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Umstrittene Parkwächter
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Knöllchen nach dem Einkauf

Tobias Denne 05.05.2018 22 Kommentare

Parken nur mit Parkscheibe: Schilder vor dem Jan-Reiners-Center in Bremen-Findorff weisen Autofahrer auf die neuen Regeln hin.
Parken nur mit Parkscheibe: Schilder vor dem Jan-Reiners-Center in Bremen-Findorff weisen Autofahrer auf die neuen Regeln hin. (Frank Thomas Koch)

Schnell noch die Einkäufe fürs Wochenende erledigt – dann kommt die böse Überraschung: Das Auto steht ganz legal auf dem kostenlosen Supermarktparkplatz, doch hinter der Windschutzscheibe klebt ein "Knöllchen". Das erleben immer mehr Kunden auch im Nordwesten. Handelsketten wie Aldi, Edeka oder Rewe lassen zunehmend ihre Parkplätze von privaten Dienstleistern überwachen.

Mehr oder weniger auffällig angebrachte Schilder weisen die Autofahrer darauf hin, dass sie ihr Auto nur mit Parkscheibe und für höchstens zwei Stunden abstellen dürfen. Wer das Schild übersieht oder keine Scheibe dabei hat, erfährt hinterher, dass eine "Vertragsstrafe" von 30 Euro fällig wird – eine saftige Gebühr fürs Kurzzeitparken.

So auch am Jan-Reiners-Center im Bremer Stadtteil Findorff: Blau-weiße Schilder weisen dort darauf hin, dass es sich um ein "Privatgelände" handle. Es seien hier bitte die "AGB" zu beachten. "Mit Parkscheibe max. 120 Minuten", heißt es dort. Von einer drohenden Strafe in Höhe von 30 Euro erfährt erst, wer sorgfältig das Kleingedruckte studiert.

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"Hier befinden sich viele Wohnhäuser, und die Anwohner parken einfach auf den Parkplätzen des Centers", sagt eine Mitarbeiterin des Rewes im Findorffer Einkaufszentrum. Der Center-Manager habe die Kontrolle angeordnet und eine Firma damit beauftragt. "Es haben sich sehr viele Kunden beschwert, dass sie keinen Parkplatz mehr bekommen, weil alle belegt sind."

Daher kontrolliert nun die Firma Park and Control, wer eine Scheibe auf das Armaturenbrett gelegt hat. Viele Kunden scheinen allerdings noch nicht mit den neuen Regeln vertraut zu sein. "Bei uns liegen 300 Anträge von Kunden, die kontrolliert worden sind und eigentlich nicht zahlen müssten", sagt die Mitarbeiterin, die mit der Methode des Dienstleisters nicht zufrieden ist: "Uns laufen die Kunden weg."

Das Personal leite die Anträge zwar an die Sicherheitsfirma weiter, damit die Kunden die Strafe nicht zahlen müssen. Die Bearbeitung dauere aber etwa eine bis zwei Wochen. Nach Darstellung der Handelsketten wehren sich die Supermärkte mit ihrem Vorgehen gegen Dauerparker. "Kunden finden nunmehr wieder Parkplätze, die bisher von Langzeitparkern blockiert waren, sagt Rewe-Konzernsprecherin Daniela Beckmann. Die Reaktionen seien daher positiv.

Verwirrung bei Betroffenen

Dennoch komme es vor, dass Kunden irrtümlich zur Kasse gebeten worden seien: Sie haben im Supermarkt eingekauft und erhalten trotzdem einen Bußgeldbescheid. In solchen Fällen "setzen sich Rewe und Penny in jedem Fall für eine kulante Lösung im Sinne unserer Kunden ein", sagt Beckmann. Bei Rewe in Findorff sieht diese Lösung so aus, dass sich Kunden, die zu unrecht einen Bescheid bekommen haben, mit Park and Control in Verbindung setzen können.

"Mittlerweile liegt dem Zettel an der Windschutzscheibe ein Heft mit Informationen und einer Telefonnummer bei, an die sich die Kunden wenden können", sagt die Mitarbeiterin. Hartmut Schwarz von der Verbraucherzentrale Bremen beobachtet die Praxis der Handelsketten schon seit einiger Zeit. "Seit etwa einem Jahr gibt es diese Kontrollen bei verschiedenen Supermärkten", sagt der Finanzexperte.

Derzeit laufe noch die Übergangsphase, weswegen es bei den Betroffenen zu Verwirrung komme. Schließlich brauchten die Kunden vorher keine Parkscheibe, um kostenlos parken zu dürfen. Die Handelsunternehmen bestreiten, dass sie an den Kontrollen Geld verdienen. "Viele Supermärkte haben eine externe Firma damit beauftragt, die geparkten Autos zu kontrollieren", sagt Schwarz.

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Die Einnahmen gingen an den entsprechenden Dienstleister. Konzernsprecherin Beckmann sagt: "Weder Rewe noch Penny ziehen daraus direkte oder indirekte finanzielle oder andere Vorteile." Beckmann versichert gleichzeitig, dass lediglich "an wenigen ausgewählten Standorten" die Parkscheibenpflicht und Parkzeitenbegrenzung notwendig sei – wie sie auch auf öffentlichen Parkplätzen üblich sei.

Wenn der Kunde die Parkscheibe auf sein Armaturenbrett lege, bleibe das Parken vor dem Supermarkt auch weiterhin kostenlos. "Wir konnten das Problem der Dauerparker auf keine andere Art und Weise lösen", sagt die Konzernsprecherin. Grund sei vor allem der Mangel an öffentlichen Parkplätzen. "Erreichbarkeit ist neben dem Preis und der Qualität für Kunden ein entscheidendes Kriterium bei der Auswahl der Einkaufsstätte."

Gerade für ältere Menschen oder Kunden mit einer Gehbehinderung seien marktnahe Flächen äußerst wichtig. "Unsere Kunden sollen möglichst zu jeder Tageszeit einen freien Platz für ihren Pkw finden." Kritik übt Verbraucherschützer Schwarz an der Höhe der Gebühren. "Die stehen in keinem Verhältnis", sagt er.  Da auf einem öffentlichen Parkplatz für die fehlende Parkscheibe lediglich zehn Euro fällig würden, seien die 30 Euro, die Unternehmen wie Park and Control fordern, deutlich überzogen: "Das ist schon ziemlich frech."

Schlechte Kommunikation seitens der Supermärkte

Die Sicherheitsfirmen könnten die Höhe einfach festlegen, da es den Aufwand nicht wert sei, für 30 Euro vor Gericht zu ziehen. "Die Firmen stoßen da in eine Nische", sagt Schwarz. Daher bezahlten die Betroffenen häufig einfach die Gebühr. Vor allem bemängelt Schwarz die schlechte Kommunikation seitens der Supermärkte. "Als Kunde muss ich vorher über die Allgemeinen Geschäftsbedingungen informiert werden", sagt er.

Der Kunde müsse wissen, dass er beim Abstellen seines Autos eine Parkscheibe sichtbar rauszulegen habe, da ansonsten ein Bußgeld drohe. Dafür müsse es große, sichtbare Schilder geben, die gut lesbar und verständlich geschrieben seien – und zwar an der Einfahrt zum Parkplatz. "Wenn das Schild irgendwo an der hinteren Seite des Parkplatzes hängt und ich vorne parke, dann weiß ich nichts von der Bestimmung", sagt Schwarz. Die Supermärkte müssten die Schilder sichtbarer positionieren.

Trotz der Kontrollen vor den Supermärkten glaubt Finanzexperte Schwarz, dass die Bescheide künftig weniger werden. "Jeder, der das weiß oder schon einen bekommen hat, der merkt sich das natürlich", sagt der Verbraucherschützer. Am wichtigsten sei, dass Kunden ihren Kassenbon aufbewahren. Denn nur so könnten sie beweisen, dass sie wirklich Einkaufen waren – und der 30-Euro-Stafe entgehen.


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Leserkommentare
holger_sell am 20.10.2019 15:36
Kultur ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und gerade auch in Bremen ein Magnet für den Tourismus.
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holger_sell am 20.10.2019 15:30
Jede Politik hat ihre Klientel.
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