Wetter: wolkig, 7 bis 15 °C
Raumfahrtindustrie in Bremen
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

OHB-Chef fordert mehr Geld für Raumfahrt-Forschung

Peter Hanuschke und Florian Schwiegershausen 20.08.2018 0 Kommentare

Russische Astronauten beim Außeneinsatz an der Internationalen Weltraumstation ISS.
Russische Astronauten beim Außeneinsatz an der Internationalen Weltraumstation ISS. (ESA/Alexander Gerst/dpa)

Mehr Geld für die deutsche Raumfahrtforschung – dafür setzt sich OHB-Chef Marco Fuchs ein. Nicht nur für seinen Bremer Raumfahrttechnologie-Konzern, der regelmäßig zu den Unternehmen gehört, die Ausschreibungen nationaler Raumfahrtprogramme gewinnen. Fuchs fordert in seiner aktuellen Kolumne auf der firmeneigenen Internetseite eine schrittweise Erhöhung des Nationalen Programms für Weltraum und Innovation in Deutschland. Er hat damit die gesamte Branche im Blick, die mit ihrer Forschung und ihren Projekten für wegweisende Entwicklungen der Technologie sorge.

"Der Staat ist der größte Akteur in der Raumfahrt, spielt er doch auf beiden Seiten des Spielfelds mit", so Fuchs. Denn einerseits sei er ein wichtiger Kunde, der den Bürgern wichtige Raumfahrtanwendungen zur Verfügung stelle, etwa die Satellitennavigation oder die Satelliten zur Wetterbeobachtung. Andererseits unterstütze der Staat die Raumfahrt mit Technologieförderprogrammen, um wichtige Fähigkeiten zu erhalten, auszubauen oder aufzusetzen.  

Mehr zum Thema
Millionenschwere Studie: OHB gewinnt Ausschreibung
Millionenschwere Studie
OHB gewinnt Ausschreibung

Dieses Mal geht es für den Bremer Raumfahrtkonzern OHB nicht direkt um den Bau von Satelliten. Doch ...

 mehr »

Ein starkes Nationales Programm für Weltraum und Innovation alleine könne zwar keinen Industriezweig wie die Raumfahrt über Wasser halten, es ermögliche aber viele Entwicklungen, die ein Unternehmen aus der eigenen Tasche nicht finanzieren könnte, so der OHB-Vorstandsvorsitzende. "Daher lohnt auch der Blick über den Tellerrand und der offenbart, dass etwa in Frankreich das nationale Entwicklungsprogramm finanziell deutlich besser ausgestattet ist." Dort stelle der Staat jährlich rund eine Milliarde Euro für Förderungen zur Verfügung, in Deutschland sei es etwa nur ein Drittel dieser Summe.

Dieser Unterschied mache sich derzeit noch nicht bemerkbar – "sonst wäre Frankreich uns um Längen voraus" –, aber an manchen Stellen werde schon deutlich, dass für nationale Pläne zur Entwicklung von neuen Technologien und Produkten "tiefer in die Tasche gegriffen wird, dass es mehr nationale Satellitenprogramme gibt, die die französischen Wettbewerber dann natürlich in den entsprechenden Programmen der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa in eine bessere Ausgangsposition bringt."

Industrieeigene Forschungsausgaben

Wie wichtig Forschung und Entwicklung für die Branche sind, unterstreichen Zahlen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWI). Danach lagen die industrieeigenen Forschungsausgaben im vergangenen Jahr weiterhin auf sehr hohem Niveau. Laut BMWI hatten sie ein Volumen von vier Milliarden Euro; diese Zahl entspricht einem Anteil von zehn Prozent des Branchenumsatzes. Allerdings bezieht sich das nicht nur auf die Raumfahrt, sondern auch auf die deutsche Luftfahrtindustrie.

"Das nationale Programm für Weltraum und Innovation ist eine zentrale Säule der deutschen Raumfahrtpolitik", so Cornelia von Ammon, Sprecherin des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), deren Vorstand Fuchs angehört. Eine kontinuierliche budgetäre Steigerung sei unerlässlich, um die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Raumfahrtbranche in ihrer ganzen Breite – vom Systemhaus bis zum Klein- und mittleren Unternehmen (KMU) – zu sichern und auszubauen, sagte die BDLI-Sprecherin. "Nur eine ausreichende Finanzierung auf nationaler und europäischer Ebene sichert den unabhängigen europäischen Zugang zum All und erhöht die Kooperationsfähigkeit im bilateralen und internationalen Rahmen."

Mehr zum Thema
Kommentar über Raumfahrt: Nutzen im Alltag
Kommentar über Raumfahrt
Nutzen im Alltag

Verliert Deutschland im Bereich Raumfahrtforschung und -entwicklung den Anschluss, dann verliert ...

 mehr »

Unterstützung bekommt Fuchs auch von politischer Seite – zumindest aus Bremen, Bayern und Baden-Württemberg. In diesen drei Bundesländer hat die Raumfahrt traditionell eine große Bedeutung. "Zusammen mit Bayern und Baden-Württemberg hatten wir ja bereits im vergangenen Jahr vor der Bundestagswahl in einem sogenannten Drei-Länder-Papier die Empfehlung ausgesprochen, dass das nationale Budget jährlich erhöht werden sollte", sagt Tim Cordßen, Sprecher von Bremens Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD). Das sei vor allem notwendig, um nicht den Anschluss an andere Nationen zu verlieren. Vielleicht habe dieses Papier dazu beigetragen, dass diese Empfehlung im Koalitionsvertrag Berücksichtigung gefunden habe. In welchem Umfang dies geschehen soll, darauf werde allerdings nicht eingegangen. Insofern müsse man das von politischer Seite her jetzt weiter eng begleiten. "Wir teilen auf jeden Fall die Auffassung von Herrn Fuchs und können das zu hundert Prozent unterstützten", so Cordßen.

Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Raumfahrtindustrie

Im „Nationalen Programm für Weltraum und Innovation“ würden die Grundlagen für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Raumfahrtindustrie gelegt, so Fuchs. "Hier werden wichtige Zukunftstechnologien entwickelt, die es uns mit Förderunterstützung des Staates erlauben, unsere Produkte auf dem neuesten Stand der Technik weiterentwickeln zu können." Dazu gehöre auch, dass Technologien aus der Raumfahrt heraus entwickelt werden, die dann auch in anderen Industrien eingesetzt werden – jüngst im Bereich der Carbonfaserverbundstoffe.

Mehr zum Thema
BDI fordert nationales Weltraumgesetz: Bremens zentrale Rolle in der Raumfahrt
BDI fordert nationales Weltraumgesetz
Bremens zentrale Rolle in der Raumfahrt

Deutschland hinkt in Sachen Weltraumgesetz und Sicherung der Rohstoffe noch hinterher. Dabei ...

 mehr »

Im Haushaltsetat für dieses Jahr sind für das Nationale Programm für Raumfahrt und Innovation 278 Millionen Euro veranschlagt. Das sind zwei Millionen Euro mehr als ursprünglich geplant. Und für 2019 sieht der Etat, der vom Bundestag noch verabschiedet werden muss, 285 Millionen Euro vor. Thomas Jarzombek, der Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt, sagte dem WESER-KURIER: „Da sollte Herr Fuchs doch eigentlich sehen, dass wir hier schon auf dem Weg sind.“ Zusätzlich zu dem Nationalen Programm fließen ja auch über die Mittel des DLR noch zusätzlich Gelder in die Raumfahrt. Laut Jarzombek kann man die Summen auch so beispielsweise mit Frankreichs nationalem Etat nicht vergleichen: „Frankreich hat einen Schwerpunkt bei Launchern und übernimmt rund die Hälfte der europäischen Mittel des Ariane-Programms, das spiegelt sich dann auch in deren nationalen Mitteln wider.“

Abschließend sagte der Raumfahrtkoordinator zu den deutschen Mitteln: „Insgesamt sind das gute Schritte. Was wir brauchen, ist eine neue Raumfahrtstrategie, die bei unseren Bürgern den Wunsch nach mehr Engagement in der Raumfahrt auslöst." Neben den staatlichen Mitteln sei für die Zukunft auch ein vernünftiger Wettbewerb in der Raumfahrtindustrie erstrebenswert.

Mehr zum Thema
Exomars-Mission: Mars-Mission wieder mit OHB
Exomars-Mission
Mars-Mission wieder mit OHB

OHB unterstützt die Suche nach Spuren von Leben auf dem Roten Planeten auch bei der zweiten ...

 mehr »

Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 15 °C / 7 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/wolkig.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/bedeckt.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 40 %
Berichte aus den Bremer Stadtteilen
Sehen Sie in dieser Bildgalerie, wie facettenreich Bremens Stadtteile sind.
Was ist los in meiner Nachbarschaft? Welche Veranstaltungen finden in meinem Ortsteil statt und welche Debatten führen die Beiräte auf Stadtteilebene? Hier geht es zu den Inhalten des STADTTEIL-KURIER.
Entdecken Sie das historische Bremen
... die Teerhofinsel zu sehen.

Ob Bahnhof, Marktplatz, Weserstadion oder Schlachte: Das Bremer Stadtbild hat sich im Laufe der Zeit erheblich verändert. Wir berichten über vergessene Bauten, alte Geschichten und historische Ereignisse.

Leserkommentare
elfotografo am 22.10.2019 18:55
"Es ist doch ein Märchen, dass man mit einer Loge Geschäftskontakte akquiriert oder pflegt, geschweige denn Geschäfte abschließt."

Haben ...
FloM am 22.10.2019 18:51
@gorgon1:
Abgedroschen ist es den x-ten Kommentar mit undifferenzierten Anschuldigungen zu schreiben.

Die Erkenntnis, daß man Teil ...
Sporttabellen & Ergebnisse
Sporttabellen & Ergebnisse

Welcher Verein wann in Bremen oder der Region spielt und wie die Begegnung ausgegangen ist, erfahren Sie in unserem Tabellenbereich. Auch die Ergebnisse der Spiele der höheren Ligen finden Sie dort.

Aktueller Mittagstisch in Bremen
Traueranzeigen
job4u - Das Ausbildungsportal
job4u - Das Ausbildungsportal

job4u ist die regionale Plattform, wenn es um Lehren und Lernen geht. Neben dem WESER-KURIER, der Handelskammer und der Handwerkskammer Bremen machen sich hiesige Firmen für junge Leute stark. 

Sonderthemen aus den Stadtteilen
Sonderthemen aus den Stadtteilen
Anzeige