Serie „Bremer Institutionen“-Teil 9

Bremenports: Rundum Hafen an 365 Tagen

Die städtische Gesellschaft Bremenports ist für das Planen und Umsetzen von maritimer Infrastruktur in den Häfen in Bremen und Bremerhaven zuständig – wie etwa für den Bau der Kaiserschleuse.
08.06.2020, 06:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Bremenports: Rundum Hafen an 365 Tagen
Von Peter Hanuschke
Bremenports: Rundum Hafen an 365 Tagen

Bremenports-Geschäftsführer Robert Howe: "Kerngeschäft ist, die Häfen an 365 Tagen im Jahr 24 Stunden geöffnet zu halten."

BREMENPORTS

Die „Mitarbeiter“ von Bremenports sind Vegetarier und bringen locker 800 Kilogramm auf die Waage. Denn die stadtbremische Hafengesellschaft setzt auch auf Vierbeiner. Und sie zeigt damit, dass manchmal auch ungewöhnliche Wege zum Erfolg führen. Eingesetzt werden 40 Wasserbüffel auf der Luneplate als „Rasenmäher“. Dieses 1400 Hektar große Areal wurde renaturiert und dient Bremenports als eine von mehreren Ausgleichsflächen für die Hafenerweiterung.

Bremenports ist für das Planen und Umsetzen von maritimer Infrastruktur in den Häfen in Bremen und Bremerhaven zuständig – wie etwa für den Bau des Container-Terminals 4 oder die Kaiserschleuse sowie die Wartung der Anlagen neben der Instandhaltung und Modernisierung. Bremenports ist zu hundert Prozent im Besitz der Stadt Bremen ist.

Gebaggert oder Schlick weggespült

„Kerngeschäft ist, die Häfen an 365 Tagen im Jahr 24 Stunden geöffnet zu halten“, so Bremenports-Geschäftsführer Robert Howe. Hinter der einfachen Aussage verberge sich aber eine Fülle komplexer Themen. „Um für die Schifffahrt immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel zu garantieren, müssen alle Hafenbecken und die Stromkaje gepeilt werden.“ Wo es erforderlich sei, werde gebaggert oder Schlick weggespült. „Dafür unterhalten wir in Bremen-Seehausen eine Baggergutdeponie, die für die kommenden Jahrzehnte Entsorgungssicherheit bietet.“ Schleusen und Brücken müssten Tag für Tag gewartet werden.

doc7e4jakykm7knmpnddbm.jpg
Foto: Grafik Weser Kurier

Für die vielfältigen Aufgaben sind Taucher, Elektriker, Schlosser und Mechaniker im Einsatz. 34 Kilometer Kajen, rund 200 Kilometer Hafeneisenbahn, mehr als 50 Brücken, fünf Schleusen und 22 Kilometer Deiche und Hochwasserschutzanlagen – die Infrastruktur der bremischen Häfen ist umfangreich und komplex. „Bremenports unterhält im Auftrag der Senatorin für Wissenschaft und Häfen die Bremische Hafeneisenbahn, ein Herzstück der Bremischen Häfen, die dafür sorgt, dass Bremerhaven den prozentual höchsten Eisenbahnumschlag weltweit hat“, so Howe. Umfangreich seien auch die Planungs- und Bauaufgaben. Gerade Wasserbau sei eine anspruchsvolle und kostenträchtige Disziplin. Da gehe es um große öffentliche Investitionen, die einen langen und komplexen Planungsvorlauf hätten.

An den Start ging Bremenports 2002 und war der Nachfolger für das Hanseatische Bremische Hafenamt (HBH), das 40 Jahre lang für die Hafeninfrastruktur verantwortlich war. Damit war Bremenports die erste privatwirtschaftlich strukturierte Hafenverwaltung Deutschlands. Vor der Gründung ermittelte die Unternehmensberatung Roland Berger 2001 in einer Studie Ertragspotenziale von jährlich 25,6 Millionen D-Mark. Diese resultieren aus deutlich weniger Personal- und Sachkosten sowie einem wachsenden Umsatz. Bremenports sollte demnach als sogenannte Eigengesellschaft nach privatwirtschaftlichen Prinzipien agieren.

370 Mitarbeiter

Berger empfahl, Bremenports mit 460 Mitarbeitern zu starten. Die HBH hatte etwa 560 Beschäftigte. Heute arbeiten für die stadtbremische Hafengesellschaft, die ihren Hauptsitz in Bremerhaven und ihre Vertriebsstelle in der Hansestadt hat, rund 370 Mitarbeiter. In der neuen Rechtsform war Bremenports auch in der Lage, sogenanntes Drittgeschäft zu tätigen. Nachgefragt werden die Beratungs- und Ingenieurdienstleitungen weltweit – ob die Planung eines Hafens im Nordosten Islands oder die Kooperation mit der Hafengesellschaft in Namibia.

Neben den klassischen Aufgaben einer Hafenmanagementgesellschaft gebe es weitere Themen, die das Tätigkeitsfeld erweitern und abrunden – etwa das Hafenmarketing, so Howe. Bremenports organisiere für die Hafenwirtschaft die Teilnahme an Messen weltweit oder holt entsprechende Veranstaltungen nach Bremen: beispielsweise die Messe Breakbulk Europe für Schwergut und Projektladungen. „Mit der Kundenveranstaltung Logistics Talk sichern wir zusammen mit den Hafenunternehmen die Präsenz der Bremischen Häfen in den starken Märkten von Bielefeld über Stuttgart bis Wien oder Prag.“ Bremenports arbeite auch im Auftrag anderer öffentlicher Stellen oder auch privater Auftraggeber. Damit werde jedes Jahr ein deutlicher Millionen-Beitrag erwirtschaftet, der die Zuführung des öffentlichen Haushaltes an die Hafengesellschaft reduziere.

Lesen Sie auch

„Hafenentwicklung ist und bleibt eine Daueraufgabe“, so Howe. „Erneuerungsinvestitionen sollen dazu genutzt werden, die Wirtschaftlichkeit der Prozesse im Hafen weiter zu verbessern und damit einen Beitrag für eine gute Entwicklung leisten.“ In diesem Zusammenhang sei die weitere Ertüchtigung der Containerkaje wesentlicher Baustein, um auch künftig Schiffe aller Größen effizient in Bremerhaven abfertigen zu können. Weitere wichtige Investitionen seien der Neubau der Columbuskaje für die Kreuzfahrt und der Bau der Nordmole, um die Einfahrt in den Fischereihafen zu optimieren. Auch der Neubau des Columbusbahnhofs und Investitionen in den Fischereihafen sind im Koalitionsvertrag als wichtige Themen benannt.

Neben all diesen Aufgaben sei eine weitere Herausforderung, den Klimaschutz voranzubringen. Mit dem Projekt Sharc schaffe Bremenports derzeit die Voraussetzungen, den Betrieb des Hafens CO2-neutral zu gestalten.

doc7e4jakyvjugwq20sfga.jpg
Foto: FMA-WK Online

Info

Zur Sache

Corona-Hilfen der Handwerkskammer

In der Ausnahmek-bremen.de zu finden.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+