Vor Referendum am Sonntag

Bremenports von Erdogan-Anhängern gehackt

Hacker haben auf deutschen und holländischen Webseiten Bilder vom türkischen Präsidenten verbreitet. Auch die Homepage der Bremischen Hafengesellschaft Bremenports war am Mittwoch nicht abrufbar.
12.04.2017, 14:12
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Bremenports von Erdogan-Anhängern gehackt
Von Carolin Henkenberens
Bremenports von Erdogan-Anhängern gehackt

Gehackt: Auf der Homepage "www.studieren-in-holland.de" prangte am Mittwoch dieses Bild.

Screenshot

Hacker haben auf deutschen und holländischen Webseiten Bilder vom türkischen Präsidenten verbreitet. Auch die Homepage der Bremischen Hafengesellschaft Bremenports war am Mittwoch nicht abrufbar.

Hacker haben am Mittwoch elf Homepages von Firmen, Parteien und Medien aus Norddeutschland und den Niederlanden angegriffen. Auf den Seiten platzierten die Unbekannten Fotos des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan mit Schriftzügen wie "Nach dem 16. April werden wir Europa für alles Getane bezahlen lassen!" oder "Präsident Erdogan der Eroberer". Über ihre Tat informierten die Hacker den WESER-KURIER per Email. Auch die Betreibergesellschaft der Bremer Häfen, Bremenports, und die Bremische Hafenvertretung befanden sich auf der Liste der Ziele.

Bremenports-Sprecher Rüdiger Staats bestätigte auf Nachfrage den Angriff, der sich gegen den Provider der Bremenports-Internetseite gerichtet habe. "Beim Hackerangriff wurden der externe Server und die Seite manipuliert", teilte das Unternehmen mit. Bremenports machte deutlich, dass die Seite keine vertraulichen Unternehmensdaten enthalten habe. Die interne IT-Struktur der Hafengesellschaft sei von dem Angriff nicht betroffen gewesen. Der Provider habe die Seite daraufhin offline geschaltet und werde Strafanzeige bei der Polizei erstellen.

Laut der Hacker sei auch die Homepage der Bremischen Hafenvertretung (BHV) attackiert worden. Die Seite war am Mittwochnachmittag auch außer Betrieb genommen worden. Von der BHV war zunächst nicht zu erfahren, inwiefern der Verein wirklich betroffen ist.

Ein weiteres Opfer ist das Nachrichtenportal Nord-West-Media TV. Auf der Homepage prangte am Mittwoch zeitweise ein Bild, das den türkischen Präsidenten Erdogan auf einem Pferd vor dem Brandenburger Tor zeigt. Darunter die Schrift "Präsident Erdogan der Eroberer" und ein Verweis auf den 16. April, dem Tag des Referendums über ein Präsidialsystem. "Der Programmierer ist da dran", sagte Geschäftsführer Ludger Tebben. "Wir können noch nicht sagen, wie die reingekommen sind."

Die Seite des Portals "Nord-West-Media TV" war ebenfalls betroffen.

Die Seite des Portals "Nord-West-Media TV" war ebenfalls betroffen.

Foto: Screenshot

Die Hacker, die eine Mailadresse namens "anonimus@mail.com" benutzten, gaben sich in ihrer Email an diese Redaktion als türkische Bürger aus. Der Grund für die Angriffe sei, dass das türkische Volk die Demütigungen der nationalen Ehre durch die europäischen Staaten nicht hinnehmen wolle. Mit ihren Angriffen auf deutsche und niederländische Seiten von Parteien, staatlichen Organisationen wolle man auf das "aggressive und anti-demokratische Handeln" dieser Länder antworten.

Wie die Hacker ihre Ziele auswählten, bleibt unklar. Ziele waren auch der niederländische Hörfunksender "Concertzender", die Seite "Studieren in Holland", die Marathon-Seite "Triabolos" aus Hamburg sowie der Online-Auftritt des CDU-Ortsverbandes Hemmingen, einem 20.000-Einwohner-Städtchen bei Hannover. Auf ihr war ein Bild von Erdogan vor dem Brandenburger Tor zu sehen. "Wir müssen willkürlich ausgewählt worden sein", sagt Barbara Konze, die Vorsitzende. Der Ortsverband habe sich nie zum Thema Türkei geäußert.

Dieses retuschierte Bild von Erdogan war am Mittwoch auf der Seite der CDU in Hemmingen zu sehen.

Dieses retuschierte Bild von Erdogan war am Mittwoch auf der Seite der CDU in Hemmingen zu sehen.

Foto: Screenshot
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