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Senvion wird zerlegt

Peter Hanuschke 16.09.2019 2 Kommentare

Senvion wickelt derzeit noch Nordsee-Offshore-Windpark Trianel Borkum II ab - vier von 32 Anlagen sind inzwischen installiert.
Senvion wickelt derzeit noch Nordsee-Offshore-Windpark Trianel Borkum II ab - vier von 32 Anlagen sind inzwischen installiert. (Hero Lang)

Der insolvente Windanlagenhersteller Senvion bekommt eine Zukunft – aber wie erwartet nur in Teilbereichen: Der Gläubigerausschuss hat sich auf eine sogenannte Exklusivitätsvereinbarung mit dem deutsch-spanischen Windkraftanlagenbauer Siemens-Gamesa geeinigt. Dabei geht es nur um den Erwerb von „ausgewählten europäischen“ Service -und Onshore-Bereichen. Aus Sicht der IG Metall Küste ist das Ergebnis des Verkaufsprozesses ernüchternd. Denn es zeichne sich mit dem geplanten Verkauf nur für 500 der 1400 Beschäftigten in Deutschland eine Übernahme durch den neuen Investor ab.

Betroffen von der Senvion-Abwicklung sind die Standorte in Bremerhaven, dort gibt es etwa 200 Mitarbeiter in der Turbinenproduktion für Onshore- und Offshoreanlagen, in Schleswig-Holstein (800 Mitarbeiter) und Hamburg mit etwa 400 Mitarbeitern. „Wir sind froh über jeden Beschäftigten, der übernommen wird„, sagt Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste. “Wir haben aber bis zuletzt gehofft, dass auch bei einer Zerschlagung mehr Beschäftigte eine langfristige Perspektive bekommen.“

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Für die etwa 900 Beschäftigten, die nach den derzeitigen Planungen der Insolvenzverwaltung in den nächsten Monaten ihren Arbeitsplatz verlieren werden, fordert die Gewerkschaft, Alternativen zur Arbeitslosigkeit zu schaffen. „Wir haben uns mit den Arbeitgebern auf die Einrichtung von Transfergesellschaften geeinigt, in denen die Beschäftigten für neue Aufgaben in anderen Unternehmen qualifiziert und dorthin vermittelt werden“, sagt Geiken. „Noch stehen diese allerdings unter Finanzierungsvorbehalt, der nach der Ankündigung von Siemens-Gamesa hoffentlich bald fallen kann.“

Finale Entscheidung Ende September

Für den Gläubigerausschuss und Siemens-Gamesa beginnt jetzt die Schlussphase der Verhandlungen. Eine finale Entscheidung wird bis Ende September erwartet. 

Siemens-Gamesa – das Unternehmen zählt weltweit zu den Branchenführern im Bereich Offshore-Windanlagen – kennt sich mit Übernahmen aus, insbesondere wenn es um Teilbereiche wie den als ertragreich geltenden Service- und Wartungsbereich geht. So war auch schon vor zwei Jahren beim Anlagenhersteller Adwen in Bremerhaven frühzeitig klar, dass sich Siemens-Gamesa als Weltmarktführer im Bereich Offshore-Anlagen nicht dazu eignen würde, Adwen als Hersteller zu stärken, sondern nur den Service-Bereich für Windparks zu übernehmen. Anders als bei Senvion gab es schon unternehmerische Verflechtungen. Siemens war über Umwege an Adwen geraten: Ursprünglich gehörte Adwen je zur Hälfte dem französischen Energiekonzern Areva und dem spanischen Windgeneratorenhersteller Gamesa. Nachdem Areva seine Anteile an Gamesa verkauft hatte, waren die Spanier zwischenzeitlich alleiniger Eigentümer – aber nur bis Siemens sich 2016 mit Gamesa zusammenschloss.

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Interessant dürfte für Siemens-Gamesa bei der Übernahme der Senvion-Teilbereiche vor allem auch der Auftragsbestand im Onshore-Geschäft sein. Der lag Ende 2018 bei etwa drei Milliarden Euro. Dass bei einer Übernahme dann Senvion-Turbinen weiterhin installiert werden, ist auszuschließen. Siemens-Gamesa verfügt selber über eine breite Produktpalette in diesem Bereich und lässt die Turbinen neben Offshore-Anlagen im neuen Werk in Cuxhaven fertigen, das seit über einem Jahr die Produktion aufgenommen hat. 

Auch die Rotorblattfertigung von Powerblades dürfte Siemens-Gamesa im Blick haben. Die Produktion von Powerblades hatte Senvion als Muttergesellschaft 2017 von Bremerhaven nach Portugal in die Nähe von Porto verlegt. Betroffen waren davon in der Seestadt etwa 250 Mitarbeiter. Im selben Jahr hatte Senvion auch schon Betriebsstätten in Husum in Schleswig-Holstein und in Trampe in Brandenburg geschlossen. Das Unternehmen hatte diese Maßnahmen mit einem stärker werdenden Wettbewerbs- und Preisdruck begründet.

In Branchenkreisen heißt es, dass der Windanlagenhersteller Senvion – hinter dem Konzern steht mit 71 Prozent als Mehrheitsaktionär der US-Finanzinvestor Centerbridge – es im Gegensatz zu anderen deutschen Onshore-Anlagenhersteller versäumt hat, sich unabhängiger vom hiesigen Markt und Europa im Allgemeinen aufzustellen. Während der Preisdruck hier immer weiter zunimmt, wächst vor allem das Geschäft in Asien oder Amerika – wo Senvion lange kaum präsent war und noch immer hinterherhinkt. In Deutschland leidet der Markt vor allem durch eine zurückgehende Flächenbereitstellung in den Bundesländern. Hinzu kommen Widerspruchsverfahren gegen bereits erteilte Genehmigungen.

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In diesem Jahr hatte Senvion im April Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet und sich auf die Suche nach Investoren begeben. Schnell hatte sich abgezeichnet, dass das Unternehmen nicht als Ganzes verkauft werden kann. Die vorliegenden Aufträge für Windräder sollen teilweise noch abgewickelt werden. Das sichere Arbeit teilweise bis in den Sommer 2020, teilte Senvion am Montag mit. So wickelt Senvion unter anderem noch einen der wenigen Offshore-Aufträge ab, den das Unternehmen in den vergangenen Jahren bekommen hatte. Vier von 32 Senvion-Windkraftanlagen sind inzwischen für den Nordsee-Offshore-Windpark Trianel Borkum II betriebsfertig installiert. Der Windpark mit einer Gesamtleistung von 200 Megawatt soll bis Ende 2019 in Betrieb gehen.

Erste Kündigungen

Die Turbinenfertigung in Bremerhaven steht zum Jahresende vor der Schließung. Bereits in diesem Monat werden die ersten Kündigungen ausgesprochen. Für die übrigen Geschäftsfelder will Senvion weiterhin Optionen prüfen und die Verhandlungen mit Investoren fortsetzen, kündigt das Unternehmen an. Zur Exklusivitätsvereinbarung sagte Yves Rannou, Chef der operativen Tochtergesellschaft Senvion GmbH mit Hauptsitz in Hamburg: „Die heutige Ankündigung bedeutet, dass wir kurz davor stehen, einen sicheren Hafen für einen wesentlichen Teil des Unternehmens und seiner Mitarbeiter zu finden." Unter diesen schwierigen Umständen seien das positive Nachrichten. 

Weltweit hat der Senvion-Konzern etwa 3500 Mitarbeiter. Neben den deutschen Produktionsstätten in Bremerhaven und Osterrönfeld hat Senvion auch noch Fertigungsstandorte in Polen und Indien.

Der IG Metall Küste geht es jetzt vor allem darum, bessere Lösungen für die 900 Mitarbeiter zu finden, die demnächst ohne Arbeit dastehen. Da die Transfergesellschaften mit einer Mindestlaufzeit von vier Monaten bisher nur gering ausgestattet seien, kündigt die Gewerkschaft Gespräche mit den Landesregierungen über eine mögliche an. Dazu seien in Bremen, Hamburg und Kiel in dieser und der nächsten Woche Termine mit den Wirtschafts- und Arbeitsministern beziehungsweise -senatoren vereinbart, teilte die Gewerkschaft mit. Außerdem geht es der Gewerkschaft um die Zukunft der 19 Auszubildenden in Bremerhaven. „Trotz der geplanten Schließung des Standortes sind Investor und Insolvenzverwaltung gefordert, ihnen eine Perspektive zu bieten“, fordert Geiken.


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Leserkommentare
tommi24 am 18.10.2019 17:28
@Da würde der wutbürgernde Autofahrer aber sofort durchdrehen.

Ja, ganz bestimmt!
tommi24 am 18.10.2019 17:27
@Also muss hier mal "suziwolf" unterstützen.

Ich auch, diese vermaledeiten Blechkistenfahrer müssen aus der Stadt, es lebe das Fahrrad. ...
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