Wetter: wolkig, 7 bis 15 °C
Wolfgang-Ritter-Preis
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Von Landmaschinen bis Schokohasen

Stefan Lakeband 04.05.2018 0 Kommentare

Svetlana Fedoseeva und Christian Stauf haben für ihren Dissertationen an diesem Donnerstag den Preis der Wolfgang-Ritter-Stiftung bekommen. Er ist mit insgesamt 20 000 Euro dotiert.
Svetlana Fedoseeva und Christian Stauf haben für ihren Dissertationen an diesem Donnerstag den Preis der Wolfgang-Ritter-Stiftung bekommen. Er ist mit insgesamt 20 000 Euro dotiert. (Christina Kuhaupt)

Eigentlich sei sein Thema für Laien sterbenslangweilig, sagt Christian Stauf. Doch wer ihm zuhört, merkt schnell, dass sich hinter dem Titel „Ganzheitliches Intellectual Property Management im Unternehmen“ doch ein spannendes Forschungsgebiet verbirgt. Für seine Dissertation zu diesem Thema hat Stauf daher am Donnerstag den Wolfgang-Ritter-Preis im Bremer Rathaus bekommen.

Die Auszeichnung geht auf Wolfgang Ritter zurück, dem langjährigen Inhaber der Martin Brinkmann AG, die früher eines der bedeutendsten bremischen Industrieunternehmen und eine der größten Tabakfabriken Europas war. 1970 gründete Ritter die gleichnamige Stiftung, die sich der akademischen Nachwuchsförderung verschrieb. Bislang wurden laut Stiftungs-Vorstand Helge Bernd von Ahsen mehr als zwölf Millionen Euro an wissenschaftliche Einrichtungen ausgeschüttet. Jährlich wird zudem der Wolfgang-Ritter-Preis verliehen, der wissenschaftliche Leistungen aus der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre auszeichnet.

Methodisches Feuerwerk

Stauf, der an der TU Kaiserslautern promoviert hat, hat sich in seiner Arbeit den Möglichkeiten gewidmet, wie Unternehmen ihre Innovationen schützen können. „Das geistige Eigentum lässt sich nicht nur durch Patente absichern“, sagt der 37-Jährige. Patente seien teuer und würden auch gar nicht alle Bereiche abdecken. Der Forscher nennt das Beispiel eines deutschen Landmaschinenherstellers, der auf einer Messe Fahrzeuge eines chinesischen Wettbewerbers entdeckt hatte, die von außen genauso aussahen wie seine. Als der Hersteller auf seine Patente verwies und mit Hilfe des Zolls die chinesischen Fabrikate von der Ausstellung entfernen wollte, habe sich herausgestellt, dass die Technik im Innern eine ganz andere sei. Der Schutz der Patente sei damit wirkungslos. „Dabei war offensichtlich, dass das chinesische Unternehmen mit dem Design bewusst an das deutsche Produkt erinnern wollte“, sagt Stauf.

Der deutsche Hersteller hatte sich aber auch sein Design schützen lassen, sodass er gegen das Plagiat doch noch habe vorgehen können, sagt der Wissenschaftler. Viele Firmen seien aber nicht dafür sensibilisiert, wie sie ihr Eigentum, auch ihr geistiges, schützen könnten. „Besonders kleine und mittelständische Unternehmen müssen sich auf ihr Kerngeschäft fokussieren und haben häufig nicht die Mittel, sich mit allen Schutzmöglichkeiten für ihre Innovationen auseinanderzusetzen“, sagt Stauf.

Wie differenziert der Schutz von geistigen Eigentum sein kann, zeigt auch ein anders Beispiel: Vor einigen Jahren hat der Schweizer Schokoladenhersteller Lindt ein bayrisches Unternehmen verklagt, weil dieses einen Schokoladenhasen in Goldfolie produziert und verkauft. Lindt sah darin eine zu große Ähnlichkeit zum eigenen Goldhasen mit dem roten Halsband, der als EU-Marke eingetragen und in einzelnen Ländern markenrechtlich geschützt ist. Der Bundesgerichtshof wies die Klage aber ab. Einen ähnlichen Fall hatte Lindt zuvor in Österreich hingegen gewonnen.

Neben Hauf wurde auch Svetlana Fedoseeva von der Justus-Liebig-Universität in Gießen ausgezeichnet. In ihrer Promotion hat sie sich mit global vernetzen Unternehmen beschäftigt und wie sie mit schwankenden Wechselkursen umgehen. „Währungsfragen sind immer noch aktuell“, sagt Jochen Zimmermann, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Bremen und Jurymitglied. „Ein Blick auf sie lohnt sich immer.“ Fedoseeva Arbeit sei ein „Feuerwerk ökonometrischer Methoden“.

Start-up gegründet

Die Wissenschaftlerin hat zwischen 2001 und 2006 Wirtschaft an der Universität im russischen Samara studiert, ehe sie 2009 nach Gießen kam, um dort einen Master zu machen und später in Agrarökonomie zu promovieren. Ihre Dissertation wurde von der Justus-Liebig-Universität als beste Schrift ausgezeichnet, zudem hat Fedoseeva 2014 den Young Economist Award des International Network for Economic Research bekommen. Für die kommenden Monate hat sie sich neue Projekte vorgenommen, an denen sie forschen möchte: Dabei soll es unter anderem um Digitalisierung und Handelsbarrieren gehen.

Auch Stauf hat nach seiner Dissertation schon viele neue Projekte. Derzeit ist er Habilitand an der TU Kaiserslautern, Mitglied in einem Komitee, dass eine Deutsche Industrienorm zur Qualität im Intellectual Property Management festlegt und hat aus dem Thema seiner Dissertation ein eigenes Unternehmen gemacht. Mit Kollegen von der Universität hat er ein Start-up gegründet, das vor allem mittelständischen Unternehmen dabei helfen will, ihre Innovationen zu schützen.

Der Wolfgang-Ritter-Preis ist jährlich mit 20 000 Euro Preisgeld dotiert, dass sich in diesem Jahr die beiden ausgezeichneten Wissenschaftler teilen. „Beide Forscher geben überzeugenden Antworten auf wichtige Fragen, die Betriebswirtschaft- und Volkswirtschaftslehre vereinen“, sagt Zimmermann im Namen der Jury.


Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 15 °C / 7 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/wolkig.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/bedeckt.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 40 %
Berichte aus den Bremer Stadtteilen
Sehen Sie in dieser Bildgalerie, wie facettenreich Bremens Stadtteile sind.
Was ist los in meiner Nachbarschaft? Welche Veranstaltungen finden in meinem Ortsteil statt und welche Debatten führen die Beiräte auf Stadtteilebene? Hier geht es zu den Inhalten des STADTTEIL-KURIER.
Entdecken Sie das historische Bremen
... die Teerhofinsel zu sehen.

Ob Bahnhof, Marktplatz, Weserstadion oder Schlachte: Das Bremer Stadtbild hat sich im Laufe der Zeit erheblich verändert. Wir berichten über vergessene Bauten, alte Geschichten und historische Ereignisse.

Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?
Sporttabellen & Ergebnisse
Sporttabellen & Ergebnisse

Welcher Verein wann in Bremen oder der Region spielt und wie die Begegnung ausgegangen ist, erfahren Sie in unserem Tabellenbereich. Auch die Ergebnisse der Spiele der höheren Ligen finden Sie dort.

Aktueller Mittagstisch in Bremen
Traueranzeigen
job4u - Das Ausbildungsportal
job4u - Das Ausbildungsportal

job4u ist die regionale Plattform, wenn es um Lehren und Lernen geht. Neben dem WESER-KURIER, der Handelskammer und der Handwerkskammer Bremen machen sich hiesige Firmen für junge Leute stark. 

Sonderthemen aus den Stadtteilen
Sonderthemen aus den Stadtteilen
Anzeige