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Geburtstagsfeier in Bremerhaven
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Zehn Jahre Fraunhofer-Institut für Windenergie

Florian Schwiegershausen 08.10.2019 0 Kommentare

Für die Industrie testet das Fraunhofer IWES alle Komponenten einer Windanlage – wie hier die Gondeln.
Für die Industrie testet das Fraunhofer IWES alle Komponenten einer Windanlage – wie hier die Gondeln. (Buchholz/Fraunhofer IWES)

Bernhard Lange stellt es ganz nüchtern fest. „Bisher haben wir jedes Rotorblatt kaputt bekommen.“ Der Satz klingt merkwürdig, doch die Zerstörung dient der Sicherheit. Denn Lange arbeitet in Bremerhaven beim Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme (IWES). Dort ist er Bereichsleiter für die Planung und den Betrieb von Windparks. Das Institut hat Dienstag mit mehr als 200 Gästen aus Wissenschaft, Industrie und Politik im Atlantic Hotel Sail City den zehnten Geburtstag gefeiert. Unter den Gratulanten war auch Bremens Wissenschaftssenatorin Claudia Schilling (SPD) und gehörte zu den Rednern.

In dieser Zeit ist von der einst so vielversprechenden Windindustrie das wissenschaftliche Institut mit seinen weltweit geschätzten Prüfständen und Testlaboren übrig geblieben. Denn mit Senvion verabschiedet sich aus der Seestadt der letzte große Windanlagenbauer. Auch am IWES geht das nicht spurlos vorbei, schließlich gab es vor Ort auch immer eine gute Zusammenarbeit zwischen der Industrie und der Wissenschaft. Lange sagte aber auch ganz klar, dass das IWES am Standort Bremerhaven stärker denn je festhält: „Wir haben uns ja bereits vor Jahren global aufgestellt – was ja auch gut ist.“ Das IWES arbeitet folglich bereits mit Herstellern auf der ganzen Welt zusammen.

150 Mitarbeiter in Bremerhaven

Das Institut ist mit seinen mehr als 200 Mitarbeitern auf die Standorte Bremerhaven, Bremen, Oldenburg, Hamburg und Hannover verteilt. In der Seestadt sind es gut 150 Mitarbeiter, die in den verschiedenen Gebäuden am Fischereihafen zu finden sind – inklusive dem Gondelprüfstand.

Wenn es um ein kaputtes Rotorblatt geht, ist es laut Lange besser, wenn das allererste davon auf dem Prüfstand bricht und man den Fehler eben nicht erst nach dem zweitausendsten Rotorblatt feststellt. Denn das würde für den Hersteller hohe Kosten verursachen. Seitens des IWES gehe es aber nicht nur darum, die Belastbarkeit der Komponenten zu testen: „Wenn etwas bricht, dann können wir auch begründen und erklären, warum es denn gebrochen ist.“

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Momentan testen die Wissenschaftler für das US-Unternehmen General Electric (GE) und seine Sparte Renewable Energy bis kommenden August die Turbinenplattform Cypress. Dabei wird der Maschinenkopf einer Belastung ausgesetzt, die realen Bedingungen entspricht. Rolf ten Thoren, Senior-Projektmanager bei GE, gehörte auch zu den Festrednern am Dienstagvormittag. Im Anschluss sagte er über die Zusammenarbeit mit dem IWES: „Das Institut hat die Möglichkeiten, die Cypress-Turbinenplattform auf ihre mechanischen und elektrischen Eigenschaften zu prüfen. Das so in der Art zu testen, da gibt es auf der Welt nicht viele Möglichkeiten wie hier im IWES. Die sind hier herausragend.“

Die Cypress-Anlage hat eine Leistung von fünf Megawatt, wird aber auf einem Prüfstand getestet, der für zehn Megawatt ausgelegt ist. Das begründen ten Thoren und sein Kollege Bart Veldkamp, der bei GE Renewable Energy für die Systemintegration zuständig ist, so: „Zeitweise ist die Plattform ja höheren Lasten ausgesetzt, und die gilt es ja auch zu testen.“ Das IWES erforscht auch die Lebensdauer einer solchen Anlage, die später 20 bis 25 Jahre im Feld stehen soll. GE selbst betreibt bereits einen Prototypen der Windanlage, bei der die zweigeteilten Rotorblätter eine Besonderheit sein sollen.

Die Tests dienen einer weiteren Begebenheit. „Die für eine Windanlage leichter planbaren Standorte an Land sind langsam besetzt. Es geht nun auch darum, Standorte zu erreichen, die als schwieriger gelten“, sagte Veldkamp. Der Standort von GE Wind Energy in Deutschland ist übrigens westlich von Osnabrück im niedersächsischen Salzbergen. „In zweieinhalb Stunden ist man von dort in Bremerhaven, um vor Ort etwas zu besprechen“, ergänzte Rolf ten Thoren.

Anlagen höher als der Kölner Dom

Veldkamp und ten Thoren sind für ihr Unternehmen im Onshore-Bereich unterwegs. Ihre Kollegen im Offshore-Bereich sind gerade dabei, in Rotterdam auf der Hafeninsel Maasvlakte einen Prototypen mit einer Leistung von zwölf Megawatt zu errichten. Es fehlen nur noch die Rotorblätter, die eine Länge von 107 Meter haben. Wenn die dran sind, soll die Anlage eine Höhe von 260 Metern erreichen. Zum Vergleich: Der Kölner Dom ist 157 Meter hoch. Damit zeigt sich auch, welche Dimensionen die Windanlagen auf dem Meer in Zukunft erreichen werden.

Darauf muss sich auch das Fraunhofer-Institut vorbereiten. Noch reicht die Größe der Gebäude. Aber IWES-Bereichsleiter Lange sagt, dass es schon Pläne gibt, um sich zu vergrößern. In Zukunft will das IWES außerdem stärker mit digitalen Simulationen arbeiten, um Aussagen über die Anlagenkomponenten machen zu können. Auch die Herstellung von Wasserstoff durch Windkraft will das Institut wissenschaftlich aus seiner Sicht begleiten. „Es wird in Zukunft immer öfter vorkommen, dass die Anlagen mehr Strom erzeugen werden, als notwendig ist. Und diesen überschüssigen Strom gilt es, zu nutzen“, sagte Lange. Da sieht er den Standort des IWES in Bremerhaven sogar als Vorteil. Schließlich könne die maritime Wirtschaft vom Wasserstoff profitieren. „Gerade dort gibt es großes Potenzial, CO2 einzusparen.“


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Leserkommentare
cklammer am 23.10.2019 09:05
Na, wir wissen ja, wie das geht: etwas gleichartiges wird ja am Weserstadion schon beim jedem Heimspiel von Werder umgesetzt.

Da wird ...
oharena am 23.10.2019 09:04
wen soll man jetzt mehr "lieben" - die Polizei, de Anschläge verhindert hat - oder die "lieben" Terroristen, die keine Anschläge verübt haben?
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