Forum zur Innenstadtentwicklung Bremens City wird neu geplant

Bremen. Die Hansestadt arbeitet aktuell an dem integrierten Entwicklungskonzept "Bremen Innenstadt 2020", an dem sich Bau- und Wirtschaftsressort ebenso beteiligen wie die Handelskammer. In der Bürgerschaft haben Politiker und Experten am Montag ihre
02.03.2011, 05:00
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Von Rainer Kabbert

Bremen. Die City soll attraktiver werden - aber wie? Mehr Wohnen oder mehr Geschäfte, mehr Grün oder mehr Architektur? Die Hansestadt arbeitet an dem integrierten Entwicklungskonzept "Bremen Innenstadt 2020", an dem sich Bau- und Wirtschaftsressort ebenso beteiligen wie die Handelskammer. Im Festsaal der Bürgerschaft präsentierten Politiker und Experten am Montag ihre Positionen.

"Wir wollen das Profil der Innenstadt weiter schärfen", kündigt Senatsbaudirektor Franz-Josef Hönig an. Erste Arbeiten dazu hat der Stuttgarter Professor Franz Pesch schon geleistet. In diesem Jahr, vielleicht auch erst Anfang 2012 soll das Entwicklungskonzept fertig sein und Handlungsempfehlungen für die Innenstadtquartiere liefern. Es geht um die Region um Rathaus, Dom und Bürgerschaft, um Domshof, Schnoor und Schlachte, um Viertel und Rembertiquartier, um die Neustadt und das Faulenquartier, um den Bahnhofsvorplatz und die Überseestadt. Die gehört, bemerkt Pesch, mit 300 Hektar zu den größten Entwicklungsgebieten der Republik.

Oberstes Ziel: Die Attraktivität der Quartiere erhöhen. "Wir wollen, dass mehr Menschen in die Stadt ziehen", sagt Wirtschafts-Staatsrat Heiner Heseler. Er hofft auf die Gleichung "Mehr Menschen, mehr Kaufkraft". Bausenator Reinhard Loske strebt einen "moderaten Zuwachs" im Wohnungsbau an und sieht die Grünflächen als großes Kapital: "Wenn wir junge Familien zurück in die Stadt holen wollen, müssen wir diese Freiflächen nutzen und entwickeln."

Warnung vor Shopping-Mall

Doch es muss, ganz klar, auch gebaut werden. Und da steht neben der Überseestadt der Einzelhandel im Ansgariviertel besonders im Fokus. Matthias Fonger, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer, spricht sich gegen ein großes Einkaufszentrum und für einzelne Geschäfte aus. Und die Leiterin des Kölner Planungsamts, Anne Luise Müller, warnt vor der vielerorts gepriesenen Mischung aus Shopping-Mall und Wohnetagen darüber. Senator Loske teilt ihre Skepsis: "So was passt nicht zu Bremen."

Doch was ist passend, wie sollte es gestaltet werden, damit sich das einstellt, was sich die Planer erhoffen? Sozialer Zusammenhalt und Identität für die Stadt? Beispiel Bahnhofsvorplatz: Interessenten für die Bebauung gab's, aber keiner wollte sich entscheiden. Wie bauen: mit Sichtachsen auf den schmucken Bahnhof, also flacher - oder doch stärker vertikal, weil Investoren den knappen Raum rentabel nutzen wollen? Da müsse man, meint Fonger, einen Kompromiss zwischen städtebaulich Wünschenswertem und Rentabilität eingehen, sonst werde kein privater Investor gefunden.

Um den Investor drehten sich im vollbesetzten Festsaal viele Beiträge. Denn große Sprünge kann sich Bremen angesichts knapper Kassen nicht leisten. Staatsrat Heseler sucht denn schon mal private Interessenten. "Auf deren Bedürfnisse müssen wir stärker Rücksicht nehmen", sagt er. Denn die Konkurrenz ist groß. So lockt, meint Heseler, das Einkaufszentrum Dodenhof mehr Kaufkraft an als die Innenstadt. Doch wie weit sollte Rücksichtnahme reichen? Oda Scheitelhuber, Abteilungsleiterin im Bundesbauministerium, warnt hier jedenfalls vor schrumpfenden Verhandlungsspielräumen der Kommunen und rät, sie so zu nutzen, dass gute Qualität und Baukultur in der Innenstadt erreicht werden.

Sicher scheint: Bremen hat in punkto Einzelhandelsflächen in der Innenstadt (16 Prozent) Nachholbedarf gegenüber vergleichbaren Städten, wo der Anteil an der Gesamtfläche bei bis zu 30 Prozent liegt.

"Jede Stadt profitiert vom Glanz ihrer Innenstadt"

"Jede Stadt profitiert vom Glanz ihrer Innenstadt", sagt der Aachener Städtebau-Professor Kunibert Wachten und motiviert für den Bremer Planungsdialog. In den sollen auch die Bürger mit ihren Ideen einbezogen werden. Wie auch in Köln, wo bereits ein Masterplan für die Innenstadt entstand. Den bezahlten die Unternehmer. In Bremen teilen sich Bau- und Wirtschaftsressort sowie die Handelskammer die Kosten.

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