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In künstlichen Welten

Stefan Lakeband 05.08.2018 0 Kommentare

Mit einer speziellen Brille werden echte und virtuelle Welt vermischt. Firmen sollen diese Technologie in ihren Alltag integrieren.
Mit einer speziellen Brille werden echte und virtuelle Welt vermischt. Firmen sollen diese Technologie in ihren Alltag integrieren. (Karsten Klama)

Bremen. Plötzlich steht sie da. Diese Anlage, mit der Gase, die in großen Mengen bei der Stahlproduktion oder in der chemischen Industrie anfallen, verbrannt werden können. Ein riesiges, kompliziertes Teil, mitten auf dem Tisch in einem Bürogebäude in der Überseestadt. Einzelne Komponenten sind bunt gefärbt, um zu zeigen, welches Teil was macht. Wo strömt das Gas lang, wo das Wasser? Wohin geht der Dampf? Es ist verblüffend zu sehen, wie aus dem Nichts diese Anlage auftaucht. Ein digitales Modell, das in Wirklichkeit gar nicht da ist. Um diesen Effekt geht es Udo Corleis – und um noch viel mehr. „Wir wollen über den Wow-Effekt hinaus.“

Corleis ist Gründer und Geschäftsführer von Radiusmedia, einer Agentur in der Überseestadt. Mit seinem Team erschafft er Welten, die es gar nicht gibt. Augmented Reality, Virtual Reality – künstliche Welten, die weit mehr als eine Spielerei sein sollen. „Wir verstecken keine Pokemons“, sagt Corleis. Doch genau an diesem Beispiel lässt sich aber gut zeigen, worum es geht.

2016 kam Pokemon Go auf dem Markt. Spieler können sich seitdem die App auf ihr Smartphone laden und die Wesen in der echten Welt jagen und fangen. Das Spiel basiert auf sogenannter Augmented Reality, einer erweiterten Realität, bei der echte Welt und digitale Inhalte kombiniert werden. Das Spiel war für einige Monate ein riesiger, weltweiter Erfolg. Corleis möchte nun zeigen, dass diese Technologie nicht nur für die Unterhaltungsbranche interessant ist. Seine Zielgruppe: Mittelständler.

„Ich spreche auf Messen mit vielen Unternehmen. Das Interesse an der Technologie ist groß“, sagt der Geschäftsführer. Allerdings auch das Unwissen. „Das ist eine echte Barriere für Unternehmen.“ Eine, die Corleis abbauen möchte. In seinem Büro hat das Unternehmen einen Showroom aufgebaut, um zu zeigen, welche Technologie es gibt und was alles damit gemacht werden kann.

Mit einer Brille für Augmented Reality könnte etwa die Wartung von technischen Anlagen vereinfacht werden. Wenn beispielsweise der Techniker eine Anlage untersucht, kann er sich das Handbuch oder eine Reparatur-Video einblenden lassen, gleichzeitig hat er beide Hände frei, um die Arbeiten auszuführen. „Es ist auch das ideale Werkzeug für Training und Ausbildung“, sagt Corleis. An digitalen Maschinen könnten Menschen auf der ganzen Welt lernen, wie man sie repariert. Unternehmen könnten sich so echte Geräte in den Lehrwerkstätten sparen.

Experten gehen davon aus, dass sich der Markt für virtuelle Realität alle vier bis fünf Jahre verdoppelt. Bei Augmented Reality soll das sogar jedes Jahr der Fall sein. Von diesem Potenzial will Corleis etwas abhaben. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die Technologie in der breiten Masse angekommen sei. „Früher bin ich von Unternehmen gefragt worden, ob man denn wirklich ein Website brauche“, sagt der Geschäftsführer. „Heute ist sie quasi Pflicht.“ Dass es auch mit Augmented Reality so kommen wird, daran hat er keine Zweifel.

Es gehe aber nicht darum, die Technologie zu verkaufen, sondern das, was mit ihr möglich sei. „Wenn sich Unternehmen die Animation und die Möglichkeiten anschauen, sind viele begeistert“, sagt der 56-Jährige. Zusammen mit dem Kunden müsse man dann übersetzen: „Was kann das für das Tagesgeschäft bedeuten?“

So ist die Verbrennungsanlage, die plötzlich aus dem Tisch wächst, Teil einer Messepräsentation. Eine echte Anlage würde nie auf einen Messestand passen, Bilder und Videos können nur schwer einen Eindruck vermitteln, wie sie funktioniert. Beim 3D-Modell können sich Besucher alles ganz genau anschauen. Sie können näher ran gehen, einen Schritt zurücktreten, um den Tisch gehen und die Anlage von allen Seiten betrachten. „Das ist die absolute Königsklasse“, sagt der Radiusmedia-Chef. In diesem Modell steckten etwa 120 Stunden Arbeit.

Für die Firmen, die ihre Produkte so präsentieren wollen, bedeutet das laut Corleis kaum Mehraufwand. Damit seine Mitarbeiter beispielsweise solche Anlagen in dreidimensionale Modelle verwandeln können, brauchen sie lediglich die CAD-Daten und eine Erklärung, wie die Maschine funktioniert. Beides hätten die Unternehmen sowieso, sagt Corleis.

Und auch für die eigenen Zwecke nutzt Radiusmedia die neuen Technologien. Das Unternehmen bietet nämlich auch an, Stände für Messen zu bauen. Um die ihren Kunden zu präsentieren, greifen die Mitarbeiter nun auch häufig auf virtuelle Realität zurück. So können die Kunden ihren Messestand begehen, überlegen, wo was stehen soll, schauen, ob der Firmenname groß genug präsentiert ist – ohne, dass bis dahin auch nur eine Schraube geschraubt wurde.


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Leserkommentare
hopfen am 21.10.2019 11:38
Ein sehr gutes Beispiel dafür wie realitätsfern Politiker inzwischen sind. Würden alle fast identische Ferienzeiten bekommen, würde das absolute ...
admiral_brommy am 21.10.2019 11:29
Zitat: ".....und die Behörden lehnen seinen Asylantrag ab. "

Ausreisepflichtig scheint er aber nicht zu sein. Warum?
Warum ...
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