Galopprennbahn kann mit Wohnungen bebaut werden

Bremen zahlt Millionen an Golf-Club

Das Gezerre um die Galopprennbahn ist vorbei: Bremen zahlt dem Club, dessen Vertrag regulär noch bis zum Jahr 2034 gelaufen wäre, nach Angaben des Senators eine Entschädigung von 3,89 Millionen Euro.
04.10.2017, 16:34
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Bremen zahlt Millionen an Golf-Club

Auf dem Gelände des Golfclubs und der Rennbahn in der Vahr sollen bis zu 1000 neue Wohnungen entstehen.

Karsten Klama

Das Gezerre um die Galopprennbahn in Bremen ist vorbei: Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) hat am Mittwoch mitgeteilt, dass er sich mit dem Golfclub, der die Fläche im Oval der Bahn nutzt, darauf geeinigt hat, den Pachtvertrag zum Ende des Jahres aufzuheben.

Bremen zahlt dem Club, dessen Vertrag regulär noch bis zum Jahr 2034 gelaufen wäre, nach Angaben des Senators eine Entschädigung von 3,89 Millionen Euro. Golf spielen können die Vereinsmitglieder gleichwohl weiterhin, die Einigung sieht einen Spielbetrieb bis zum Beginn der Bauarbeiten vor, mit dem nicht vor dem Jahr 2020 gerechnet wird. Bremen will auf der 30 Hektar großen Fläche rund 1000 Wohnungen bauen lassen. Dem Rennverein, der die Anlage seit mehr als 100 Jahren für den Galoppsport nutzt, war im vergangenen Jahr gekündigt worden.

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„Ich freue mich, dass die Einigung mit der Golf-Range zustande gekommen ist und wir nun diesen großen und wichtigen Schritt für die Entwicklung wesentlicher Teile des Rennbahn-Areals zu einem modernen Wohnquartier machen konnten“, sagte ­Günthner. Diese Entwicklung werde einen wesentlichen Beitrag dafür leisten, mehr attraktiven innerstädtischen Wohnungsbau anzubieten und sichere die Entwicklungsperspektiven Bremens als wachsende Stadt.

Grundlage für die Höhe der Entschädigungssumme seien Berechnungen von Wirtschaftsprüfern gewesen, hieß es ergänzend aus Günthners Behörde. Die Formel dafür habe sich aus den entgangenen Betriebsgewinnen von Golf-Range bis zum Jahr 2034 ergeben und entspreche einer realistischen Erwartung. Vor Abschluss der Verhandlungen mit dem Golfclub seien diverse Fantasiesummen kolportiert worden, so ein Behördenvertreter. Er sprach von einem guten Geschäft für die Stadt. Für Günthner steckte darin nie ein Problem, er sah die Finanzierung der Ausgleichszahlung von vornherein als gesichert an: „Wir haben ja die Erlöse aus dem Verkauf der Grundstücke.“

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Die Stadt hatte in der Vergangenheit wiederholt betont, dass ihr daran gelegen sei, die eigentliche Rennbahn und den Golfplatz nicht brach liegen zu lassen, bis der Bau von Wohnungen beginnt. Mit dem Golfclub ist das jetzt gelungen, er wird den Betrieb zum Jahreswechsel nicht abbrechen und schaut sogar über die Jahre 2018 und 2019 hinaus: „Auch danach könnten Golfbälle durch das Oval der Rennbahn fliegen, falls sich die Bebauung verzögern sollte“, schreibt Golf-Range in einer Erklärung von Mittwoch. Einen Ersatz sucht das süddeutsche Unternehmen, das in Deutschland und Österreich insgesamt 17 Golfplätze betreibt und sich als Marktführer bezeichnet, offenbar nicht, jedenfalls nicht in Bremen. Stattdessen, so die Ankündigung, wolle man die Mitglieder an umliegende Golfanlagen vermitteln, wenn es soweit sei, den Neun-Loch-Parcours auf dem Rennbahngelände zu räumen.

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Anders als Golf-Range hat sich der Bremer Rennverein von 1857 in seinem Pachtvertrag auf eine Klausel eingelassen, die der Stadt erlaubte, eine außerordentliche Kündigung auszusprechen. Voraussetzung war, dass für die Fläche der Rennbahn nicht nur vage Pläne bestehen, sie zu bebauen, sondern dass es dafür verbindliche Beschlüsse des Parlaments gibt. Als dieser Akt Ende vergangenen Jahres geschehen war, stand fest, dass mit Ablauf einer Ein-Jahres-Frist Schluss ist für den Verein.

In diesem Jahr bislang drei Renntage auf der Bahn

Im laufenden Jahr hat es auf der Bahn bislang drei Renntage gegeben. Ein vierter findet am 22. Oktober statt. Ob es der letzte sein wird, das Ende einer hundertjährigen Tradition, steht noch nicht fest. Die Wirtschaftsbehörde hat am Mittwoch noch einmal signalisiert, den Verein unterstützen zu wollen, falls er in den nächsten zwei Jahren weitere Veranstaltungen auf die Beine stellen wolle. Gleichzeitig hat die Behörde aber sichergestellt, dass auch ohne diese Lösung die Pflege der Anlage gewährleistet ist. Garant dafür ist ein Gestütsleiter, mit dem die Stadt einen Vertrag über die Zwischennutzung der Bahn abgeschlossen hat. Er will dort wie bisher seine Pferde trainieren.

Der Rennverein zeigte sich über das Vorgehen der Stadt düpiert. Er hatte nach eigenen Angaben erwartet, bei einer möglichen Zwischennutzung zuerst gefragt zu werden. Dem Vernehmen nach soll es aber so gewesen sein, dass der Gestütsleiter sich zunächst an den Verein gewandt hatte und von dort an die Stadt verwiesen wurde. Sollte es trotz der neuen Vertragssituation zu weiteren Renntagen kommen, könnte das nur mit Billigung des neuen Pächters geschehen. Der Rennverein strebt ein Gespräch dazu an und will sich danach endgültig erklären.

++ Dieser Artikel wurde zuletzt am 04.10.2017 um 22.37 Uhr aktualisiert ++

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