Online-Angebot der Aussteller

Weihnachtsmarkt im Internet

Bremer Weihnachtsmarkt und Schlachte-Zauber fallen aus - zumindest vor Ort. Denn gerade entsteht im Internet ein Angebot. Das soll den Händlern Umsatz bringen und den Kunden ein bisschen Weihnachtsmarktgefühl.
23.11.2020, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Weihnachtsmarkt im Internet
Von Lisa Urlbauer
Weihnachtsmarkt im Internet

Schmuckdesigner Peter Erfurt plant für Bremen einen virtuellen Weihnachtsmarkt.

Frank Thomas Koch

Diesen Montag sollten sie wieder losgehen: der Bremer Weihnachtsmarkt und der Schlachte-Zauber. Aufgrund der Corona-Pandemie müssen beide in diesem Jahr ausfallen, zumindest vor Ort. Schmuckdesigner Peter Erfurt hat sich überlegt, die Aussteller ins Internet zu holen – und baut in diesen Tagen einen virtuellen Weihnachtsmarkt auf.

Seit 25 Jahren steht Erfurt nach eigenen Angaben auf dem Bremer Weihnachtsmarkt. In diesem Jahr wollte der Designer seinen Stand zum ersten Mal an der Schlachte aufbauen. „Es gab in der ganzen Zeit immer Krisen, für die ich eine Lösung finden musste“, sagt er. Seine Idee für die durch Corona entstandene: ein digitaler Weihnachtsmarkt. Aussteller, die Bremerinnen und Bremer sonst auf dem Marktplatz oder entlang der Weser besuchen, finden sie in diesem Jahr unter www.plattform-bremen.de/weihnachtsmarkt. Für Händler soll der digitale Markt zumindest ein kleines Weihnachtsgeschäft bringen, sagt Erfurt, für Kunden ein Stück Normalität. „Die Bremer lieben ja ihren Weihnachtsmarkt.“

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Entwicklerin von „Plattform Bremen“ ist Verena Plug. Sie arbeitet im Online-Marketing und hatte die Internetseite während des Lockdowns im Frühjahr aufgesetzt. Als Sammelstelle für den lokalen Handel und die Gastronomie, geordnet nach Bezirken und Stadtteilen. Wer macht Außer-Haus-Verkauf oder liefert? Welche Produkte werden angeboten? Und wo kann ich sie bestellen? Laut Plug habe es keine zentrale Plattform gegeben, die diese Fragen beantwortet – darum hat sie sich selbst an die Arbeit gemacht. „Peter Erfurt hat davon gelesen“, sagt sie, „mich angerufen und gefragt, ob ich nicht die Weihnachtsmarkt-Aussteller auf der Seite integrieren könnte.“ Das war Anfang November. „Das ging ratzfatz von der Idee zur Umsetzung“, sagt Erfurt.

Innerhalb einer Woche hatte Plug die neue Seite auf der „Plattform Bremen“ eingebaut. Sortiert nach Weihnachtsdeko, Leckereien, Geschenkideen und was es normalerweise sonst noch so an Angeboten gibt. Die größte Herausforderung für die beiden Initiatoren: die entsprechenden Aussteller auch zu finden. „Ich hatte viele Jahre meinen Platz auf dem Weihnachtsmarkt, daher kenne ich einige aus dem Umfeld und auch vom Schlachte-Zauber“, sagt Erfurt. Doch von vielen wisse er die Namen nicht.

Regional auch im Internet

„Gut 20 Anbieter habe ich mittlerweile“, sagt Plug. Allerdings besäßen einige keinen Internetauftritt. „Sie jetzt hängen zu lassen, wäre doof. Es geht ja darum, vor allem die kleineren Händler zu unterstützen. So ist die ganze Plattform überhaupt entstanden.“ Für das alles nimmt Plug kein Geld, auch wenn sie schon viele Nächte in die Seite investiert hat. Sie hofft, dass möglichst viele Bremerinnen und Bremer regional kaufen, auch dann, wenn sie im Internet bestellen.

Der größte Teil der Arbeit an dem Projekt geht nach Angaben der Marketing-Expertin für die Recherche der Anbieter drauf. Der Großmarkt Bremen, Organisator des Schlachte-Zaubers, hat laut Plug und Erfurt eine Rundmail an seine Teilnehmer versendet. Zugriff auf die Händler-Liste des Weihnachtsmarktes haben die beiden nach eigenen Angaben allerdings nicht. Was ihnen bei der Suche hilft: möglichst viel Mundpropaganda.

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Erfurt sagt, es gehe ihm nicht um seine persönlichen Einnahmen, sondern darum, möglichst viele Aussteller für den Markt im Netz zu gewinnen. „Manche Aussteller leben seit März von Hartz IV“, sagt Erfurt. „Der virtuelle Weihnachtsmarkt soll Motivation sein, ein Lichtblick. Es ist schon grau genug draußen.“ Der Ausfall der Originale – neben Bremen haben auch Lübeck und Hannover ihre Planungen für die Märkte eingestellt, in Hamburg ist unter anderem die Kiez-Version „Santa Pauli“ an der Reeperbahn abgesagt – sei für viele existenzbedrohend, sagt Erfurt. „Damit der Weihnachtsmarkt wieder stattfinden kann, muss es die Aussteller auch im nächsten Jahr noch geben.“

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Weihnachtslichter in und Quartieren

Trotz Absage des Weihnachtsmarktes soll nach Angaben des Wirtschaftsressorts soll die Innenstadt trotzdem in vorweihnachtlichem Lichterglanz erstrahlen. Neben der Beleuchtung der Tanne auf dem Marktplatz sowie den großen Baumen auf dem Domshof und dem Liebfrauenkirchhof, werden auch die Bäum auf dem Domshof entlang des Fernradweges und auf der gegenüberliegenden Seite mit Lichtern dekoriert. Darüber hinaus wird als Teil des Aktionsprogramms Innenstadt das Dekorationskonzept erweitert: Nach Angaben der City-Initiative werden in diesen Tagen und in den kommenden Wochen an zahlreichen Hotspots der Innenstadt und in den einzelnen Quartieren neue Lichterketten aufgespannt, die Weihnachtsbeleuchtung aufgehängt und zahlreiche Weihnachtsbäume aufgestellt. Weitere Lichter würden geplant, beispielsweise in den Wallanlagen.

Weitere Informationen

Bremens virtuellen Weihnachtsmarkt gibt es im Internet unter www.plattform-bremen.de/weihnachtsmarkt. Aussteller, die auch Teil werden möchten, können Verena Plug, Betreiber von „Plattform Bremen“ darüber kontaktieren.

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