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Wie sich die Germania-Pleite auf Bremen und die Passagiere auswirkt

Nico Schnurr 05.02.2019 7 Kommentare

Fiona Drobig und ihr Verlobter Daniel Würfel wollten auf Ibiza heiraten.
Fiona Drobig und ihr Verlobter Daniel Würfel wollten auf Ibiza heiraten. (fr)

Sie haben an alles gedacht. Die Meeresfrüchte von der Küste, die spanischen Kellner aus der Gegend. Der Redner aus Mallorca, die Feier auf Ibiza, in einem kleinen Restaurant in Santa Gertrudis, im Inneren der Insel. Daniel Würfel und seine Verlobte Fiona Drobig haben alles geprüft, ein Anruf nach dem anderen, sogar ein Besuch vor Ort. Das Osnabrücker Paar ist vorbereitet, so gut man eben auf alles vorbereitet sein kann, wenn die eigene Hochzeit am anderen Ende von Europa stattfindet. Glauben sie. Bis zu diesem Dienstagmorgen.

Kurz vor sechs Uhr. Daniel Würfel zieht seinen Arm unter der Bettdecke hervor und patscht aufs Smartphone: Wecker aus. Er wischt über den Bildschirm, Tasten entsperren, erst mal zu Whatsapp. Wie jeden Morgen. Dann sehen seine müden Augen, wie ein Chat vor Nachrichten überquillt, die Hochzeitsgruppe. Würfel hat sie vor einigen Monaten eingerichtet, kurz nach der Verlobung. Die Hochzeit auf Ibiza soll im August stattfinden, mit 50 Gästen. Etwa die Hälfte der Hochzeitsgesellschaft will gemeinsam fliegen, von Bremen. Mit Germania.

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Als Würfel den Chat öffnet, ist er sofort wach. In der Gruppe sieht er einen Artikel. Er klickt nicht drauf, das erste Wort der Überschrift genügt. „Germania-Pleite“, Würfel weiß sofort, was los ist. Er überlegt noch kurz, ob er seine Verlobte schlafen lassen oder schocken soll. Dann seufzt er so laut, dass sie wach wird. „Germania ist insolvent, die fliegen nicht mehr“, sagt er. Die Verlobte reißt die Augen auf. „Das ist nicht dein Ernst“, schreit Fiona Drobig. Dabei hat sie in seinem Gesicht längst erkannt: Es ist ernst. Sehr ernst. Als bräuchte es jetzt noch eine Erklärung, fasst Würfel die ersten zwei Minuten des Morgens zusammenfassen: „Buff, fast 6000 Euro, alles weg, keine Chance.“

Die Hochzeit in Gefahr, weil die Germania-Flieger am Boden bleiben. Eine Geschichte, wie Daniel Würfel sie am Dienstag berichtet, wird es nicht allzu häufig geben. Die plötzliche Pleite der Fluglinie trifft aber auch viele andere Passagiere. Von Bremen wollte Germania im kommenden Sommer 23 Ziele ansteuern. Darunter auch Funchal, Hauptstadt der portugiesischen Inselgruppe Madeira, und Antalya in der Türkei. Am Dienstag sind Flüge zu beiden Orten geplant. Noch am Morgen glauben viele Germania-Kunden am Bremer Flughafen, sie fliegen in die Ferien. Die Schalter zwei bis fünf haben geöffnet, die Germania-Schalter. Aber es passiert nichts. Irgendwann flimmert auf den Anzeigetafeln: Flug gestrichen.

Ehepaar investiert 320 Euro in Taxifahrt

Uwe und Ute Suhren stehen mit gepackten Koffern am Flughafen - doch statt nach Antalya geht es für sie mit dem Taxi zurück nach Wilhelmshaven.
Uwe und Ute Suhren stehen mit gepackten Koffern am Flughafen - doch statt nach Antalya geht es für sie mit dem Taxi zurück nach Wilhelmshaven. (Christina Kuhaupt)

Bis dahin ahnen auch Ute und Uwe Suhren von nichts. Die Rentner wollen weg, drei Wochen Antalya. Pauschalurlaub, das volle Programm, zum 50. Mal, sagen sie. Ihr Flug geht um 12.40 Uhr. Das glaubt das Ehepaar noch am Morgen und steigt um halb neun Uhr in Wilhelmshaven ins Taxi, 160 Euro bis Bremen. Sie mögen es bequem, sagen sie. Und deswegen fliegen sie gerne von Bremen, kleiner Flughafen, wenig Stress. Und nun das. Kurz vor 12 Uhr, eigentlich würden sie jetzt dem Boarding entgegenfiebern, stattdessen hocken die Suhrens in einem Flughafen-Café, vor ihnen ein Gepäckberg. Sie warten auf ein Taxi, 160 Euro zurück bis Wilhelmshaven.

„Ich bin geschockt, sowas kennt man ja sonst nur aus dem Fernsehen“, sagt Ute Suhren. Ihr Mann stimmt mit ein: „Ich kann das noch immer nicht glauben.“ Eine Stunde sitzen sie nun schon da. Sie haben Kaffee getrunken seitdem und viel telefoniert, mit dem Reisebüro, dem Reiseveranstalter, ein Hin und Her. Inzwischen wissen sie: Sie bekommen das Geld wieder. Also die insgesamt 1544 Euro Pauschalreisekosten. Das Taxigeld wohl nicht.

"Das Geld ist weg"

In Osnabrück ist die Lage eine andere, das wissen sie sofort. Die Hochzeitsgesellschaft hat keine Pauschalreise gebucht. Also sieht es schlecht aus. Wahrscheinlich kein Geld zurück. Zumindest nicht bald und nicht von Germania. „Man muss realistisch sein“, sagt Daniel Würfel und holt tief Luft. „Das Geld ist weg.“ Es ist nicht allein sein Geld, das macht die Sache für ihn nur noch schlimmer. Wer dabei sein will, in Santa Gertrudis auf Ibiza, zahlt Flug und Hotel selbst. So haben es die Verlobten, er 34, sie 30 Jahre alt, festgelegt. Und sie haben den Hochzeitsgästen auch gesagt: Fliegt von Bremen, mit Germania, die sind günstig und verlässlich.

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Würfel schießen diese Sätze sofort in den Kopf, als er am Dienstagmorgen im Bett liegt und auf sein Smartphone starrt. „Man fühlt sich schuldig gegenüber den Gästen“, sagt er, „und irgendwie auch ziemlich machtlos.“ Er hat das alles ja nicht kommen sehen, sonst hätte er nicht auch noch empfohlen, mit Germania zu fliegen. Und was jetzt?

Restaurant und Hotel sind reserviert, der DJ ist bestellt, der Redner aus Mallorca auch. Er hat schon einen Flug gebucht. Nicht bei Germania, immerhin. Die Verlobten haben schon einige Tausend Euro angezahlt. „Wir können die Hochzeit unmöglich platzen lassen“, sagt Würfel. „Wir wissen noch nicht, wie wir den Gästen das beibringen sollen, aber wir müssen jetzt neue Flüge finden.“ Und er muss nun ein paar unangenehme Gespräche führen. Würfel will die Gäste fragen, ob sie bereit sind, noch einmal 250 Euro auszugeben.

Sollte sich jemand die zusätzlichen Flugkosten nicht leisten können, will das Paar einspringen. Die Flitterwochen in Japan und Dubai haben Daniel Würfel und Fiona Drobig schon mal auf Eis gelegt. Jetzt wollen sie erst einmal nach Ibiza kommen.

   +++Dieser Text wurde um 20.59 Uhr aktualisiert+++


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