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Holz-Podeste für Orchester weltweit

Lieselotte Scheewe 19.08.2018 0 Kommentare

Matthias Beltinger (l.) und Bernhard Prösler entwickeln und bauen in einer Werkstatt in Hastedt Klangpodeste für Orchestermusiker. Sie bekommen inzwischen Aufträge von vielen namhaften Konzernhäusern Europas und sogar den USA.
Matthias Beltinger (l.) und Bernhard Prösler entwickeln und bauen in einer Werkstatt in Hastedt Klangpodeste für Orchestermusiker. Sie bekommen inzwischen Aufträge von vielen namhaften Konzernhäusern Europas und sogar den USA. (Kuhaupt)

Dass ihre Werke einmal auf der halben Welt stehen könnten, hätten Matthias Beltinger und Bernhard Prösler nicht gedacht. Was der Musiker und der Tischler fertigen, sieht erst einmal aus wie ein schnöder Holzkasten: zehn bis 30 Zentimeter hoch, rund einen Meter lang und 80 Zentimeter breit. Dieser Eindruck aber täuscht. Ausgeklügelte Feinarbeit steckt in dieser Holzkonstruktion, denn die Maxime des Podestes ist: der Klang. Beltinger und Prösler entwickeln und bauen in einer Werkstatt in Bremen-Hastedt Klangpodeste für Orchestermusiker und fanden damit weltweit eine echte Marktlücke. Auf den Podesten von Resonanzio spielen heute Musiker in London, Berlin, in Hamburgs Elbphilharmonie, in Zürich, Basel, Finnland und bald auch in New York und Los Angeles.

Dabei hatten Beltinger und Prösler in erster Linie gar nicht unbedingt vor, ein erfolgreiches Geschäftsmodell zu entwickeln. Die Idee ist eher aus der Not geboren. Beltinger ist Kontrabassist der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Weil er mit dem Orchester weltweit reist und an unterschiedlichsten Orten Konzerte gibt, war er schon lange auf der Suche nach einem besseren Klang für sein tiefes Instrument. Der Kontrabassist steht in Konzertsälen hinter dem Orchester oft erhöht. Das fördert zwar die Optik, nicht aber unbedingt den Klang des Instruments. Denn die üblichen Podeste sind meist aus festem Holz oder Kunststoff.

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„Überall gab es nur reine Erhöhungspodeste, die den Klang dröhnig oder mulmig machten“, sagt Beltinger. In erster Linie sind die Böden von Konzerthäusern, Kirchen und Orchestergräben darauf ausgelegt, stabil zu sein. Wenn bis zu 50 Musiker auf der Bühne stehen, Stühle rücken, Instrumente aufbauen und Notenständer positionieren, muss der ­Boden robust sein. Das führe aber dazu, dass vor allem die tiefen Frequenzen von Bässen und Celli nicht so durchdringen, wie sie sollen.

Matthias Beltinger wollte das ändern. Er hatte also eine Vision, brauchte aber einen Partner. „Ich spiele, ich brauche meine Finger, ich baue nicht“, sagt er. Der Musiker versuchte sich an seiner Idee zunächst mit zwei anderen Tischlern, bevor er sich mit Bernhard Prösler zusammentat. Sein ehemaliger Kollege Mathias Heise entwickelte die ersten Modelle mit. Er baut – ebenfalls in Bremen – weiterhin die Klangpodeste und vertreibt sie unter dem Namen Resopod. Mit Prösler passte es für Beltinger aber am Besten.

"Viele denken, das hören nur die Profis, aber das ist nicht so"

In seiner Tischlerwerkstatt stehen zwischen den großen Maschinen kleine Modelle, die wie Puppenstubenmöbel aussehen. Holz- und Lackgeruch durchdringt den Raum. Prösler fährt mit der Hand über den hellen, leicht gebogenen Holzrahmen. „Bei der Entwicklung stand die Grundstruktur schnell, dann aber ging es um die Feinheiten“, sagt er. Der Klang war dabei die eine Sache, aber auch Praktikabilität und Design sollten stimmen. Während der Rahmen stabil sein muss, soll die Platte frei schwingen und ist deswegen aus Weichholz. Den Unterschied zu einem festen Boden höre jeder Laie sofort, meint Prösler. „Es ist sehr ohrfällig. Viele denken, das hören nur die Profis, aber das ist nicht so.“

Dadurch, dass bei den Klangpodesten die Holzdecke in einem Rahmen liegt und frei schwingt, übertragen sich die tiefen Sequenzen besser. Ohne dass der Bassist, Cellist oder Harfenist lauter spielen muss, klinge er klarer und präsenter. „Der Klang wird freier“, sagt Beltinger. „Für den Musiker selbst ist das eine sinnliche Erfahrung, er hört sich besser und klarer.“ Vor allem macht ihm Freude, wenn er Musikern auf dem Podest vorspielt und sieht, „wie ihnen die Kinnlade runterfällt“. Denn auf der Suche nach dem perfekten Klang sei jeder Musiker, sagt Beltinger.

Die Klangpodeste mussten nicht sofort ­erfolgreich sein. Weil die beiden Bremer ihr Geld als Designtischler und Musiker verdienen, sei der Druck nicht da gewesen, direkt große Umsätze zu erzielen. Den Unternehmergeist brachte Beltinger aus seinem Orchester mit. Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen bezeichnet er als „Unternehmerorchester“. Die Musiker sind dort nicht angestellt und ­somit mitverantwortlich für den wirtschaftl­ichen Erfolg des Orchesters. Zudem halfen ­Resonanzio die Kontakte in die Musikerszene.

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Nach zweieinhalb Jahren stehen die Klangpodeste heute nicht nur bei den Londoner Symphonikern, sondern auch in der Hamburger Elbphilharmonie, in vielen anderen Konzerthäusern Europas und voraussichtlich bald auch in den USA. Die englischen Musiker fuhren sogar selbst in der Hastedter Werkstatt vor, um die Klangpodeste auszuprobieren. „Das war Millimeterarbeit, als der Riesenlaster der Londoner Symphoniker bei uns auf den engen Hof fuhr“, erzählt Prösler.

Nicht nur große Orchester oder Opernhäuser bestellen in Bremen die Podeste, sondern auch Solo-Musiker. Kürzlich erhielten Prösler und Beltinger eine Anfrage von einem tauben Bassisten aus Puerto Rico. In der Hastedter Tischlerwerkstatt entstehen die Produkte, trotz großer Nachfrage, nicht am Band, sondern auf Anfrage.

Einige Testmodelle zieren den aufgeräumten Werkstattraum. Das glatte Nadelholz biegt sich unter den Füßen und dem Gewicht des schweren Kontrabasses, wenn Matthias Beltinger darauf spielt. Der zusätzliche Resonanzkörper transportiert den Klang in den Raum. Im Orchester ist er jetzt nicht nur besser zu sehen, sondern auch zu hören, auch bei den leisen Tönen.


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?
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