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Neue Vorwürfe gegen McDonald's-Restaurants in Bremen und Brinkum

Florian Schwiegershausen 22.01.2019 11 Kommentare

Ein Archivfoto von McDonald´s an der Domsheide. Inzwischen ist das Restaurant umgebaut. Bereits im August 2017 Mitarbeiter kritisierten Mitarbeiter, dass der Franchisenehmer überall spare und gegen Firmenstandards verstoße. Das sei alles nun noch
Ein Archivfoto von McDonald´s an der Domsheide. Inzwischen ist das Restaurant umgebaut. Bereits im August 2017 Mitarbeiter kritisierten Mitarbeiter, dass der Franchisenehmer überall spare und gegen Firmenstandards verstoße. Das sei alles nun noch viel schlimmer. (Frank Koch)

Es ist fast eineinhalb Jahre her, dass der WESER-KURIER über die Zustände in den McDonald’s-Restaurants in Bremen und umzu berichtet hatte. Die Hygiene lasse zu wünschen übrig, Mitarbeiter werden gegängelt. Doch seitdem soll alles noch viel schlimmer geworden sein – auch was die hygienischen Zustände angeht. So berichtet es Radio Bremen. Die Vorwürfe: Salat, der eigentlich schon abgelaufen ist, wird trotzdem noch weiter verwendet. Sobald eine externe unangekündigte Kontrolle im Restaurant erscheint, in McDonald’s-Kreisen auch „Blitz“ genannt, wird schnell der noch haltbare Salat hervorgeholt, und die Haltezeiten in den Warmhaltekontrollen werden eingehalten. Außerdem gebe es verkrustete Milchaufschäumer und gebrauchte Becher, in denen Milchshakes waren. Die seien gereinigt und wieder verwendet worden.

Sollten sich diese Vorwürfe bewahrheiten, kann es eng werden für den Bremer Franchiser Bernd Oude Hengel. Er sagte dem Sender und dem WESER-KURIER, dass die vorgegebenen McDonald's-Standards für ihn absolutes Selbstverständnis seien: „Sollten vereinzelt Mitarbeiter grob fahrlässig gehandelt haben, so ist dies in erster Linie für mich schockierend und selbstverständlich ohne mein Wissen geschehen. Ein solches Vorgehen entspricht natürlich nicht meinem Qualitätsanspruch und eine schnelle und umfängliche Aufklärung dieser Vorfälle ist auch in meinem Interesse.“

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Das hört McDonald's Deutschland gern. Denn in Fällen mangelnder Hygiene ist mit der Company nicht zu spaßen. Von ihr stammt das oberste Gebot, dass neuen Mitarbeitern gleich in der ersten Woche die Worte „Qualität – Service – Sauberkeit“ gepredigt werden. Die Gewerkschaft NGG berichtet außerdem, dass Mobbing in den Läden System habe – vor allem bei Mitarbeitern, die schon mehrere Jahre im Betrieb und entsprechend in einer höheren Lohngruppe sind. Auch das bestreitet Oude Hengel vehement.

Altgediente Mitarbeiterin gemobbt

Doch es gibt das Beispiel einer ehemaligen Mitarbeiterin. Eigentlich hat sie gern bei McDonald’s gearbeitet. Neun Jahre sind es gewesen: „Wir sind in unserem Store ein gutes Team gewesen“, sagt die Frau, deren Name der Redaktion bekannt ist. Doch das mit dem Team habe sich geändert, als im September 2016 der Franchise-Nehmer Bernd Oude Hengel aus Dortmund nach Bremen kam und hier 23 Restaurants in Bremen und umzu übernahm.

Nach einer Babypause durfte sie nur noch in der Lobby arbeiten – also Tische abwischen und die Klos putzen. Neben dem Job bei McDonald’s half sie noch in einer Bäckerei als Verkäuferin aus, wofür sie seitens ihres Hauptarbeitgebers eine Genehmigung hatte. Den ersten Tag, nachdem sie eine Zeit lang krankgeschrieben war, arbeitete sie wieder ihren ersten Sonntag in der Bäckerei. Da kam plötzlich ihr Restaurantleiter. Er zückte sein Handy und begann Fotos zu machen. Dabei sind nach Zeugenaussagen Worte gefallen wie „Jetzt haben wir Dich“. Als die Frau in der Bäckerei in die Mitarbeiterräume flüchten wollte, versuchte er sogar noch, sie dorthin zu verfolgen, was eine andere Verkäuferin dort unterbinden konnte. Die Polizei wurde gerufen, später hieß es vom Restaurantleiter, er sei in die Richtung gelaufen, weil er in der Bäckerei eine Toilette gesucht habe. Dass die Mitarbeiterin nach ihrer Krankheit nach Plan ihren ersten Arbeitstag in der Bäckerei hatte und erst danach bei McDonald’s, wollte der Restaurantleiter nicht einsehen. Die Kündigung folgte. Dagegen setzte sich die Frau erfolgreich zur Wehr. Doch nachdem ihr der Restaurantleiter offensichtlich nachgestellt hatte, kündigte sie doch bei McDonald’s, weil sie auch Angst um ihre Kinder hatte. Doch runterkriegen lässt sie sich nicht.

Das ist kein Einzelfall, wie versucht wird, die Mitarbeiter systematisch einzuschüchtern. So sagt es auch die Gewerkschaft NGG: „Es geht darum, dass langjährige Mitarbeiter, die durch ihre Betriebszugehörigkeit in einer höheren Lohngruppe sind, systematisch rausgemobbt werden, damit sie am besten von selbst kündigen.“ So sind von den gewerkschaftlich organisierten Mitarbeitern, die vor zwei Jahren dafür gesorgt hatten, dass es zum ersten Mal bei McDonald’s in Bremen zu einem Streik kam, nur noch wenige da. „Viele von ihnen wurden so unter Druck gesetzt, dass sie irgendwann gekündigt haben“, sagt NGG-Gewerkschaftssekretär Dieter Nickel.

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In einem anderen Fall wurde ein langjähriger Mitarbeiter beschuldigt, er hätte Essen kostenlos an Freunde rausgegeben. Auch diese Anschuldigung hatte später vor dem Arbeitsgericht keinen Bestand. Laut DGB-Rechtsberatung hat es 2018 zehn Arbeitsprozesse gegeben. Alle seien zugunsten der Mitarbeiter ausgegangen. Dass Mitarbeiter von Schichtführern auch mal vor den Augen der Kunden verbal angegangen werden, sei schon nichts Besonderes mehr – auch eigentlich kein McDonald’s-Standard.

Moritz Steinberger, zuständiger Gewerkschaftssekretär bei der NGG, sagt dazu: „Die hygienischen Zustände hängen klar mit der Mitarbeitersituation zusammen – eine Abstimmung mit den Füßen. Denn immer mehr haben gekündigt, so dass die Mitarbeiter, die noch übrig sind, die Hygienestandards nicht mehr einhalten können und überfordert sind.“ Wenn zu wenig Mitarbeiter in den Läden sind, sei deshalb auch keine Zeit mehr fürs Putzen. Dieser Zeitung wurde von einem Mitarbeiter berichtet, der in einem Restaurant eine Zeit lang Doppelschichten gearbeitet hatte.

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Ein McDonald's-Sprecher sagte dem WESER-KURIER: „Wir nehmen die Situation sehr ernst.“ Mit Verweis auf die hohen hygienischen Standards des Unternehmens wolle man die Beweise auswerten. Jedes Restaurant werde pro Jahr im Schnitt 14 Mal besucht. Wer mal bei McDonald's gearbeitet hat, weiß aber, wie früher in solchen Fällen schnell ein Store den anderen informierte – und entsprechend wurde alles blank geputzt.

McDonald’s selbst gehören nur noch zehn Prozent der 1470 Restaurants in Deutschland, die restlichen sind an 238 Franchise-Nehmer weitergegeben. Sie zahlen eine monatliche Lizenz. Über die Kontrollen sagt der McDonald's-Sprecher: „Sollten hierbei Unregelmäßigkeiten auftauchen, greift ein Maßnahmenkatalog, der von einer engmaschigeren Überprüfung und intensiveren Betreuung der Restaurants bis hin zu arbeitsrechtlichen beziehungsweise franchisevertraglichen Konsequenzen gehen kann.“


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Leserkommentare
suziwolf am 22.10.2019 13:29
@Wesersteel ...

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Oder Vorhandene mit Rammschutz ausrüsten ?
Bremen-Fan am 22.10.2019 13:25
Was ist "mangelnde soziale Kompetenzen"? Oder wollte @daa2011 einfach ein Schlagwort benutzen, um Bremer Eltern schlecht zu reden, die ihre Kinder in ...
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