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Vom Hörsaal ins Start-up

Lisa Boekhoff 19.12.2018 0 Kommentare

Die Gründer von Papa Türk sind vor zwei Jahren in der Sendung
Die Gründer von Papa Türk sind vor zwei Jahren in der Sendung "Höhle der Löwen" aufgetreten. Zuvor gab es Hilfe bei den den Experten von Bridge. (Papa Türk)

Die Universität Bremen etabliert sich als Nachwuchsschmiede für Firmengründer. Im Vergleich der großen deutschen Hochschulen ab 15 000 Studenten belegt sie mit ihrem Klima für Existenzgründungen nun den sechsten Platz. Das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten Gründungsradar des Stifterverbands hervor.

Damit verbesserte sich Bremen um drei Plätze. Geht es nach den Ausgründungen und deren Erfolg bei Förderungen und Wettbewerben, liegt Bremen sogar ganz vorne – zusammen mit der Hochschule für angewandte Wissenschaften München, der TU München und der Uni Potsdam. Die Uni Oldenburg rangiert in ihrer Größenklasse sogar auf dem ersten Platz.

Im neusten Start-up-Monitor ist die Uni Bremen kürzlich erstmals unter die Top Ten der Gründungsunis im Land aufgestiegen. Was die Beratung richtig mache? „Ich glaube, wir machen schon ganz lange eine gute Arbeit“, sagt Martin Heinlein, Geschäftsführer der Existenzförderung Bridge der Bremer Hochschulen.

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Gründung aus Hochschulen sei ein „spezifisches Geschäft“. Denn das Studium sei eine Zeit, in der die Studenten Weichen für ihr Leben stellten. Am Anfang seien sie noch sehr offen und könnten sich auch die Selbstständigkeit vorstellen. „Das wird aber immer mehr verschüttet. Darum müssen wir es wieder aufdecken. Wir wollen den potenziellen Gründern Angebote machen, damit sie sehen, das ist etwas, das sich lohnt.“

Löwen fragten in Bremen an

Es könnte sein, dass es die „Höhle der Löwen“ nie ins deutsche Fernsehen geschafft hätte – ohne einen Anschub aus Bremen. Als die Macher die Sendung nach Vorbild der „Höhle der Drachen“ in Großbritannien planten, riefen sie zunächst bei der Universität Bremen an. Ist das Format eine gute Idee? Gibt es hier überhaupt Gründer? Heinlein und seine Kollegen von Bridge gaben damals grünes Licht, und die Löwen legten los.

In den vergangenen Jahren trafen die Investoren in der Sendung immer wieder auf Bremer Start-ups, die zuvor Unterstützung von der Gründerhilfe bei Bridge erhalten hatten: Reishunger, Toby Rich, Papa Türk mit der Limo gegen die Knoblauchfahne und gleich in der allerersten Ausgabe Mexican Tears mit ihren scharfen Soßen.

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Bridge gibt es auch an der Hochschule in Bremen, der Hochschule Bremerhaven sowie ganz neu an der Jacobs University. Überall berät mindestens ein Ansprechpartner direkt vor Ort. „Das ist eine unserer Stärken, dass wir dicht dran sind an der Zielgruppe“, sagt Sarah Thiel von Bridge an der Uni Bremen. Hilfe beim Umsetzen einer Geschäftsidee gibt es für Studenten, für Alumni und damit Absolventen sowie Mitarbeiter der Hochschulen, Institute und Forschungseinrichtungen. Das zeigt Wirkung.

Die Uni Bremen gewinnt an Bedeutung als Gründerschmiede.
Die Uni Bremen gewinnt an Bedeutung als Gründerschmiede. (Matej Meza)

Konkurrenz zur Gründung kommt dabei vom Arbeitsmarkt. Dort hat sich die Lage in den vergangenen Jahren zugunsten der Bewerber entwickelt. Wer gut sei, könne sich seinen Job im Prinzip aussuchen, sagt Heinlein. „Wir glauben, dass die Dunkelziffer derer, die eigentlich gründen könnten, total hoch ist.“

Am Ende sei die abhängige Beschäftigung aber doch interessanter, wenn das Talent zum Unternehmertum nicht geweckt werde. Nur wenige der betreuten Gründer hätten „das Unternehmer-Gen“, die meisten Studenten und Mitarbeiter bräuchten dagegen einen Anstoß. Zum Beispiel durch den Wettbewerb Campusideen oder durch die Start-up-Lounge. In diesem Format stellen Gründer ihre Geschichte vor. „Das ist ein Renner.“

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Wer als Folge derartiger Hilfen oder von alleine eine Idee entwickelt, soll bei Bridge einen Ort haben, um sie vorzustellen. Lässt sich eine Doktorarbeit nutzen? Was braucht der Markt? Und ist der Businessplan zur Idee gut ausgearbeitet? „Wir sind die erste Anlaufstelle zum Thema Gründen aus Bremer Hochschulen“, sagt Thiel. In der Stadt sind mindestens drei Start-ups auch durch den Bremer Gründerpreis bekannt. Blackout Technologies gewannen ihn dieses Jahr, zuvor Papa Türk und Skills.

Gründungen aus allen Bereichen

Existenzgründer aus der Wissenschaft mit innovativen, technologieorientierten Vorhaben bekommen vom Bundeswirtschaftsministerium zusätzliche Unterstützung. Das Stipendium Exist gibt über ein Jahr Förderung. Bridge berät Gründer in Bremen zu diesem Programm. Dabei ist der Schnitt hier höher als in Hamburg. Auf 10 000 Studenten kamen zwischen 2007 und 2017 genau 7,8 Gründerstipendien. In der Nachbarstadt waren es nur 4,4, in Niedersachsen nur vier. Deutlich stärker als Bremen schneiden wiederum Brandenburg (18,5) und Berlin (15,6) ab.

Geschäftsideen haben nicht nur Betriebswirte. „Unsere Gründungen kommen aus allen Fachbereichen – querbeet“, sagt Heinlein. Sprachwissenschaftler schlossen sich schon mit Logopäden zusammen und optimierten einen Sprachlerncomputer. Die Bandbreite ist groß: Das Team hat Gastronovi begleitet, ein Start-up, das IT-Lösungen für Restaurants und Cafés bietet, oder den Gewürzhandel Yummy Organics. Andere Gründer entwickelten Module für den Transport von Paketen.

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Gegründet wurde Bridge 2002, vor ein paar Jahren hat man sich neu aufgestellt – nun ist der Erfolg spürbar. „Wir haben mehr Ausgründungen denn je“, sagt Geschäftsführer Martin Heinlein. „Das ist richtig gut.“ Im Jahr berät Bridge etwa 160 Gründungsprojekte. Gab es in den Jahren zuvor meist etwas mehr als zwanzig Ausgründungen, lag die Zahl 2017 bei 29. Heinlein erwartet für 2018 ein ähnliches Niveau. Meist kommt deutlich mehr als die Hälfte der Gründer von der Uni Bremen.

Studenten wollen mehr Eigenverantwortung übernehmen

Dabei spielt der Wunsch der Studenten, eigenverantwortlich zu arbeiten, Thiel zufolge eine Rolle. Und der „Start-up-Hype“ – schließlich auch wegen der „Höhle der Löwen“. „Wenn ich heute sage, ich betreue Start-ups, dann weiß jeder, was gemeint ist.“ Daran habe die Gründersendung einen großen Anteil.

Insgesamt schnitt Bremen beim Start-up-Monitor besser ab. An der Umfrage beteiligten sich viel mehr der schnell wachsenden, hochtechnologischen Gründungen. In den Vorjahren war die Hansestadt kaum sichtbar, während Hannover und Oldenburg sogar als Hotspot galten. In der nächsten Ausgabe dürfte dann auch Student Walter Steinhauer dabei sein. Sein Start-up „Cup-2-Date“ hat der Bremer vor Kurzem gegründet.

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Steinhauer hat sich ein Mehrwegsystem für Kaffeebecher ausgedacht: Diese werden in Cafés und Restaurant gegen Pfand zum Mitnehmen angeboten und können wiederverwendet werden. Damit wollen die Gründer etwas gegen Müll unternehmen, gegen Milliarden weggeworfener Einwegbecher, und zugleich ein Geschäft aufbauen. Derzeit machen 40 Lokale in Bremen bei „Cup-2-Date“ mit.

Bridge hat dabei ebenfalls geholfen. „Das ist ein gutes Beispiel für die enge Vernetzung“, sagt Thiel. Denn Unterstützung gab es für Steinhauers Idee von vielen Akteuren in Bremen – vom Startschuss beim Start-up-Weekend bis zum Co-Working-Arbeitsplatz im Kraftwerk City Accelerator. Die Verbindung zur Wirtschaft soll in Zukunft noch enger werden. Bridge arbeitet gerade an Ideen, um den Kontakt zu Unternehmen auszubauen. Dazu laufen Gespräche mit der Handelskammer. Der Ruf der Uni kann da nur helfen.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...
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