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Kleine Entwickler machen große Spiele

Eva Przybyla 14.08.2019 0 Kommentare

Keine leichte Kost: So sieht es im Videospiel
Keine leichte Kost: So sieht es im Videospiel "Through the Darkest of Times" aus. Es spielt im Zweiten Weltkrieg und stammt von einer unabhängigen Entwicklerfirma. (Paintbucket Games)

Mit der Gamescom steht das jährliche Highlight für Video- und Computerspielfans an. Am kommenden Dienstag beginnt in Köln das weltweit größte Event für Computer- und Videospiele. Im vergangenen Jahr kamen 370 000 Besucher. Und schon längst sind sie keine Wunderlinge mehr. Knapp jeder zweite Deutsche spielt am Computer, der Konsole oder dem Smartphone, heißt es auf der Internetseite des zuständigen Fachverbands „Game“. Knapp die Hälfte der „Gamer“ sind Frauen.

Produktionskosten wie beim Hollywood-Film

Besonders häufig kaufen sie alle sogenannte AAA-Games, das sind die Blockbuster unter den Spielen. Die Budgets erreichen zum Teil Summen, wie sie eher bei Hollywood-Kinofilme üblich sind. So lagen die Produktionskosten für das Videospiel „Destiny“ (2014) vom US-amerikanischen Entwicklerstudio Bungie bei 500 Millionen Dollar – damals umgerechnet rund 374 Millionen Euro. Zum Vergleich: Der letzte Teil der Hobbit-Filmtrilogie „Die Schlacht der Fünf Heere“ erschien im selben Jahr und kostete nicht einmal die Hälfte.

Dass Video- und Computerspiele keine Nischenprodukte mehr sind, zeigt auch das von vielen sehnlichst erwartete Videospiel „Death Stranding“, eines der diesjährigen Messehighlights. Filmstars spielen darin zentrale Charaktere, dabei sind Mads Mikkelsen („James Bond 007: Casino Royale“) und Léa Seydoux („Blau ist eine warme Farbe“). Aber am deutlichsten zeigt sich der Erfolg von Videospielen anhand der Umsätze, die bei einigen Spielen im Milliardenbereich liegen. Auch der Gesamtumsatz in der Spiele-Branche wächst. Allein in Deutschland lag er im ersten Halbjahr 2019 nach Verbandsangaben bei rund 2,8 Milliarden Euro. Das sind elf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Eigener Gamescom-Bereich für kleine, unabhängige Spieleentwickler

Neben Spielehersteller-Giganten wie etwa Ubisoft, Electronic Arts (EA), Nintendo und Sony Interactive mit ihren großen Budgets gibt es aber auch viele kleine Entwickler mit weit weniger Geld. Ihnen widmet die Gamescom in diesem Jahr erstmalig einen eigenen Messebereich: das Indie Village. Verbandsgeschäftsführer Felix Falk sieht bereits seit einigen Jahren den Erfolg der Indie-Games, also bei Spielen von unabhängigen und kleineren Entwickler-Studios: „Derzeit erleben wir aber einen regelrechten Indie-Boom.“ Mehr als je zuvor entwickelten kleine, unabhängige Studios Spiele, die laut Falk auf einzigartige Weise hervorstechen. Dabei beobachtet er zwei Trends, die Indie-Entwicklern heute die Arbeit erleichtern: Spiele würden von Gamern meist als Download statt als Datenträger gekauft. Dazu sei die Entwickler-Software, mit der die Spiele erstellt werden, deutlich einfacher anzuwenden als früher. Das spare Produktionszeit, erläutert der Game-Geschäftsführer.

Laut Falk werden in diesem Jahr 150 Indie-Aussteller im extra Messebereich ihre Spiele zeigen. Ausstellen dürfen dort Studios, die maximal 50 Mitarbeiter beschäftigen und höchstens fünf Millionen Euro pro Jahr umsetzen. Doch was macht „independent“, also „unabhängige“ Spiele-Entwickler eigentlich aus? Jens Junge von der Design Akademie Berlin erklärt das so: „Sie sind Enthusiasten, die ihre Spielidee unabhängig von großen Unternehmen umsetzen wollen.“ Ihre Themen seien dabei häufig auch autobiografisch und politisch. „Sie halten der Gesellschaft den Spiegel vor“, sagt der Marketingprofessor, der das Institut für Ludologie, also Spielwissenschaften, leitet. Als Beispiel nennt er etwa das Videospiel „Through the Darkest of Times“. Es spielt in der Nazizeit – der Spieler muss sich eine Widerstandsgruppe aus Juden, Katholiken und Kommunisten zusammenstellen. Das Ziel: den Zweiten Weltkrieg überleben.

Comicstil in den Independent-Spielen statt Hochglanz-Full-HD

Doch nicht nur die teils schweren Themen zeichnen Junge zufolge Indie-Games aus. Auch die Optik sei speziell. Denn das Geld für die ausgefeilte Optik der AAA-Games hätten die Indie-Entwickler nicht. Sie griffen deshalb häufig auf den Comicstil zurück und vereinfachten die Charaktere. Dies und die persönliche Note der Spiele hätten durchaus Erfolg beim Publikum: „Die Spieler können sich oft leichter mit den Charakteren identifizieren“, sagt der Spieleforscher.

Aber auch die Erzählweise der Indie-Games hat es in sich. Für den Games-Kolumnisten Niklas Golitschek sind besonders Spiele, in denen man mit seinen Entscheidungen den weiteren Verlauf der Story beeinflusst, Ausdruck der Innovation. Als Beispiel nennt er „Life Is Strange“ des französischen Studios Dontnod.  Teuer sind Indie-Spiele laut Golitschek nicht. Meistens seien sie sogar günstiger als die AAA-Games, weil der Marketingaufwand geringer sei, sagt der Games-Kolumnist. Der Nachteil: Es sei nicht immer leicht, die Spiele zu finden. Und das ist nicht der einzige Grund, warum Gamer häufig keine Indie-Spiele kaufen. Junge erläutert: „Die Spiele haben keinen Markennamen und genießen deshalb weniger Vertrauen als AAA-Games.“

Bundesregierung will Games-Branche mit 50 Millionen fördern

Doch nicht nur wenige Verkäufe machen Indie-Entwicklern in Deutschland das Leben schwer. Verbandschef Falk beklagt, dass es an staatlicher Förderung mangele, wie es sie längst in anderen Staaten – zum Beispiel in Kanada, aber auch in Europa – gebe. Durch dieses Ungleichgewicht hätten Entwickler in Deutschland einen Wettbewerbsnachteil. „Wenn ich hier ein Spiel entwickele, ist es bis zu 30 Prozent teurer als in Frankreich oder England“, sagte Falk am Dienstag auf der Gamescom-Pressekonferenz. Spielewissenschaftler Junge sieht das ähnlich: „Vater Staat finanziert Kohle und Autos, aber die Zukunftsbranche – die Games-Branche – mit all ihren Entwicklungspotenzialen, ignoriert er.“ Zwar habe die Bundesregierung im Koalitionsvertrag der Branche eine Förderung in Höhe von 50 Millionen Euro versprochen. Ob das wirklich passiere, sei immer noch fraglich.

Dass es schwer für deutsche Spiele-Entwickler ist, allein mit der europäischen Konkurrenz mitzuhalten, sagt auch Tobias Frisch. Er ist Executive Producer des unabhängigen Studios Fizbin in Ludwigsburg/Berlin. In anderen Ländern würde die Branche von der Politik stark unterstützt werden, erläutert er. So würden die Entwickler auch höhere Gehälter bekommen – ein Grund, warum viele davon ins Ausland abwanderten.

Indie-Games und Elefanten-App gleichzeitig

Was die Gründung von Fizbin vor acht Jahren angeht, erinnert sich Frisch: „Der Anfang war hart.“ Damals habe das kleine Team bis zu 90 Stunden pro Woche gearbeitet. Schließlich sei ihnen der Durchbruch gelungen. Ihr Spielerstling „The Inner World“ (2013) wurde mehrfach ausgezeichnet. Heute hat das Studio 23 Mitarbeiter, könne die Gehälter zahlen und trotzdem unabhängig bleiben, so Frisch. Dafür macht das Entwicklerstudio neben den eigenen Spielen auch Auftragsarbeiten, beispielsweise die „Elefanten-App“ für den WDR mit dem blauen Elefanten aus der „Sendung mit der Maus“.

Auf der Gamescom wird das Studio Fizbin im Indie Village vertreten sein. Es wird sein neues Spiel „Minutes of Islands“ vorstellen. Das Ziel ist stets: Das Studio Fizbin nur mit den hausgemachten Games finanzieren. „Mit jedem neuen Spiel hofft man, dass es klappt“, sagt Frisch.


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Leserkommentare
werderfan am 23.10.2019 21:15
Ich versuche das mal kurz für die Demokratiefreunde zu erläutern:
1. Der Umweltausschuss des Beirats Blumenthal tagt am nächsten Montag ...
IhrenNamen am 23.10.2019 21:02
Ich bin mal sehr gespannt wie sich das auf die Spendensumme auswirkt.
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