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Künstliche Intelligenz
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Smarte Zukunft im Reich der Mitte

Felix Lee 03.12.2018 0 Kommentare

Totale Überwachung: In den nächsten Jahren will Chinas Regierung die Zahl der Überwachungskameras von 170 Millionen auf 400 Millionen erhöhen.
Totale Überwachung: In den nächsten Jahren will Chinas Regierung die Zahl der Überwachungskameras von 170 Millionen auf 400 Millionen erhöhen. (Peter/Reuters)

Dong Mingzhu ist in der ostchinesischen Metropole Ningbo eine bekannte Persönlichkeit. Die 64-jährige Unternehmerin leitet einen großen Klimaanlagen-Konzern. Sie war schon mehrfach Delegierte des Nationalen Volkskongresses, dem einmal im Jahr tagenden Parlament von China. Und sie ist bekannt für ihre autoritäre Haltung. „Chinas eisernste Frau“ wird sie auch genannt. Mitarbeiter werden zitiert mit den Worten: „Wo Schwester Dong geht, wächst kein Gras mehr.“

Dong befürwortet zudem den Plan der chinesischen Führung, in den nächsten zwei Jahren die Zahl der Überwachungskameras von derzeit landesweit rund 170 Millionen auf dann über 400 Millionen zu erhöhen. In sämtlichen Straßenzügen, großen Gebäuden, ja selbst öffentlichen Toiletten sollen Kameras aufgehängt werden, viele davon ausgestattet mit Gesichtserkennungssoftware. Auch in ihren Fabriken hat Unternehmerin Dong diese Technik schon installieren lassen.

Es sind Beispiele aus China wie diese, die derzeit viele Menschen im Rest der Welt erschaudern lassen. Die einen fürchten sich vor einer Ära der totalen Überwachung. Die anderen fürchten die chinesische Konkurrenz. Denn die Wirtschaftsmacht aus Fernost ist auf dem besten Weg, künstliche Intelligenz, die Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts, zu dominieren. Chinas mächtiger Staats- und Parteichef Xi Jinping höchstpersönlich hat auf einer Parteitagsrede vor einem Jahr in einer Grundsatzrede künstliche Intelligenz (KI) zu den wichtigsten Pfeilern seiner Wirtschaftspolitik erklärt.

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Bis 2020 soll China Weltklasseniveau erreicht haben, ab 2025 dann bei der KI an der Spitze stehen. Wenn die chinesische Führung auf höchster Ebene ein solches Ziel ausgibt, passiert tatsächlich auch jede Menge. Fördermilliarden fließen, Provinzen überbieten sich bei der Ansiedlung von KI-Firmen. Hochschulen werden verpflichtet, verstärkt Lehrveranstaltungen dazu anzubieten. Mit Erfolg: Einer Studie der japanischen Ingenieursfirma Astamuse zufolge meldet China bereits die weltweit zweitmeisten KI-Patente an – nur in den USA sind es noch mehr.

Viele erfolgreiche Projekte stützen sich auf Deep Learning. Der Begriff bezeichnet maschinelles Lernen basierend auf der Vernetzung künstlicher Neuronen, grob gesagt vergleichbar mit denen im menschlichen Gehirn. Sie werden mit riesigen Mengen von Daten gefüttert. So sind sie imstande, Verknüpfungen und Häufigkeiten festzustellen, was sie „trainiert“ haben, für neue Funktionen zu nutzen und selbstständig zu lernen. Übersetzung, Bilderkennung, Textinterpretation oder aber die Wahrscheinlichkeit eines Kreditkartenbetrugs zählen zu den Fähigkeiten, die die Systeme sich aneignen können. Nötig sind dazu aber gewaltige Mengen an Daten.

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Auch Firmen wie Google, Facebook und Amazon ist am Sammeln großer Datenmengen gelegen. Doch in keinem Land der Welt ist es möglich, ungehemmt so viele Nutzerdaten wie in China zu sammeln. Baidu, Tencent und Alibaba – bei der KI-Anwendung sind sie ganz vorn dabei. Und das Bewusstsein für Datenschutz und für die Gefahren, die in der Verknüpfung scheinbar belangloser Informationsschnipsel stecken, ist in China noch sehr geringer ausgeprägt als in Europa. Der Staat sorgt selbst kräftig dafür, dass ein kritisches Bewusstsein in der Bevölkerung gar nicht erst entsteht. Chinas Regierung ist derzeit dabei, ein Social-Scoring-System einzuführen, das das Verhalten jedes einzelnen Bürgers sowohl im Netz als auch im realen Leben genau unter Beobachtung stellen und entsprechend auswerten soll.

Die Unternehmensberatung Price-Waterhouse-Coopers spricht treffend von einem „KI-Rüstungswettlauf“ zwischen China und den USA. Viel wichtiger als der Handelskrieg sei der laufende Krieg um „Forschung, In­vestitionen und fähige Köpfe“. Die Europäer tauchen als ernsthafte Konkurrenten dabei kaum auf.

Die Deutschen gelten zwar als gut bei Spezialanwendungen wie Maschinensteuerungen, haben jedoch nach Ansicht der Wettbewerber das Problem, die Grundlagenforschung nicht schnell genug wirtschaftlich umzusetzen. Die jetzt von der Bundesregierung beschlossenen Ausgaben von drei Milliarden Euro über mehrere Jahre sind so nur ein Tropfen auf den heißen Stein. In China gibt allein Peking so viel aus.

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Dass die Technik offenbar aber noch Macken hat, bekam unlängst ausgerechnet die patriotische Unternehmerin Dong Mingzhu zu spüren. Das Kamerasystem der Polizei in Ningbo, in das seit 2017 auch die Gesichtserkennungssoftware integriert ist, soll eigentlich Fußgänger, die bei Rot über die Ampel gehen, identifizieren. Foto und Name werden auf großen Bildschirmen angezeigt, um das Fehlverhalten zu sanktionieren.

Als jedoch ein Bus ordnungsgemäß eine Kreuzung überquerte, prangte plötzlich das Bild von Frau Dong auf dem Bildschirm. Dabei war sie gar nicht vor Ort. Der Grund: An dem Bus war eine Werbung mit dem Foto der 64-Jährigen angebracht – was die Kamera missverstand. „Ein Eigentor“, schrieb die Polizeibehörde in einer Mitteilung – und musste sich bei der Unternehmerin entschuldigen.


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Leserkommentare
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...
onkelhenry am 19.10.2019 17:00
Hallo @Suzi ....

Was Sie da immer so verstehen ;-)

Das erklärt auch, warum Sie so oft falsch liegen!

Ja zu ...
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