Orchestermusik begeistert

Bremens erstes Ukulelen-Orchester zeigt die große Wirkung des kleinen Instrumentes

Das erste Bremer Ukulelen-Orchester besteht aus Frauen und Männern ab 20 Jahren bis ins hohe Rentenalter. Es ist die Freude an der Musik und das Erlernen eines leichten Instrumentes, was die meisten begeistert.
09.12.2019, 19:37
Lesedauer: 5 Min
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Bremens erstes Ukulelen-Orchester zeigt die große Wirkung des kleinen Instrumentes
Von Frauke Fischer

Wann wird eine Gruppe von Musikerinnen und Musikern zu einem nahezu professionellen Orchester? Für die Mitglieder des 1. Bremer Ukulelen-Orchesters (1BUK) spielt diese ­Einordnung eigentlich keine Rolle. Oder höchstens eine nachgeordnete. Die Vereinsmitglieder, Frauen und Männer von Ende 20 bis ins höhere Rentenalter, spielen die Ukulele aus Spaß an der Freude, weil sie Musik lieben und gern ein leicht zu erlernendes Instrument dafür nutzen wollen.

Ihr Leiter ist ein Profi, ein Mann, der Musikwissenschaften studiert hat, mehrere Instrumente beherrscht und zudem große Freude an der Orchestermusik hat. Jean-Oliver Groddeck ist Dirigent oder auch Vorspieler der Bremer Freundinnen und Freunde der Ukulelen-Musik und er ist ohne Frage ein Kenner des Metiers, ein besonderer Ehrenamtler. Im Orchester tritt er als Übungsleiter auf. Der Deutsch-Franzose aus Hamburg spielt unter anderem noch Klavier und Orgel sowie weitere Streichinstrumente, erzählt er.

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In Bremen unterrichtet der Musikbegeisterte immer wieder an Schulen oder auch in speziellen Kursen mit Erzieherinnen und Erziehern, die in ihren Kindertageseinrichtungen die Schützlinge früh in die Musik führen, vielleicht sogar Lust darauf machen, selbst Musik zu spielen. Dabei ist Jean-Oliver Groddeck ganz sicher, dass jeder Mensch musikalisch ist, dass er sich mit dem Klang der eigenen Stimme und einem zu ihm passenden In­strument gut ausdrücken kann. Die Ukulele eigne sich dafür ausgezeichnet, sagt er weiter. „Sie ist ein leicht zu erlernendes Instrument.“ So ließen sich bereits mit wenigen Akkorden Klangfolgen und schöne Melodien hervorbringen. „Das möchte ich weiter mit interessierten Menschen gemeinsam fördern.“

Monika Bäumer bestätigt all das gern. „Wir wollen eins sein.“ Die Bremerin kam 2014 zum 1. Bremer Ukulelen-Orchester. Dieses besteht seit zehn Jahren in der Hansestadt. Die Rentnerin hat zuerst einen Kurs belegt, bevor sie zum Orchester kam. In ihrem Leben hat sie vieles ausprobiert, nicht nur im Beruf, in verschiedenen Firmen, auch als Mutter eines längst erwachsenen Sohnes, der in Berlin im Filmbereich arbeitet. Außerdem hat sie ein paar Jahre lang ein kleines Unternehmen in der eigenen Garage unterhalten. Nun also dreht sich fast alles um die Musik und den Klangkörper.

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Die Musiker sind Künstler, kommen aus kaufmännischen und sozialen Berufen. Nicht immer sind es allein die kleinen Instrumente, meistens mit vier Saiten, die zum Einsatz kommen. Ein gutes Empfinden für den Ton und das Singen gehören dazu, wenn die Mitglieder im kleinen oder größeren Kreis musizieren. Das macht die Gruppe heute aus. Gegründet aber wurde sie einst auch aus politischen Gründen gegen rechts.

Wenn heute alle zusammen spielen, gemeinsam proben oder auf den Bühnen in Bremen und dem weiteren Umland stehen, kommen Rhythmus und Klänge zusammen. So erreicht das Ensemble durchaus auch mal 700 Gäste, erzählt Groddeck über die verschiedenen Einsätze in kleinen und größeren Konzerthallen. Die Bremer haben auch schon im Ausland gespielt, etwa in Holland oder Schweden, wo sie andere Ukulelenfreunde kennenlernten und die Kontakte weiter pflegen. Sie treten meistens kostenlos auf, freuen sich aber über kleine Spenden für die Vereinskasse.

Durch Zufall zum Ukulelen-Spieler

Auch Achim Kranefeld gehört zu den Vereinsmitgliedern. Seit 2013 ist er dabei. Über seine Lebensgefährtin, so erzählt er, kam der Kontakt damals zustande. Diese hatte sich demnach kurzfristig entschieden, eine Ukulele anzuschaffen. „Wir erfuhren durch Zufall, dass es in Bremen eine Ukulelen-Szene gibt. Zunächst nahmen wir ziemlich regelmäßig an Sessions in der Sportklause in der Vegesacker Straße in Bremen-Nord teil“, erzählt der Laien-Musiker, für den dieses freiwillige Engagement inzwischen zu den geliebten Einsätzen in seinem Leben gehört. So wuchsen die beiden in das Orchester hinein.

„Ich selbst spielte damals schon mehr schlecht als recht Gitarre“, erzählt Kranefeld weiter. „Zunächst war ich beim Orchestertreffen mit Tobbes Orchester 2013 noch Randfigur“, sagt er über ein Treffen mit Ukulelenspielern aus Schweden. Doch beim Gegenbesuch in Sundsvall ein Jahr später gehörten seine Lebensgefährtin Ingrid und er fest zum Ensemble. Beruflich mache er etwas völlig anderes, das nichts mit Musik zu tun habe, sagt er und kümmert sich inzwischen gern um einiges im und für das Orchester. „Eine musikalische Ausbildung habe ich nicht, außer dem Schulunterricht und einigen Volkshochschulkursen“, fügt er an.

Proben im Brodelpott

Wenn es nach Orchesterauftritten mal eine kleine Vergütung für den gemeinsamen Topf gibt, werden davon Fortbildungen und andere Ausgaben im Rahmen der Vereinsarbeit bezahlt. Das erzählen die Abgesandten des Orchesters am Rande einer ihrer Proben im Brodelpott in Walle. Dieses Bürgerzentrum in der Schleswiger Straße ist quasi die zweite Heimat der Ukulelen-Liebhaber geworden, gibt aber auch anderen Künstlern Raum. Es ist ein Treffpunkt im Stadtteil und darüber hinaus bekannt. Als nächstes steht am Mittwoch, 11. Dezember, ein Auftritt des Ukulelen-Orchesters an. Um 17 Uhr spielen die Musiker anlässlich der Eröffnung des Kunsthandwerker-Marktes in der Unteren Rathaushalle. Und bei der Veranstaltungsreihe der „Winterkirche“ der Liebfrauenkirche tritt das Orchester im Januar ehrenamtlich für Obdachlose und andere Bedürftige auf.

Im Mai 2011 hatte das Orchester, so erzählen Monika Bäumer, Achim Kranefeld und Jean-Oliver Groddeck, seinen ersten großen Auftritt, und zwar im Schlachthof. Damals waren weder die heute aktive Ukulelenspielerin noch der jetzige Leiter dabei. Doch sie kennen die Geschichten zu dem politisch gedachten Ansatz, mit dem sich die Musiker gegen rechts wandten. Diese Einstellung besteht noch heute, heißt es. Und die beiden berichten gern über ihre Erfahrungen, über das Glücksgefühl, das sie immer wieder trägt, und über die bleibende Begeisterung für das kleine Instrument. Es entfalte gerade in der Gemeinschaft mit anderen eine enorme Wirkung. So empfinden es die Orchestermitglieder.

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Der portugiesische Einwanderer João Fernandes hat 1879 seine sogenannte Braguinha von Madeira nach Hawaii mitgenommen. Die Hawaiianer nannten das Instrument „Ukulele“ , was laut Bremer Kennern „hüpfender Floh“ heißt. Sie bezogen sich beim Anblick der sich schnell über das Griffbrett des Instrumentes bewegenden Finger darauf und bauten danach die ersten Ukulelen, und zwar aus dem einheimischen Koaholz. Später gelangte die Ukulele über mehrere Stationen nach Nordamerika und von dort zurück nach Europa, heißt es auf der Website des 1. Bremer Ukulelen-Orchesters. Bekannt wurde das Instrument vor allem, weil Marilyn Monroe im Kinofilm „Manche mögen‘s heiß“ Ukulele spielt. Auch das erfährt, wer auf der Website der Bremer nachschaut.

Weitere Informationen

Das 1. Bremer Ukulelen-Orchester wird am Mittwoch, 11. Dezember, um 17 Uhr die Weihnachts-Ausstellung Bremer Kunsthandwerker musikalisch eröffnen. Die Veranstaltung in der Unteren Rathaushalle soll bis zum Fest Besucherinnen und Besucher anlocken. Weitere Infos gibt es unter www.weihnachtsausstellung-bremen.de/ueberuns.html im Internet, außerdem im Rathausflyer 2019.

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