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Reise ins Silicon Wadi
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Von Surfern und Start-ups

Lisa Boekhoff 16.10.2018 0 Kommentare

Erst ans Meer, dann ins Büro: In Tel Aviv haben Unternehmer aus dem Norden bei ihrer Delegationsreise eine besondere Atmosphäre erlebt.
Erst ans Meer, dann ins Büro: In Tel Aviv haben Unternehmer aus dem Norden bei ihrer Delegationsreise eine besondere Atmosphäre erlebt. (Philipp Laage/DPA)

Die Reise steckt Matthias Fonger und Dirk Schwampe noch in den Knochen. Gerade erst sind der Geschäftsführer der Handelskammer und der Geschäftsführer des IT-Unternehmens Team Neusta aus Israel zurückgekehrt. Zusammen mit Kollegen aus Norddeutschland haben sie sich auf den Weg gemacht, um die Gründerszene dort zu entdecken. Damit ging es für die Wirtschaftsdelegation der IHK Nord nach dem Silicon Valley nun zum nächsten Hotspot für Start-ups und Technologietransfer: ins Silicon Wadi.

Die Begeisterung hält Fonger und Schwampe am Tag nach der Rückkehr hellwach. Beeindruckend – dieses Wort fällt im Gespräch immer wieder. Vor allem im Zusammenhang mit der Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft in Israel. „Das hat dort eine viel stärkere Kraft. Die kennen sich wirklich in vielen Bereichen besser“, sagt Schwampe.

Zwar gebe es im heimischen Nordwesten ebenfalls Transfer zwischen Forschung und Unternehmen, aber nicht in diesem Umfang. Das liege aber auch an der Finanzierung. „Israel gibt deutlich mehr Geld in die Zukunft aus als wir.“ In Bremen sei die Vernetzung seiner Erfahrung nach teils Zufall. „An dieser Struktur müssen wir klar arbeiten. Der Austausch muss intensiver sein.“

Inkubator für Start-ups

Die Delegation hat sich laut Matthias Fonger mit dem Israel Institut of Technology das Zentrum solcher Kooperation in Israel angesehen. „Das war wegweisend. Das Technion ist Universität und zugleich Technologiezentrum, ein echter Inkubator für Start-ups. Davon können wir lernen.“ In Bremen müsse die Zusammenarbeit mit den Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen ebenfalls noch stärker auf Gründungen ausgerichtet sein.

„Israel ist klein, aber sehr innovativ“, sagt der Geschäftsführer der Handelskammer. Das sei eben beeindruckend. Das Land mit nur knapp neun Millionen Einwohnern versuche, sich mit Technologien in weltweiten Märkten behaupten zu können. Das sei sogar zwingend, da es kaum Exporte in die Nachbarländer gebe, und der eigene Markt im Land überschaubar sei. „Die Unternehmen suchen darum Partner in der ganzen Welt.“

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Fonger ist auch von der Mentalität in Israel begeistert. Die Menschen seien dort locker, zupackend, schnell, liberal, weltoffen – und jung. „In Tel Aviv sieht man eine ganz dynamische Gesellschaft. Jeder macht morgens seinen Sport, fährt mit dem Surfbrett raus aufs Meer und dann zur Arbeit. Es ist eine junge Gesellschaft, die nach vorne blickt, die in Technologien investiert statt in Rentenerhöhungen.“ Das verwundert nicht bei einem Durchschnittsalter in Israel von 30 Jahren.

Die Zahlen sprechen für sich: In Israel gibt es nach Angaben der Deutsch-Israelischen Handelskammer 6500 Start-ups. Derzeit kommen laut AHK jährlich 1000 bis 1500 der besonders wertvollen, hochtechnologischen Gründungen dazu. Das Land habe dabei die höchste Start-up-Dichte pro Kopf und das meiste Risikokapital je Einwohner. Israel gilt als Start-up-Nation.

Atmosphäre eines Standorts zählt

In Tel Aviv ist dem Geschäftsführer der Handelskammer auch das besondere Lebensgefühl in der Stadt am Meer aufgefallen. Die Stadtentwicklung in Bremen in Richtung Wohnen, Freizeit und Arbeit sei richtig. Denn die Atmosphäre sei für die jungen Menschen wichtig. „Das ist die Zukunft. Das ist in Israel und an anderen Standorten ein Erfolgsfaktor. Davon zu lernen, ist gut.“

An der fünftägigen Reise haben neben Fonger und Schwampe sechs weitere Bremer teilgenommen. Besonders interessant für die maritime Wirtschaft sei zum Beispiel The Dock Innovation in Bremens Partnerstadt Haifa gewesen. Schwampe spricht von einem „Uber für Container“ und ist überzeugt: „Wenn die sich durchsetzen, dann wäre das ein disruptives Modell.“

Das Start-up hätte also Chance, einen Markt radikal zu verändern. Das Unternehmen will eine Plattform bieten, um jenseits der klassischen Reedereien Angebote für den Seetransport zu steuern. Und das „rein digital“, sagt Fonger. „Damit wird ein ganz anderes Geschäftsmodell aufgebaut.“

Norden als Region verstehen

Dirk Schwampe hat an der Reise zudem gefallen, sehr entspannte und angstfreie Gründer in Israel kennenzulernen. „Und sie nehmen sich als Person auch gar nicht so wichtig wie hier viele in der Innovationsszene. Außerdem gibt es einen starken Fokus auf bestimmte Märkte.“ Das hält er für einen entscheidenden Punkt. Der geschäftsführende Gesellschafter bei Neusta plädiert für diese „Philosophie“, wenn sich Wissenschaft und Wirtschaft in Bremen vernetzen. „Wir müssen uns fragen: Welchen Grund kann es geben, dass ein Start-up nach Bremen, Bremerhaven oder Oldenburg geht und nicht nach Berlin?“ Schwampes Antwort sind Leuchttürme. Damit gemeint sind hervorragende Projekte eines Standorts.

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Dafür müssten Experten für Bremen gewonnen werden – oder für die Region? Schwampe plädiert für mehr Zusammenhalt auch im Norden. „Wir müssen uns als Region begreifen völlig unabhängig von irgendwelchen persönlichen Eitelkeiten.“ Bremen allein sei einfach zu klein. Die Reise habe gezeigt, dass die Wirtschaft das will. „Jedem Unternehmen ist es wurscht gewesen, ob jemand aus Oldenburg, Hamburg oder Wolfsburg kommt.“ Damit es mit der Vernetzung in Zukunft besser klappt, will die Handelskammer schon bei der nächsten Reise etwas anders machen. Wissenschaftseinrichtungen aus Bremen sollen selbstverständlich auch eingeladen werden und Vertreter von dort mitfahren.


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Leserkommentare
werderfan am 23.10.2019 21:15
Ich versuche das mal kurz für die Demokratiefreunde zu erläutern:
1. Der Umweltausschuss des Beirats Blumenthal tagt am nächsten Montag ...
IhrenNamen am 23.10.2019 21:02
Ich bin mal sehr gespannt wie sich das auf die Spendensumme auswirkt.
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