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Taschen aus recycelten Stoffen

Insa Lohmann 02.02.2019 0 Kommentare

Autogurte, gebrauchte Lkw-­Planen, Fahrradschläuche, ausrangierte Reflektorverschlüsse – all das findet bei den von Uwe Malte Arndt gefertigten Taschen eine neue Verwendung.
Autogurte, gebrauchte Lkw-­Planen, Fahrradschläuche, ausrangierte Reflektorverschlüsse – all das findet bei den von Uwe Malte Arndt gefertigten Taschen eine neue Verwendung. (Christina Kuhaupt)

Eigentlich war Uwe Malte Arndt nur auf der Suche nach einem selbstgemachten Geburtstagsgeschenk für eine Freundin. Durch Zufall entdeckte er damals auf dem Sperrmüll eine alte Luftmatratze mit Blümchenmuster und wurde schließlich selbst kreativ: Aus dem Stoff nähte er eine Tasche im Retro-Look, die heiß beneidet wurde. Der Wahl-Bremer war angefixt und fertigte weitere individuelle Taschenmodelle für seine Freunde an.

Das ist mittlerweile über 20 Jahre her. Inzwischen ist aus dem anfänglichen Hobby eine kleine Manufaktur entstanden, in der Kollektionen aus gebrauchten Lkw-Planen, Fahrradschläuchen, Luftmatratzen, Autogurten und anderen recycelten Stoffen entstehen. Der Nachhaltigkeitsgedanke steht dabei für den Gründer im Vordergrund: „Ich versuche aus dem, was da ist, etwas zu machen“, sagt Arndt, der 2001 das Label Lumabag gründete. Der Name setzt sich zusammen aus den Begriffen Luftmatratze und die englische Bezeichnung Bag für Tasche.

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„Jeden Tag werden Güter produziert, die irgendwann, meistens schon nach recht kurzer Lebensdauer, wieder auf dem Müll landen“, sagt Arndt. Auf der Suche nach geeigneten Materialien für seine Taschenmodelle ist der gebürtige Schwabe mit dem kreativen Händchen auch schon ungewöhnliche Wege gegangen: „Anfangs habe ich auf Schrottplätzen ­Sicherheitsgurte aus alten Autos raus­geschnitten“, berichtet Arndt. Heute greift er auf B-Ware aus der Automobilindustrie zurück.

Zufällig auf das richtige Material gestoßen

Seine Fahrradtaschen bestehen aus gewachster Baumwolle. Auch auf das wasser­abweisende Material ist er eher zufällig ge­stoßen, als er sich eine gebrauchte Bikerjacke aus jenem Stoff kaufte. „Den fand ich einfach toll“, erinnert sich Arndt. Lange musste er nach einem Händler suchen, der die gewachste Baumwolle produziert. Nachdem er in Deutschland keinen Anbieter fand, wurde er schließlich in Schottland fündig.

Wenn Arndt Ausschau nach wiederverwertbaren Materialien hält, die er als Stoff oder Verzierung für seine Taschen und Accessoires verarbeiten kann, kommen ihm immer wieder neue Ideen: So ist der kreative Gründer vor rund zehn Jahren darauf gekommen, den Stoff von Turnmatten und das Leder von Sportgeräten wie Turnkästen zu recyceln und daraus beispielsweise kleine Matten für Bierkästen zu entwerfen. Damals ersetzten viele Schulen ihre in die Jahre gekommene Ausstattung in den Turnhallen durch Neuanschaffungen – für das kleine Bremer Label ein echter Glücksgriff.

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Beim Blick auf die Produkte von Lumabag dürften sich viele nicht nur wegen der ­Verarbeitung alter Sportgeräte an ihre Schulzeit erinnert fühlen: Auch die markanten ­Reflektorverschlüsse, wie man sie von früheren Schulranzen kennt, finden beispielsweise in Arndts Leder-Portemonnaie eine neue ­Verwendung. „Man kann die Sachen x-be­liebig kombinieren“, sagt der Bremer. „Aber im Fokus steht immer ein langlebiges ­Produkt.“

Ein Materialmix aus alten und neuen Stoffen

Viele seiner Erzeugnisse bestehen deshalb aus einem Materialmix alter und neuer Stoffe, um die Strapazierfähigkeit zu erhöhen. So setzt der Designer beim Taschenfutter beispielsweise auf mit Cordura beschichtetes ­Nylon. Die spezielle Beschichtung mache das Futter strapazierfähig und wasserdicht, erl­äutert Arndt. Der Familienvater aus Walle ist immer wieder fasziniert von den vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten der Taschenstoffe.

Die Fähigkeiten an der Nähmaschine hat sich Arndt selbst beigebracht. „Ein Stück weit wurde mir das in die Wiege gelegt“, sagt er. Schon seine Mutter und seine Oma seien begeisterte Näherinnen gewesen und hätten die Vorliebe für Selbstgemachtes weitergegeben. Die ersten Jahre nähte der Lumabag-Gründer seine Taschen, Portemonnaies und Shopper zunächst noch zuhause auf einer gewöhnlichen Haushaltsnähmaschine. Doch einige Stoffe, die im Laufe der Zeit ermüdet waren, machten ihm einen Strich durch die Rechnung.

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Nachdem er zwei Geräte verschlissen hatte, kaufte er sich eine Sattler-Nähmaschine. Seine Modelle entwickelt er von der Skizze bis zum fertigen Schnittmuster selbst – bis zum Jahr 2015 noch im heimischen Keller. Als die Nachfrage nach den Taschen aus Bremen stieg, wurde es schnell zu klein für seine Vielfalt an Materialien und Produkten. Mittlerweile hat er eine kleine Werkstatt im Zwischennutzungsprojekt Wurstcase bezogen, das einst als Verwaltungsgebäude der Wurstfabrik Könecke diente.

Erhältlich in der Stadt und im Internet

Zu kaufen gibt es Arndts Lumabag-Taschen in Bremen unter anderem bei „machen und tun“ im Ostertorsteinweg. Neben dem sta­tionären Handel setzt der Taschendesigner aus der Hansestadt auch auf den Vertrieb übers Internet. „Aber es ist schon was anderes, wenn man den Stoff live sieht und anfassen kann“, gibt er zu. Seine Produkte gibt es mittlerweile über die Landesgrenzen hinaus auch in Finnland, Norwegen und den Niederlanden zu kaufen.

Langfristig möchte Arndt die Anzahl seiner Händler ausweiten und auf Kooperationen mit größeren Anbietern setzen, beispielsweise für Fahrradzubehör. Sein neuestes Modell ist eine Fahrradtasche: „Die kann recht simpel zum Rucksack umgebaut werden“, erläutert der Gründer aus Bremen. Und mit seinen Ideen ist Arndt noch lange nicht am Ende. Seinen Teilzeitberuf als Sozialpädagoge in der Jugendhilfe hat er inzwischen an den Nagel gehängt: „Ich konzentriere mich jetzt ganz auf die Taschen.


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Leserkommentare
kretzschmar am 23.10.2019 15:04
So sieht das aus, 9 Millionen arbeiten im niedrig Lohn Bereich, (Mindestlohn) das sind die zukünftigen Renten Aufstocker. Was eigentlich eine ...
holger_sell am 23.10.2019 14:58
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