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OHB will mit einer Mini-Rakete hoch hinaus

Stefan Lakeband 03.10.2019 3 Kommentare

Der erste Entwurf für die noch namenlose Rakete. Entwickelt und gebaut wird sie von der Rocket Factory Augsburg, einem Tochterunternehmen von OHB.
Der erste Entwurf für die noch namenlose Rakete. Entwickelt und gebaut wird sie von der Rocket Factory Augsburg, einem Tochterunternehmen von OHB. (Illustration:OHB; Montage: WK)

Stefan Brieschenk will effizienter sein. Immer wieder sagt er dieses Wort, immer wieder erklärt er, wie er das erreichen will. Brieschenk baut Raketen und ist damit in einer Welt zu Hause, in der das Credo „höher, schneller, weiter“ oft das Handeln bestimmt. Er sagt aber: „Wir wollen das Rad nicht neu erfinden.“ Anders als die anderen sein, das will Brieschenk schon.

Der 34-Jährige ist Chefentwickler bei der Rocket Factory Augsburg. Ein Start-up, hinter dem der Bremer Raumfahrtkonzern OHB und dessen Tochterfirma MT Aerospace stecken. OHB war bislang für seine Satelliten bekannt. Mit der Rocket Factory kommen nun auch noch Raketen hinzu.

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Wenn Brieschenk, promovierter Luft- und Raumfahrtingenieur, von der Rakete erzählt, hört sich alles ganz einfach an. „Die Frage, wie man Raketen baut, ist beantwortet“, sagt er. Man müsse nur einen Weg finden, den Prozess zu verschlanken. Oder: „Ich glaube, dass wir ein unglaublich günstiges Produkt erschaffen.“ Der Schlüssel dazu, das sei besagte Effizienz. Die hat er sich in einer anderen Industrie abgeschaut. „Für uns ist der Automobilbau das Vorbild, wenn es darum geht, Technologie möglichst kostengünstig zu entwickeln.“ Zwar seien die Stückzahlen bei den Autobauern deutlich höher, Brieschenk ist dennoch zuversichtlich.

Ein Beispiel, wie er die Kosten drücken will: Zehn baugleiche Triebwerke soll eine Rakete der Rocket Factory haben. Ab hundert Triebwerken könne man sie günstig produzieren. Zahlen, die in der Raumfahrt schon fast Serienfertigung bedeuten. „Wir planen daher mit zehn Raketen pro Jahr. Unsere Vision ist es, dass es deutlich mehr als 20 werden.“

Viele kleine Satelliten sollen zusammenarbeiten

Möglich soll das durch einen Trend werden, der sich künftig noch verstärken wird: Satelliten werden immer kleiner. Dementsprechend müssen auch die Raketen nicht mehr riesig sein. Und: Viele kleine Satelliten sollen künftig im All zusammenarbeiten und sich in sogenannten Konstellationen vernetzten. Ein Beispiel ist das Projekt Oneweb, an dem auch Airbus beteiligt ist. Hier sollen 2000 Satelliten ins All gebracht werden, um entlegene Orte der Erde mit Internet zu versorgen. Auch SpaceX, Amazon und Facebook planen Ähnliches.

„Früher wurde Riesenraumfahrt betrieben“, sagt Klaus Schilling, Professor an der Universität Würzburg und Raumfahrtexperte. „Heute hat man es in der Hand.“ Das ist durchaus wortwörtlich gemeint. Mittlerweile lieferten beispielsweise 150 Kleinsatelliten hochaufgelöste Bilder von der Erde, keiner größer als 30 Zentimeter. Handlichkeit ist aber nur ein Vorteil: Sie seien auch günstiger und schneller zu entwickeln. „Dadurch steigen die Innovationszyklen“, sagt Schilling.

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Er sieht in den kleinen Satelliten, ein „großes wirtschaftliches Potenzial“. Zum Start der Konstellationen müssten etliche Satelliten gleichzeitig mit großen Raketen ins All gebracht werden, sagt Brieschenk. Viele dieser Satelliten hätten aber nur eine Lebensdauer von wenigen Jahren. „Dann müssen die Satelliten einzeln ersetzt werden, indem sie zu einer bestimmten Zeit in eine bestimmte Umlaufbahn geschossen werden. Das geht aber nur mit kleinen Raketen.“ Und genau solche Raketen will die Rocket Factory bauen.

Anders als etwa die Ariane 5 oder ihre Nachfolgerin, soll die Augsburger Rakete wesentlich kleiner sein. 1,6 Meter Durchmesser, Platz für 200 bis 500 Kilogramm Ladung. Seit zwölf Monaten arbeitet Brieschenk mit nun 50 Kollegen an den Entwürfen der Rakete, erste Tests der Bauteile habe es gegeben, Premierenflug soll 2021 sein. „Wir sitzen Tag und Nacht daran“, sagt der 34-Jährige. Für ihn ist es etwas Persönliches: „Für mich gibt‘s kein anders Ziel in meinem Leben, als für die Raumfahrt zu arbeiten.“

Stefan Brieschenk, Chefentwickler der Rocket Factory Augsburg.
Stefan Brieschenk, Chefentwickler der Rocket Factory Augsburg. (Privat)

„SpaceX ist eines der besten Vorbilder“

Dass der Traum einer eigenen Rakete nicht unmöglich ist, das haben andere vorgemacht. „SpaceX ist eines der besten Vorbilder“, sagt Brieschenk. Das Start-up von Elon Musk habe es geschafft, das Geschäft mit den Trägerraketen zu kommerzialisieren. Auch die Rocket Factory soll sich dem Kostendruck stellen. Die Ingenieure denken nicht nur technisch, sondern auch immer an die Kosten. „Ich glaube, dass wir es schaffen werden, unglaublich günstig zu sein.“ Angepeilt seien 5000 Dollar für ein Kilogramm Ladung. Diese Zahl habe auch SpaceX erst kürzlich rausgegeben. „Wir haben aber gute Karten, Elon Musk zu schlagen“, sagt Brieschenk.

Die Chancen stehen für die Rocket Factory gar nicht so schlecht. Mit OHB als Mutterkonzern hat das Start-up nicht nur einen großen Geldgeber, sondern auch gleich seinen ersten Kunden. Denn die Satelliten, die das Bremer Unternehmen baut, müssen irgendwie in den Weltraum gelangen. Bislang passiert das unter anderem mit der Ariane-5-Rakete, deren Oberstufe in Bremen gebaut wird, oder auch mit Raketen von SpaceX. Doch die Rocket Factory von OHB ist längst nicht der einzige neue Anbieter für Raketen. In Gilching bei München, nur eine Stunde von Augsburg entfernt, sitzt schon der nächste Konkurrent. Isar Aerospace. Auch hier hat man SpaceX als Vorbild, auch hier soll der erste Start in zwei Jahren sein. Bis zu einer Tonne Nutzlast soll die Rakete namens Spectrum in den Weltraum bringen. Anders als bei der Rocket Factory steht hinter Isar Aerospace nicht ein Raumfahrtunternehmen, sondern der ehemalige SpaceX-Ingenieur Bülent Altan mit einem Fonds für Wagniskapital sowie weitere private Investoren.

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Was beide Unternehmen aber eint, ist der Glaube an den Markt für kleine Satelliten. „Raumfahrt ist das Betriebssystem der Erde“, sagt der Isar-Aerospace-Gründer Daniel Metzler. „Aber sie ist auch enorm teuer.“ Ein Start mit der Spectrum-Rakete soll das ändern: Wer einen Kleinsatelliten mir ihr ins All bringen möchte, solle gerade mal ein Viertel vom heutigen Preis bezahlen müssen. Einen ersten Erfolg hat das Start-up bereits verbucht: Mit Airbus hat Isar Aerospace eine Absichtserklärung unterzeichnet; es geht um eine Konstellation für Erdbeobachtungssatelliten, die die Spectrum-Rakete in 500 Kilometern Höhe aussetzen soll.

Dennoch: Der Weg ins All wird nicht leicht sein. Doch sowohl Metzler als auch Brieschenk sind überzeugt: Das Geschäft mit den kleinen Raketen, es könnte sehr groß werden.


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?
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