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Schifffahrt geht auch sauberer
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Umweltschonender Autotransporter läuft Bremerhaven an

Peter Hanuschke 16.05.2017 0 Kommentare

Die "Auto Energy" und auch ihr LNG-Schwesterschiff "Auto Eco" werden vornehmlich in der Ostsee und Nordsee eingesetzt und steuern regelmäßig Bremerhaven an. (frei (Bremenports))

Wenn der Autotransporter „Auto Energy“ künftig Bremerhaven anläuft, dann wird er sauberer unterwegs sein als die überwiegende Zahl der 4000 geladenen Autos an Bord es jemals sein werden: Das 181 Meter lange und 30 Meter breite Schiff wird mit Liquified Natural Gas (LNG) angetrieben. Das Flüssiggas ist in der Schifffahrt der derzeit umweltschonendste Kraftstoff: Im Vergleich zum Antrieb mit Schweröl reduziert sich der Ausstoß etwa von Stickoxiden um 80 Prozent.

Damit leiste die norwegische Reederei United European Car Carriers "ökologische Pionierarbeit in der Seeschifffahrt“, sagte Bremens Häfen-Staatsrat Jörg Schulz bei seinem Besuch an Bord des Schiffes, das am Wochenende in Bremerhaven festmachte. Trotz der guten Werte – Schwefeldioxid und Feinstaub werden beim LNG-Antrieb gar nicht emittiert – haben solche Schiffe auf den Weltmeeren noch Seltenheitswert: Nach Zahlen des weltweit tätigen Schiffs-TÜVs und Prüfkonzerns DNVGL gibt es derzeit weltweit 102 Schiffe, die mit LNG angetrieben werden. Rund um den Globus sind etwa 40 000 Handelsschiffe unterwegs.

Auf Ost- und Nordsee gelten strengere Umweltregeln

Dass eine norwegische Reederei zu den LNG-Vorreitern gehört, kommt nicht von ungefähr: Die „Auto Energy“ und ihr LNG-Schwesterschiff „Auto Eco“ werden vornehmlich in der Ostsee und Nordsee eingesetzt, und dort gelten strengere Umweltregeln als auf den anderen Weltmeeren. So darf der Kraftstoff für Fracht- und Passagierschiffe seit 2015 nicht mehr als 0,1 Prozent Schwefel enthalten – das sind 90 Prozent weniger als vorher. 

Um den Grenzwert einhalten zu können, können Reedereien mit herkömmlichem Antrieb entweder den Treibstoff wechseln und teureren Schiffsdiesel mit wenig Schwefel anstelle von Schweröl verbrennen. Oder sie bauen eine technische Anlage zur Rauchgasreinigung in den Schornstein ein, einen sogenannten Scrubber. Dritte Alternative: Der Antrieb mit LNG. Laut DNVGL gibt es derzeit 56 Schiffe, die in Norwegen mit LNG fahren. Damit ist das Land die führende LNG-Nation. Im restlichen Europa sind es 19 Schiffe. 

Dass sich diese Antriebsart noch nicht durchgesetzt hat, dafür hat sicherlich die seit Jahren anhaltende Schifffahrtskrise gesorgt: Durch die geringen Frachtraten ist auf Reederseite eine Zurückhaltung bei Investitionen in Neubauten festzustellen. Und ein LNG-Antrieb ist teurer als herkömmliche Maschinen. In Deutschland gibt es nur eine Handvoll Schiffe, die mit LNG fahren, darunter unter anderem die  MS „Helgoland“. Die auf der Fassmer-Werft gebaute Fähre der Cuxhavener Reederei Cassen Eils verkehrt seit Dezember 2015 zwischen Cuxhaven und Deutschlands einziger Hochseeinsel Helgoland.

Erste Baggergutschute mit Flüssigerdgas-Antrieb

Aber auch die stadtbremische Hafengesellschaft Bremenports setzt auf LNG-Technik: In ein paar Wochen soll „Greenports 1“ in die Bremenports-Flotte aufgenommen werden – die erste Baggergutschute der Welt mit Flüssigerdgas-Antrieb. Die Gesamtkosten des Neubaus liegen bei etwa 4,55 Millionen Euro. Die Europäische Union hat das Projekt mit 1,65 Millionen Euro unterstützt. Auf Bremen entfällt der restliche Finanzierungsanteil von 2,9 Millionen Euro, was in etwa den Kosten entspricht, die beim Kauf einer Baggerschute mit konventionellem Antrieb zu veranschlagen gewesen wären. 

Auf Förderung setzt auch Georg Ehrmann, Geschäftsführer der Maritimen LNG-Plattform, zu der in Deutschland 100 Unternehmen und Partner aus dem maritimen Sektor gehören. Die Bundesregierung habe entsprechende Förderprogramme im vergangenen Jahr beschlossen. „Wir warten darauf, dass diese Richtlinien jetzt verabschiedet werden“, so der Bündnissprecher. Es gebe zahlreiche konkrete Projekte, die nur darauf warteten, loslegen zu können.

Die Chancen dafür stehen gut: Immerhin hatte sich Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU) vom Bundesministerium für Verkehr bei der 10. Nationalen Maritimen Konferenz im April klar positioniert: Für ihn sei „LNG der Treibstoff der Zukunft“ und müsse somit auch entsprechend gefördert werden. Die Förderrichtlinie für den Neu- und Umbau von Schiffen mit LNG-Maschinen werde kommen, und zwar noch vor der Sommerpause.

Mobile Belieferung mit Flüssigerdgas

Dass es erst so wenig LNG-Schiffe gibt, ist aus Sicht von Ehrmann nicht darauf zurückzuführen, dass es noch keine stationären LNG-Terminals in den Häfen gebe. Die Versorgung erfolge mobil. „Eine Belieferung mit Flüssigerdgas per Tankwagen ist bei uns jederzeit möglich“, sagt auch Bremenports-Sprecher Rüdiger Staats.

Auch Konzerne wie Shell oder Nauticor (früher Bomin Linde LNG) setzen derzeit noch auf mobile Lösungen: So erwartet etwa Shell in diesem Jahr noch ein neues LNG-Bunkerschiff mit einem Fassungsvermögen von 6500 Kubikmetern. Dieses Schiff werde zur Versorgung Nordwest-Europas eingesetzt, darunter auch in Deutschland, sagte ein Sprecher am Montag: „LNG-Kunden können also mit einer zuverlässigen Versorgung rechnen.“ 

Und weitere LNG-Kunden sind in Sicht: Laut DNVGL stehen in den Orderbüchern 108 Schiffe mit LNG-Antrieb, darunter auch Kreuzfahrtschiffe und Containerschiffe.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...
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