, was ihr tut.“ Die Aufgabe passt. Sascha Otto, das Gesicht der Sparkasse Bremen, kann man sich nicht schlecht gelaunt vorstellen. Selbst auf Straßenbahnen ist der gebürtige Hamburger zu sehen. Wie ist es, wenn man an sich selbst vorbeifährt? „Och ja, am Anfang war es ein bisschen komisch.“ Doch man gewöhne sich daran.

Nur ab und zu werde er unterwegs angesprochen – sogar im Fitnessstudio. Da habe ihn ein älterer Herr in der Umkleide gefragt: „Herr Otto, wie wird das denn jetzt mit dem Handelskrieg mit Donald Trump?“ Otto nimmt das gelassen. Schließlich sei das der Sinn der Sache gewesen, öffentlich zu sein, um ins Gespräch zu kommen. Und manchmal wolle ein Kunde ihn einfach mal treffen, auch das kann Otto verstehen. „Natürlich, wenn Sie nach draußen gehen, dann will man den Otto auch irgendwann sehen.“

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Otto hat seine Ausbildung bei der Hamburger Sparkasse gemacht und schon damals Wertpapiere für sich entdeckt. Zwischenzeitlich ging es für ihn an die Börse nach London zu einem Rohstoffhändler. Otto beschäftigte sich mit Nickel, Zinn, Zink, Blei, Kupfer und Aluminium. Doch dann kam die Finanzkrise. Und höflich, aber deutlich sagte man ihm, dass er seinen Job los ist. Otto schrieb seine Dissertation über die Rohstoffmärkte und kam schließlich zur Sparkasse Bremen. Dort habe ihn gereizt, zusammen mit dem Team etwas Neues aufzubauen.

Um im Wertpapiergeschäft tätig zu sein, müsse man gleich mehrere Schritte vorausdenken können, viel Leidenschaft mitbringen, ein bisschen verrückt und masochistisch veranlagt sein. Denn es gebe auch „ganz furchtbare Abende“, wenn etwas schiefgehe und Kunden böse seien. Außerdem kostet das Geschäft Zeit: „Die Börse bleibt nicht stehen.“ Otto schaut jeden Tag um 22 Uhr: „Was macht Amerika noch? Wie hat der Dow Jones geschlossen?“ In der Analyse ist Sascha Otto schnell. Es ist sein Anspruch, immer eine Einschätzung geben zu können.

Spaziergänge mit Hund Bono helfen beim Abschalten

Um von der Arbeit, die im Hintergrund stets mitläuft, abzuschalten, helfen Sascha Otto Spaziergänge mit Hund Bono. Zusammen mit seinem besten Freund spielt er außerdem in einer Band: „Painfilter“. Zu Hause hat Otto ein Tonstudio. „Ich bin ein Kind der 80er und frickle gerne am Synthesizer rum.“

Im Moment liege sein Team richtig weit vorne. Für Otto ist es aber wichtig, in diesen Phasen Demut zu bewahren, nicht größenwahnsinnig zu werden. „Wir werden uns auch mal wieder irren.“ In seiner Zeit in London hat er Kollegen im Höhenrausch gesehen, die im Vertrauen auf Boni völlig über ihre Verhältnisse gelebt hätten. Höhenrausch – das gefaltete Papier reichte bis zum Mond.

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Für Sascha Otto gibt es etwas Neues, das auch bedeutet, nach draußen zu gehen. Die Sparkasse hat einen Roboter entwickelt, der Fonds managt: Smavesto. Otto ist einer der Geschäftsführer. Natürlich sei er Kunde der erste Stunde: „Die Performance ist wirklich gut.“ Die Kunden, die bereits dabei sind, seien regelrecht „Fans“. Da werde auf dem Grillfest Freunden der Depotauszug auf dem Handy gezeigt: Guck mal meine Performance. Wie im Börsenspiel gibt es wieder einen Herausforderer für Otto: Mensch gegen KI. Schon jetzt fällt auf, dass der Algorithmus Entscheidungen trifft, auf die Otto und seine Kollegen nie gekommen wären: „Smavesto kauft aktiv deutsche Staatsanleihen und hat seit Anfang des Jahres gutes Geld damit verdient.“


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Leserkommentare
rmonsees am 22.10.2019 08:33
In Luxemburg beispielsweise, während des dortigen Volksfestes -der "Schueberfouer"- kann der ÖPNV ab 19 Uhr zum und vom Festplatz kostenfrei genutzt ...
axp am 22.10.2019 08:29
na ja, ich denke nicht, das die Bevölkerung hier aufgehetzt wird. Es ist eher so, dass langsam aber sicher immer mehr Menschen mitbekommen, das die ...
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