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Neuer Besitzer für Borgward

Stefan Lakeband 02.01.2019 4 Kommentare

Borgward hat einen neuen Besitzer. Ob nun das Werk in Bremen tatsächlich gebaut wird, ist noch unklar.
Borgward hat einen neuen Besitzer. Ob nun das Werk in Bremen tatsächlich gebaut wird, ist noch unklar. (CARMEN JASPERSEN)

Wenn ein chinesisches Start-up eine Marke kauft, die für viele Sinnbild des deutschen Wirtschaftswunders ist, kann man das als vertauschte Rollen bezeichnen – oder als Zeichen dafür, dass alte Denkmuster überholt werden müssen. Klar ist: Solche Geschäfte kommen immer häufiger vor. So hat seit Ende Dezember der Bremer Autobauer Borgward, der Anfang der 60er-Jahre pleiteging und vor wenigen Jahren wiederbelebt wurde, einen neuen Besitzer: das chinesische Start-up Ucar.

Das junge Unternehmen übernimmt die 67 Prozent, die Foton, der bisherige Eigner von Borgward, Mitte Oktober angeboten hatte. Seitdem hatte es einige Spekulationen gegeben, wer Interesse an der wiederbelebten Traditionsmarke haben könnte. Am 28. Dezember dann die offizielle Entscheidung: Für 508 Million Euro übernimmt Ucar die Mehrheit.

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Hinter diesem Namen verbirgt sich ein aufstrebendes Unternehmen am chinesischen Mobilitätsmarkt – und ein Geschäftsprinzip, das man vor allem mit dem Silicon Valley in Verbindung bringt. Denn Ucar bietet Fahrdienste an, vergleichbar mit dem US-Start-up Uber. Nutzer können sich hier über eine App einen Wagen samt Fahrer bestellen, der sie dann von A nach B bringt.

Dieses Geschäftsmodell ist in China sehr lukrativ, allerdings auch sehr umkämpft. 2016 hat das Unternehmen Didi den chinesischen Ableger des US-Rivalen Uber übernommen. Ucar war hinter Didi und Uber damals die Nummer drei auf dem Markt für Fahrdienste. Was das 2005 gegründete Unternehmen allerdings von seinen Konkurrenten unterscheidet: Die Fahrer sind nicht mit ihren Privatwagen unterwegs. Stattdessen werden die Fahrzeuge von Ucar gestellt. Und auch die Zielgruppe ist eine andere: Der Service von Ucar richtet sich an Besserverdienende, die Autos kommen aus dem Premiumsegment.

Neuer Chef ist Experte für E-Autos

Das könnte ein Grund sein, warum Ucar Borgward übernommen hat. Seit dem Start auf dem chinesischen Markt vor zweieinhalb Jahren, hat sich Borgward als Anbieter von erschwinglichen Premium-Autos inszeniert. Ucar könnte in der Übernahme nun etwa die Möglichkeit sehen, den eigenen Fuhrpark kostengünstig mit Borgwards auszubauen. Wie genau die Pläne des Start-ups mit dem Autobauer lauten, ist jedoch nicht bekannt. Auf Nachfrage des WESER-KURIER sagt Borgward-Sprecher Marco Dalan lediglich: „Wir begrüßen den Einstieg. Der neue Investor unterstützt unsere Entwicklung nachhaltig und steht für zusätzliche Stabilität.“

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Mit dem neuen Besitzer tut sich auch an der Spitze von Borgward etwas. Zum neuen Chef wurde Bruno Lambert berufen. Der Manager hatte zuvor mehr als elf Jahre beim österreichischen Autozulieferer Magna Steyr gearbeitet, unter anderem als Verantwortlicher für das Asien-Geschäft. Zuletzt war Lambert Chef von Iconiq Motors, einem Start-up, das in diesem Jahr ein Elektroauto auf den chinesischen Markt bringen will.

Elektromobilität wird den Manager wohl auch bei seinem neuen Arbeitgeber begleiten. Auch Borgward hat bereits ein E-Auto entwickelt; noch in diesem Jahr soll der BXi7 erst in China und dann in Deutschland auf den Markt kommen.

Was wird aus Bremen?

Mit Borgward übernimmt Ucar allerdings auch ein Unternehmen, das selbst Probleme hat. So hat Borgward in den ersten neun Monaten des Jahres 2018 laut Foton 215 Millionen Euro Verlust gemacht. Auch die Expansion in Deutschland ist ins Stocken geraten: Noch zum Marktstart im vergangenen Sommer hieß es, die Autos sollten über die Neuwagenplattform des Autovermieters Sixt verkauft werden. Aus der geplanten Kooperation wurde jedoch nichts. Auch die angekündigten Brand Center in mehreren deutschen Großstädten gibt es noch nicht. Lediglich in Stuttgart, wo Borgward seine Deutschland-Zentrale hat, gibt es einen Showroom in Innenstadtlage – die meiste Zeit war er jedoch geschlossen. Grund seien unerwartete umfangreiche Bauarbeiten gewesen, sagte Dalan.

Welchen Einfluss die Übernahme auf die Bremen-Pläne des Autobauers hat, ist bislang noch nicht klar. Nach wie vor würde Borgward gerne eine Fertigung in der Hansestadt errichten. Neben einer fehlenden Genehmigung der chinesischen Regierung war aber zuletzt auch immer auf den potenziellen neuen Investor verwiesen worden: Er müsse der Expansion ebenfalls zustimmen. Zum Jahresende ist zudem die seit April 2017 bestehende Reservierung für ein 140.000 Quadratmeter großes Areal im Güterverkehrszentrum Bremen ausgelaufen. Die Fläche kann somit auch an andere Interessenten verkauft werden. Man sei mit der Stadt Bremen aber noch immer im Austausch.

Mit dem Start auf dem deutschen Markt ist man jedoch zufrieden, sagt der Borgward-Sprecher. Konkrete Zahlen für den deutschen Markt wollte er jedoch nicht nennen. Die limitierte Version des Stadtgeländewagens BX7 sei mittlerweile aber ausverkauft. Dabei soll es sich um eine niedrige dreistellige Zahl handeln. Insgesamt hat Borgward nach eigenen Angaben bislang etwa 110.000 Autos in 20 Ländern verkauft.


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...
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