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Wie eine Bremer Galerie auf dem globalen Kunstmarkt mitmischt

Jonas Mielke 15.03.2019 0 Kommentare

In der Galerie Neuse zeigen die Antiquitätenhändler Volker Wurster (links) und Achim Neuse ein seltenes Spielbrett aus Bernstein.
In der Galerie Neuse zeigen die Antiquitätenhändler Volker Wurster (links) und Achim Neuse ein seltenes Spielbrett aus Bernstein. (Galerie Neuse)

Eigentlich bräuchte Achim Neuse an diesem Tag drei Hände mehr, sagt er. Es ist der Eröffnungstag der Tefaf Maastricht. Die Königin unter den Kunstmessen, sagen Experten, manche nennen die Tefaf auch das Kaufhaus der Superreichen. Um den Stand der Bremer Galerie Neuse scharen sich Kunstkäufer und -kenner aus Chicago oder Paris. Neuse kommt kaum zum Telefonieren, so viele Hände muss er schütteln. Der erste Tag der Messe gehört nicht allen, er gehört denen, die gesehen werden wollen. Die mehr Geld bezahlen, um einen noch exklusiveren Blick auf die Kunst zu werfen.

Die Geschäfte gehen gut, der internationale Kunstmarkt wächst. Im Jahr 2018 sei der weltweite Umsatz um vier Prozent gewachsen, vermeldet die Kunst-Preisdatenbank Artprice. Etwas mehr als umgerechnet 13,5 Milliarden Euro seien im vergangenen Jahr allein bei öffentlichen Versteigerungen umgesetzt worden. Über seine Kunden sagt der Bremer Kunsthändler Neuse, dass alle aufgrund der Entwicklungen ein mehr als charmantes Geschäft gemacht hätten.

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Die Galerie Neuse, geführt von Achim Neuse und Volker Wurster, gehört zu den besten Adressen im weltweiten Kunsthandel. Ein Global Player mit Geschäftssitz an der Bremer Contrescarpe. „Wir sind eine Firma, die im Grunde genommen ausschließlich museumswürdige Objekte handelt“, sagt Neuse. Er und Wurster kaufen und verkaufen vor allem im Segment „Alte Kunst“, der Wert der Gegenstände wird schnell sechs- oder siebenstellig: Ein Deckelbecher aus Elfenbein aus dem 18. Jahrhundert, der den Tod des schwedischen Königs Gustav Adolf in der Schlacht von Lützen 1632 zeigt, kostet etwa 250 000 Euro. Ein neoklassischer Guéridon, den der Zar Alexander I. der Königin Luise von Preußen schenkte: 750 000 Euro. „Der Mensch hat drei Bedürfnisse“, sagt Neuse. „Essen und Trinken, Sexualität und das Schmücken. Beim Letzteren sind wir gefragt.“

Im Kunsthandel darf man nicht zu nett, zu ehrlich und nicht zu klug sein

Aber wie funktioniert das Geschäft? Um das Wesen des Kunsthandels zu erklären, erzählt Neuse gerne von seinen Kindern. Neuse ist 75 Jahre alt, er hätte es gern gesehen, dass eines seiner drei Kinder das Geschäft fortführt. Doch der älteste Sohn sei zu klug für das Geschäft mit der Kunst, der jüngere Sohn zu nett, und seine Tochter zu ehrlich, sagt Neuse und lacht. „Alles Eigenschaften, die unbedingt erforderlich sind, aber wenn sie zu sehr ausgeprägt sind, dann passt es nicht für den Kunsthandel.“ Er kann das Geschäft aber auch knapper auf den Punkt bringen. „Es gibt nur eine Regel: Es gibt keine.“ Aber, und das ist Neuse wichtig, der Kunsthandel sei ein ernsthaftes Geschäft. Man habe es in der Regel mit Menschen zu tun, die klüger seien als man selber. „Vor diesen Menschen muss man hohe Achtung haben.“ Das müsse jedoch nicht zwingend heißen, dass man es mit ehrenwerten Menschen zu tun habe.

Neuse ist viel unterwegs, der persönliche Kontakt sei besonders wichtig, sagt er. Er reist zu europäischen Adelsfamilien, er beobachtet die Angebote der Auktionshäuser, er tauscht sich mit Händlern und Sammlern aus. Das besondere sei, dass ein Geschäft im Kunsthandel nicht wie ein Geschäft wirken dürfe. „Man muss das Gefühl eines Spiels haben“, sagt Neuse über die Beziehung zwischen Käufer und Verkäufer. Deshalb sei der persönliche Kontakt so wichtig, um Vertrauen aufzubauen. Das Problem: Oft sei das Geschäft nicht zu prognostizieren. „Man kann nicht sagen, ich fahre da heute hin, und dann verkauft der mir das.“

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Der Bremer Neuse handelt schon lange mit Kunst. Seine Eltern hätten bereits Worpsweder Maler und Biedermeier-Gläser gesammelt, als Kind begleitete er sie zu Antiquitäten-Händlern. „Das hat mich von Kindesbeinen an fasziniert, und das hat zum Glück bis heute angehalten“, sagt er. Aber mit der großen Kunst der weiten Welt hätten auch seine Eltern keine Erfahrung gehabt.

Das holt Neuse nach – mit viel Leidenschaft, das betont er. Auch die Sammler, die von ihm Kunstwerke kaufen, seien nicht auf maximalen Profit aus. „Unseren Kunden ist die emotionale Rendite wichtiger“, sagt er. Und doch beobachtet er einen gesellschaftlichen Wandel, der auch den Kunsthandel trifft. Heutzutage seien viele Menschen wie Rennradfahrer im Höchsttempo unterwegs, so erklärt Neuse das. Rasend schnell, immer auf der Jagd nach dem, der vor ihnen fährt. „Aber wenn er durch die Landschaft fährt, riecht er kein Heu, der hört nicht das Glockengeläut der Kirche.“ Diese Menschen hätten für das Sammeln von Kunst kein Gespür mehr. Dabei findet Neuse: „Sammler sind glückliche Menschen.“

Zur Sache

Kaufhaus der Superreichen eröffnet

Hunderte Privatjets landen auf dem Flughafen Maastricht-Aachen, wenn das „Kaufhaus der Superreichen“ öffnet: Die Tefaf in Maastricht gilt als weltweit wichtigste Messe für alte Kunst. Vom 16. bis zum 24. März sind im Maastrichter Messezentrum 279 Galeristen aus 21 Ländern vertreten. Die Tefaf wurde 1987/88 von einem kleinen Zirkel von Kunsthändlern gegründet. Seitdem hat sich der Umfang des Kunstmarkts mehr als verdoppelt. Deutschland spielt dabei eher eine Nebenrolle – die größten Märkte für Kunst und Antiquitäten sind die USA, China und Großbritannien.


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Leserkommentare
Hardy1658 am 23.10.2019 19:37
Super!
flutlicht am 23.10.2019 19:29
Wäre ja ein löblicher Fortschritt. Nur zu!
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