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Künstliche Intelligenz
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Was die KI-Strategie für Bremen bedeutet

Lisa Boekhoff 06.01.2019 0 Kommentare

Im Einsatz auf allen vieren: Der Lauf-roboter Charlie soll den Mars erkunden. Die Mitarbeiter des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Bremen arbeiten an ihm.
Im Einsatz auf allen vieren: Der Lauf-roboter Charlie soll den Mars erkunden. Die Mitarbeiter des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Bremen arbeiten an ihm. (Michael Bahlo)

Es geht um Geld – und zwar richtig viel Geld. Die Bundesregierung will bis 2025 in die Förderung der künstlichen Intelligenz in Deutschland drei Milliarden Euro stecken. Das sieht die kürzlich vorgestellte „Nationale KI-Strategie“ vor. Schon in diesem Jahr sollen die ersten 500 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Bremen gehört als Standort des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) zu jenem Kreis, der von dieser Strategie profitiert.

Die Mittel für die Grundlagenforschung des Instituts sollen schließlich deutlich ausgebaut werden. „Die Summe wird signifikant erhöht“, sagt Wolfgang Wahlster, Vorsitzender der Geschäftsführung und technisch-wissenschaftlicher Direktor des DFKI. Das Institut hat in Bremen – zusammen mit der Außenstelle in Osnabrück – seinen zweitgrößten Standort. Weil die Privatwirtschaft nach dem Förderprinzip in Deutschland in der Regel mindestens das Doppelte draufzahle, sei der Hebeleffekt der zugesagten drei Milliarden Euro sehr groß. „Damit kommen wir auf sieben bis acht Milliarden Euro Investitionen in die KI. Das ist in Europa der absolute Spitzenwert.“

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Abgeschlagen sieht Wolfgang Wahlster Deutschland nicht – im Gegenteil. Auf vielen Gebieten der KI könne man mithalten im internationalen Wettstreit mit den USA, Kanada, China und Japan. „Auf manchen Gebieten haben wir sogar einen gewissen Vorsprung.“ Das gelte zum Beispiel für Cobots. Dabei handelt es sich um kollaborative Roboter, die mit den Menschen Hand in Hand arbeiten und nicht mehr in Käfigen sind.

Roboter unterstützen die Werker bei der Montage

In Bremen testet das DFKI zusammen mit dem Flugzeugbauer Airbus den Einsatz solcher Cobots bei der Flügelmontage. Wahlster hat sich das gerade selbst im Werk angesehen. „Die Roboter sind sogar mobil und transportieren Werkstücke durch die Halle. Sie unterstützen die Werker bei der Montage über Kopf, indem sie die Teile holen, die verschraubt werden müssen und sie am Flügel positionieren.

Das ist eine enorme Entlastung.“ In der Produktion der Zukunft und im Handwerk werde der Mensch aber weiter stark gebraucht. Das Verschrauben der Flügelteile erfordere etwa auch Feingefühl, da komme es auf das richtige Drehmoment an. Die Cobots fungierten als Assistenten. Das DFKI will seine Anstrengungen in diesem Bereich noch vergrößern. Ob Hahn, ABB, Voith Robotics oder Kuka, nun in chinesischem Besitz, führend bei den Cobots seien deutsche Unternehmen.

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Im Ergebnis des Artifical-Intelligence-Index (AI) aus den USA sieht sich Wahlster, zudem Professor für Informatik an der Universität des Saarlandes, bestätigt. Der Report zeige, dass im vergangenen Jahr in Europa am allermeisten zu KI publiziert wurde. „Das ist hier auch eingeschlagen wie eine Bombe, weil man oft das Gegenteil in der Wirtschaftspresse liest. Ganz so schlimm, wie immer behauptet, dass wir abgehängt sind, ist es dann ja wohl nicht.“ Schon die Wirtschaftsdelegationen aus dem Ausland, die das DFKI wöchentlich besuchten, zeigten das. „Warum kommen sie aus der ganzen Welt hier her, wenn bei uns nichts los ist?“

„AI made in Germany" soll als Gütesiegel etabliert werden

Die Strategie sieht vor, „AI Made in Germany“ als Gütesiegel zu etablieren. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) plädiert darüber hinaus dafür, dass europäische Unternehmen im Bereich KI zusammenarbeiten sollen, um konkurrenzfähig zu sein – jüngst wieder beim Digitalgipfel in Nürnberg. Es soll laut Altmaier zu dieser Idee bereits Gespräche mit Unternehmen gegeben haben. Die Vision sei, ein „Airbus für KI“ zu schaffen. „Das ist die Metapher, mit vereinten Kräften in Europa ein KI-Konsortium zu schaffen, was dann, wie Airbus, ein wirklicher globaler Wettbewerber ist“, sagt Wahlster. Die EU selbst stecke in den nächsten Jahren zudem ebenfalls Milliarden in KI. „Im Moment regnet es Brei, man muss den Löffel nur hinhalten.“

Rolf Drechsler, Leiter des Bereichs Cyber-Physical Systems am DFKI in Bremen, erwartete schon nach der Bekanntgabe, dass die Fördersumme stark über Wettbewerbe vergeben werden. Das DFKI und die Uni Bremen sei dieser Konkurrenz aber gewachsen: „Wir denken, dass wir in einer sehr guten Position sind, die entsprechenden Gebiete in Bremen weiterentwickeln zu können.

1950
Alan Turing, britischer Mathematiker: „Ich glaube, dass Ende des 20. Jahrhunderts der Gebrauch von Wörtern und die allgemeinen Ansichten der Gebildeten sich so sehr geändert haben werden, dass man ohne Widerspruch von denkenden Maschinen wird reden können.“
1955
Es hat einen Namen: Der Informatiker John McCarthy erfindet den Begriff der künstlichen Intelligenz (KI) für eine wissenschaftliche Konferenz am Dartmouth College in Hanover, USA. Es ist die Geburtsstunde der KI als eigenständiges Forschungsfeld.
1957:
Es beginnt zu lernen: Der amerikanische Psychologe und Informatiker Frank Rosenblatt legt den Grundstein für künstliche neuronale Netze. Auf Basis des Prinzips von Versuch und Irrtum (trial and error) entwickelt er ein erstes lernfähiges System im Computer Mark I.
1966
Es spricht: Der erste Chatbot heißt Eliza. Erfinder ist der deutsch-amerikanische Informatiker Joseph Weizenbaum. Das Programm gibt vor, ein Therapeut zu sein, und reagiert auf Schlüsselwörter mit einfachen Gegenfragen oder allgemeinen Sätzen.
Fotostrecke: Die Geschichte der künstlichen Intelligenz

In Bremen formiert sich derweil ein eigenes Cluster für Künstliche Intelligenz. Roland Becker stieß das Vorhaben im vergangenen Jahr an, da es nach seiner Ansicht bisher zwischen den Akteuren in der Stadt keine Vernetzung gab. Das Cluster mit dem Namen Bremen AI geht auf die Initiative seines Unternehmens Just Add AI zurück. Es soll Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zu Partnern für das Thema KI machen, Talente fördern und den Standort stärken. In der Region arbeiten demnach bereits etwa 50 Unternehmen und Institute ganz oder teilweise an KI. Die Bremer Politik unterstützt das Cluster.

Es könne ein Cluster im Nordwesten entstehen

Im Norden will das DFKI seine Präsenz weiter stärken: Osnabrück und – ganz neu – Oldenburg stehen hier im Fokus und sollen ausgebaut werden. Diese Zuwendung liegt vor allem an der Industrie in den beiden niedersächsischen Städten zum Beispiel im Landmaschinenbau. Und an der Unterstützung des Bundeslandes: „Wir haben Zusagen für erhebliche Mittel.“ Damit könne ein Cluster in Nordwesten entstehen – zusammen mit Bremen. „Wenn man einen solchen Magneten hat, kann man auch weitere Topforscher anwerben.“ Das DFKI habe um Oldenburg und Osnabrück viele Aufträge und damit gebe es auch für Bremen etwas zu tun. „Wir arbeiten hier sehr im Verbund.“

In Bremen sieht Wahlster insgesamt eine positive Entwicklung. Der noch junge Standort des DFKI sei enorm gewachsen und habe Kaiserslautern bezogen auf das Auftragsvolumen überholt. Nur bei den Ausgründungen gebe es noch Luft nach oben. Insgesamt verzeichnet das DFKI 70 Spin-offs, in der Hansestadt sind es immerhin zwei. „Das muss in Bremen deutlich verstärkt werden. Da sind wir aber dabei.“ Das hinge allerdings auch mit dem Thema zusammen: In Bremen arbeiten die Forscher vor allem an Robotik sowie an Chips und Halbleitern. Aus diesen Feldern Geschäfte zu entwickeln, sei investitionsintensiver.

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Dennoch gibt es mit Raise Robotics AG nun seit kurzer Zeit eine urbremische Gründung des DFKI. In der Vergangenheit haben Mitarbeiter bereits Kraken Robotics aufgebaut, ein Spezialist für Unterwasserrobotik. Kraken Robotics ist eine Tochter des kanadischen Unternehmens Kraken Sonar.

Ausbildung von Fachexperten

Besonders wichtig hält Wahlster zudem, weitere Professuren einzurichten, wie es die KI-Strategie des Bundes vorsieht. Denn diese seien für die Ausbildung von Fachexperten notwendig. „In der Industrie ist der Bedarf eklatant: Jeder, der KI buchstabieren kann, wird von Headhuntern nur so umworben.“ Mindestens 100 Professuren sollen bis 2025 entstehen, derzeit gibt es 155 an Hochschulen und Universitäten. „Das ist natürlich ganz gewaltig“, sagt der Informatiker zum Ziel. Doch wenn es gelinge, auch zwei Dutzend Fachkräfte aus dem Ausland zurückzuholen, könne die Zahl erreicht werden.

Anlass, wieder nach Deutschland zu gehen, gebe es für seine Kollegen: Fördergelder zu bekommen, das werde in den USA unter Trump immer schwerer. Zudem bereitet der Brexit in Großbritannien Sorgen. „Nach dem Brexit, das haben mir viele deutsche Kollegen schon gesagt, wollen sie zurückkehren.“ Da das DFKI keine eigenen Professoren anstellt, arbeitet das Forschungszentrum in Bremen eng mit der Universität zusammen: „Ich glaube schon, dass wir von den 100 Professuren einige auch nach Bremen holen werden.“

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Das DFKI ist eine öffentlich-private Partnerschaft. Gesellschafter sind Unternehmen sowie die Bundesländer Bremen, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Als einzige Einrichtung wird das DFKI namentlich im Strategiepapier genannt. Darin heißt es, es nehme eine „besondere Rolle“ ein und habe sich als weltweit größtes Forschungsinstitut für KI „ein hohes internationales Renommee“ erarbeitet. 1000 Mitarbeiter zählte das DFKI nun erstmals. 2018 lag das Auftragsvolumen bei 50 Millionen Euro. Für dieses Jahr stehen bereits 30 Millionen Euro in den Auftragsbüchern des DFKI.

Wolfgang Wahlster gibt seinen Job beim DFKI im nächsten Jahr ab. Jana Koehler übernimmt den Vorsitz der Geschäftsführung ab Februar. Wahlster will seine Nachfolgerin, die bei ihm studierte und promovierte, zunächst noch unterstützen, wechselt dann aber vermutlich in den Aufsichtsrat des DFKI und will vor allem als Berater tätig sein – ob nun für Regierungen oder die Wirtschaft. „Ich werde beim Thema KI weiter mitmischen – auch in der Industrie und bei Ministerien. Dort ist mein Rat sehr gefragt.“


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Leserkommentare
Bevenser am 22.10.2019 17:47
Man muss sich nicht künstlich blöd stellen. Wie es geht sieht man z.B. in Österreich - und nicht nur da.
peteris am 22.10.2019 17:39
Werden diese Menschen "losgelassen", dann gibt es erst wieder einen Stop in Deutschland.

Bereiten" wir " uns schon einmal darauf vor. ...
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