Unternehmer und Mäzen

Trauer um Bremens Ehrenbürger Bernd Hockemeyer

Im Alter von 84 Jahren ist Bernd Hockemeyer gestorben. Für den Bremer Ehrenbürger hielt die Bremische Bürgerschaft am Morgen eine Schweigeminute ab.
13.05.2020, 16:17
Lesedauer: 4 Min
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Trauer um Bremens Ehrenbürger Bernd Hockemeyer
Von Frank Hethey
Trauer um Bremens Ehrenbürger Bernd Hockemeyer

Bernd Hockemeyer (Mitte) beim Jahresempfang der Handelskammer Bremen in der Jacobs University 2014. Links neben ihm der damalige Bürgermeister Jens Böhrnsen.

Christian Kosak

Schon länger hatte der Bremer Ehrenbürger Bernd Hockemeyer mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, nun ist der Unternehmer, Politiker und Mäzen am Sonnabend im Alter von 84 Jahren gestorben. Spitzenvertreter aus Politik und Wirtschaft bekundeten Respekt und Hochachtung vor seinen Verdiensten um seine Heimatstadt.

Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) erklärte, wie kaum ein anderer habe sich Hockemeyer um das Gemeinwohl Bremens verdient gemacht. „Sein Engagement für die Verbindung von Wirtschaft und Kultur hat uns als Standort Bremen sehr viel gegeben.“ Der Hauptgeschäftsführer der Handelskammer, Matthias Fonger, würdigte Hockemeyer als überzeugten Hanseaten, der „Bremen im Herzen“ getragen habe.

Mit Hockemeyer verliert Bremen einen Kaufmann, der die besten Eigenschaften bürgerschaftlichen Gemeinsinns verkörperte. Als unermüdlicher Förderer von Kunst und Kultur hinterlässt der Kunstsammler und Opernliebhaber zahlreiche Spuren in Bremen. „Sein Tod reißt eine große Lücke in unserer Mitte“, so Bürgerschaftspräsident Frank Imhoff (CDU). „Bernd Hockemeyer war nicht nur der Inbegriff des hanseatischen Kaufmanns, er hat auch den Begriff des Mäzens mit herausragendem Engagement ausgefüllt.“ In fast 25 Jahren gemeinsamer Arbeit sei Hockemeyer immer ein verlässlicher und freundschaftlicher Ratgeber gewesen, sagte Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz. „Die Kulturakteure des Landes Bremen verlieren mit ihm einen wirklichen Partner, der ihnen stets mit Rat und Tat zur Seite stand.“

Abschluss als Diplom-Kaufmann

Geboren wurde Bernd Hockemeyer am 27. Oktober 1935 in Bremen als Sohn des Unternehmers Wilhelm Hockemeyer. Nach seinem ­Abitur 1954 absolvierte er eine zweijährige Lehre im Einzelhandel, danach studierte er Wirtschaftswissenschaften in Hamburg und München. Als Diplom-Kaufmann folgte er 1960 seinem Vater in der Leitung der Firma Gebrüder Thiele in Vegesack, die mit Eisen, Werftbedarf und Schiffsausrüstung handelte.

Unter seiner Regie wurden internationale Geschäftskontakte vor allem nach Südostasien und in die USA geknüpft. 2009 zog sich ­Hockemeyer aus dem operativen Geschäft zurück. Heute präsentiert sich das Unternehmen mit Hauptsitz in Ritterhude als international verankerte Firmengruppe mit einem Mix aus Produktions- und Handelsaktivitäten in Europa, USA und Asien. Für Aufsehen sorgte Anfang 2019 die Pleite des von Hockemeyer vor mehr als 50 Jahren gegründeten Großhändlers Unimet, deren Hauptanteilseigner die Gebrüder Thiele GmbH war.

Seine Leidenschaft für die Kunst kam nicht nur der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, dem Theater und dem Museum Weserburg zugute. Als Gründer der Bernd und Eva Hockemeyer-Stiftung hatte er Anfang 2000 auch entscheidenden Anteil daran, 101 Grafiken der Bremer Kunsthalle aus Russland zurückzuholen. Die Kunstwerke waren 1943 nach Brandenburg ausgelagert und nach Kriegsende von sowjetischen Soldaten geraubt worden. Mithilfe seines Privatvermögens ermöglichte er den Austausch gegen ein Mosaik aus dem legendären Bernsteinzimmer.

Auch der Bildungsbereich profitierte von seiner Unterstützung. Führend beteiligt war Hockemeyer an Gründung und Aufbau der International University Bremen (IUB) in Grohn, heute Jacobs University. Als Vorsitzender der 2000 gegründeten Bremer Schuloffensive war es sein Anliegen, lokale Unternehmen für Schulpatenschaften zu gewinnen. Zusammen mit seiner Frau ging er als Pate der Schule Grambker Heerstraße mit gutem Beispiel voran.

Deutliche Akzente setzte Hockemeyer in der Handelskammer mit seinen ehrenamtlichen Aktivitäten als Mitglied von Plenum (1986-2002), Präsidium (1990-2002) und als Präses (1997-2000). Bis zuletzt sei er als „großartige Unternehmerpersönlichkeit“ ein „außerordentlich wichtiger, umsichtiger und weitsichtiger Ratgeber“ gewesen, so Fonger. Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) erinnerte daran, mit welcher Kraft er Impulse für Wirtschaft und Kultur setzte. „Er wollte etwas zum Wohle der Stadt bewegen und das hat er auf vielfältige Art getan.“ Als langjähriges Aufsichtsratsmitglied der Bremer Lagerhausgesellschaft wird ihm ein wesentlicher Anteil bei ihrer Umstrukturierung zugeschrieben. Für den Bankenstandort Bremen machte er sich als Mitglied im Verwaltungsrat der Sparkasse Bremen (1981-2002) stark.

Dialog zwischen Wirtschaft und Gesellschaft

Politisch engagierte sich Hockemeyer von 1975 bis 1979 als CDU-Abgeordneter in der Bremischen Bürgerschaft. Gelebt hat der vierfache Familienvater in Schönebeck. Nicht umsonst erklärte die ebenfalls im Bremer Norden lebende Bürgermeisterin und Senatorin Maike Schaefer (Grüne), sein Trachten sei stets gewesen, Bremen und auch Bremen-Nord „als Standorte wohltuend zu unterstützen“. Sein Mitgefühl bekundete auch Mustafa Güngör, SPD-Fraktionschef in der Bürgerschaft. Als „wegweisender Vordenker“ sei Hockemeyer allseits geschätzt gewesen.

Für seine großen Verdienste um Bremen und sein Bestreben, den Dialog zwischen Wirtschaft und Gesellschaft zu intensivieren, wurde Hockemeyer im April 2003 zum Bremer Ehrenbürger ernannt. Mit seinem Tod ist die Zahl der Ehrenbürger auf drei geschrumpft – erst am 31. März war der Astrophysiker Reimar Lüst im Alter von 97 Jahren gestorben.

Die Bürgerschaft gedachte am Mittwochmorgen in einer Schweigeminute ihres früheren Mitglieds. Vor dem Haus der Bürgerschaft am Markt und vor der Halle 7 als ihrem derzeitigen Tagungsort wehten die Flaggen auf Halbmast, das Rathaus wurde mit Trauerflor beflaggt. Wegen der Corona-Pandemie verzichtete die Bürgerschaftsverwaltung darauf, ein Kondolenzbuch auszulegen. Die Beisetzung soll im engsten Familienkreis erfolgen.

+++ Dieser Text wurde aktualisiert um 21:35 Uhr +++

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