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Materialise investiert 25 Millionen Euro
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Neuer Standort für 3-D-Druck in Bremen

Lisa Boekhoff 10.10.2019 0 Kommentare

Die Technik mit Laser macht es möglich, Bauteilen eine ganz spezielle Struktur zu geben.
Die Technik mit Laser macht es möglich, Bauteilen eine ganz spezielle Struktur zu geben. (Materialise)

Momente können Weichen setzen. Und erst im Rückblick lässt sich dann meist die Geschichte erzählen – wie bei der des 3-D-Drucks in Bremen. Es war nämlich eine Forschungseinrichtung im Technologiepark, in der 1989 der erste 3-D-Drucker Europas stand: im Bremer Institut für Produktion und Logistik (Biba). Als Wilfried Vancraen zu Besuch war, begeisterte ihn die Technik und er gründete nicht lange Zeit darauf die Materialise NV. Vancraen zählt heute zu den Pionieren des 3-D-Drucks.

Nur einen Kilometer Meter Luftlinie vom Biba entfernt baut sein Unternehmen nun dreißig Jahre später ein neues Kompetenzzentrum für den 3-D-Druck von Metall. Marcus Joppe hat daran einen großen Anteil. Der Geschäftsführer von Materialise Deutschland arbeitete 1989 als studentischer Mitarbeiter beim Biba. Das Thema 3-D-Druck hat ihn seither nicht losgelassen. Der Informatiker gründete ebenfalls ein eigenes Unternehmen. „Vor dreißig Jahren wirkte es noch ein bisschen wie Science-Fiction. Mein Glaube an diese Technologie war aber schon da.“

Metallpulver bringt die gewünschte Form

Schicht für Schicht verschmelzen beim 3-D-Druck Kunststoff oder Keramikpulver oder wie bei Materialise Metallpulver durch einen Laser zur gewünschten Form. Die Bauteile bringen durch dieses Verfahren sonst unmögliche Eigenschaften mit. In der Medizin werden sie heute benutzt, weil sie sehr komplex und sehr individuell gebaut sein können. Die Struktur kann etwa helfen, dass ein Körper Prothesen besser aufnimmt. In der für Bremen bedeutenden Luft- und Raumfahrt kommen sie zum Einsatz, weil die im Drucker entstanden Metallstücke leicht sein können. In der Automobilbranche und im Maschinenbau sind die Teile ebenfalls gefragt.

Der Spatenstich für das neue Kompetenzzentrum am Mittwoch ist äußerst symbolisch. Denn auf der Baustelle in der Konrad-Zuse-Straße 7 ist schon längst ein Fundament für die Gebäude entstanden. Bauarbeiter sind bereits im Einsatz. Als Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) seine Rede hält, ist darum im Festzelt zwischenzeitlich ein dumpfes Klopfen und Hämmern von draußen zu hören.

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Bovenschulte hält die Pläne von Materialise in Bremen nicht nur für einen Zufall. Denn am Standort gebe es jede Menge Forschung zum 3-D-Druck. „Wir können das sehr gut gebrauchen“, sagt der Bürgermeister zum Vorhaben und wird – vielleicht aufgrund von Signalen der Wirtschaft in der Vergangenheit – ganz grundsätzlich: „In der jetzigen wirtschaftlichen Situation brauchen wir in Bremen klare Aufbruchsignale. Wir brauchen Unternehmen, die mutig sind, die hier investieren. Die Unternehmen sind herzlich willkommen.“ Die Politik wolle dafür gute Rahmenbedingungen schaffen. Und weiter: „Wir werden niemand anderen haben als uns selbst und unsere eigene Kraft, um die Grundlage für die wirtschaftliche Zukunft unseres Bundeslandes zu schaffen.“

Der Bürgermeister hofft, dass der 3-D-Druck in Bremen sich zu einem Schwerpunkt entwickelt. Die Wirtschaft sei hier stark industriell geprägt, weniger von Dienstleistungen. „Wir haben vor allen Dingen die Herausforderung, diese beiden Welten zusammenzubringen.“ Die 3-D-Technologie sei dafür ein Beispiel.

Schon jetzt hat Materialise in Bremen laut Joppe das weltweit einzige Kompetenzzentrum für Metall-3-D-Druck in der Gruppe. Die Tochter sei ein Wachstumsmotor in der Unternehmensgruppe. Los ging es für sie mit der Entwicklung von Software für den 3-D-Druck. Eine Fertigung für die Industrie kam 2016 dazu. Materialise baut vor allem für Europa Prototypen oder Kleinserien. Bauteile gehen aber auch in die USA oder Japan. Weil die Fertigung schnell wirtschaftlich erfolgreich gewesen sei, sagt Joppe, habe es die Idee für den größeren Standort gegeben.

Kompletter Herstellungsprozess soll abgedeckt werden

In den neuen Gebäuden im Technologiepark sollen Fertigung, Forschung und Softwareentwicklung unter ein Dach zusammengebracht werden und stärker voneinander profitieren. Und es soll dort der gesamte Prozess der Herstellung in Zukunft abgedeckt werden. Anfang 2021 soll der Umzug passieren. Der Baubeginn sei ein „großer Meilenstein“ für Materialise. „Es wird Zeit, dass wir bald umziehen“, sagt Joppe während seiner Ansprache. Denn an den beiden bisherigen Standorten werde es eng. Einen direkten Nachbarn kennen Joppe und seine Mitarbeiter bereits gut: OHB. Materialise arbeitet mit dem Satellitenhersteller im Bereich Forschung und Entwicklung zusammen, um den Metall-3-Druck für Bauteile, die ins All fliegen sollen, zu qualifizieren. Auch mit der Bremer Goldschlägerei (Bego) und Instituten im Technologiepark sei man gut vernetzt. Die Nähe zur Uni und damit zu den Studenten sei wichtig. Darum sieht Joppe Materialise hier nicht nur wegen der Wurzeln am besten aufgehoben.

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Welche Kraft der 3-D-Druck haben könne, zeige die Medizin. Innerhalb von fünf Jahren sei der Anteil an Hörgeräten aus Kunststoff aus dem 3-D-Drucker auf 95 Prozent gestiegen. „Eine ganze Branche wurde umgewandelt“, sagt Geschäftsführer Joppe. Das lasse sich nicht auf alle Märkte übertragen, aber zeige das Potenzial. Die Technologie stehe an der Schwelle zur Serienfertigung. Große Wachstumschancen gebe es insbesondere in der Luft- und Raumfahrt, der Automobilbranche, der Medizin aber auch bei Konsumgütern.

Insgesamt sollen am Standort in den nächsten Jahren 25 Millionen Euro investiert werden. Davon entfallen 7,5 Millionen Euro auf den Neubau mit 3500 Quadratmeter. Die beiden Gebäude sollen Platz für mehr als 120 Mitarbeiter und 30 der Metall-3-D-Drucker bieten. Derzeit arbeiten für Materialise 75 Mitarbeiter in Bremen – und zwölf Drucker. Weltweit gibt es in der Gruppe, die angibt, weltweit führender Anbieter von Software und Dienstleistungen im Bereich 3-D-Druck zu sein, mehr als 2000 Mitarbeiter in 20 Ländern. In Deutschland kümmern sich Kollegen in Gilching bei München um den Vertrieb.

Joppes Unternehmen wurde damals von Materialise übernommen. Die Geschichte schließt sich – vorerst nur für den Moment.


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?
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