Landesamt für Geoinformation Bremens Experte für Grundstücke geht in Ruhestand

Wohl kaum jemand kennt Bremens Flächen so gut wie er: Der Vorsitzende des Gutachterausschusses für Grundstückswerte und stellvertretende Leiter des Landesamtes Geoinformation, Ernst Dautert, geht in Ruhestand.
29.01.2021, 05:00
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Bremens Experte für Grundstücke geht in Ruhestand
Von Pascal Faltermann

Überseestadt, Tabakquartier, Gartenstadt Werdersee, Bahnhofsvorplatz oder Überseeinsel – wenn die Stadt ein Grundstück an- oder verkaufte, war er involviert. Ernst Dautert schaute sich die Flächen an, verglich sie mit anderen und ermittelte ihren Wert. Er sprach mit Experten, Investoren und Politikern. Er veröffentlichte den Grundstücksmarktbericht. Seit mehr als 30 Jahren macht der Vorsitzende des Gutachterausschusses für Grundstückswerte und stellvertretende Leiter des Landesamtes Geoinformation das. Eigentlich wäre der 66-Jährige vor einem Jahr in den Ruhestand gegangen. Weil sich aber trotz zweier Stellenausschreibungen und Headhunter kein Ersatz finden ließ, wurde die Dienstzeit bis zum 31. Januar 2021 verlängert. Nun soll Schluss sein. Aber: Niemals geht man so ganz.

Von der Krabbeldatei zum Computer

Ernst Dautert ist 1954 in Lingen an der Ems geboren und aufgewachsen. Nach Abitur und Wehrdienst studierte er an der Uni Bonn Vermessungswesen. Im Anschluss belegte er noch zwei Semester Musik in Bonn – Musik war und ist eine seiner Leidenschaften. In die Berufswelt startete er mit einem Referendariat bei der Bezirksregierung Weser-Ems, es folgten Stationen beim Katasteramt Osnabrück und in Brake als stellvertretender Behördenleiter und Abteilungsleiter. Im März 1990 wechselte Dautert zur Kataster- und Vermessungsverwaltung Bremen. Seit August 2001 hat er den Vorsitz im Gutachterausschuss für Grundstückswerte inne.

Die Arbeitsweise hat sich in seiner Laufbahn stark gewandelt. „Als ich in Bremen angefangen habe, waren alle Daten noch auf Din-A-5 oder -6-Karten in einer Krabbeldatei“, erinnert sich Dautert. Erst 1994 fing die digitale Datenaufarbeitung mit Computern an. „Damals haben wir die Makler gefragt, was auf dem Markt los ist. Jetzt fragen die Makler uns“, sagt der Grundstücks-Experte.

Bei den An- und Verkäufen der Stadt habe es stets viele Emotionen durch Politik und Investoren gegeben. Hinzu kamen die unterschiedlichen Interessen der beteiligten Behörden. „Irgendwer war mit unserer Bewertung immer nicht zufrieden“, sagt Dautert. Es sei nie einfach gewesen, den unterschiedlichen Interessen ausgesetzt gewesen zu sein. Sein schwierigstes Projekt? Kompliziert sei auf jeden Fall der Verkauf des Bahnhofsvorplatzes gewesen. Sein Vorgänger hatte das Grundstück bewertet – eigentlich ein Selbstläufer. Doch die Vermarktung zog sich über Jahre hin und die Fläche wurde für weniger verkauft, als sie bewertet war.

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Dautert half in seiner Laufbahn dabei, das einstige Katasteramt in Geoinformation umzubenennen, das Amt zum Landesbetrieb zu machen und genau dieses kommunale Unternehmen dann wieder zum Amt zu formen. Alles Wille der Politik. „Hätte man diese Schritte gelassen, hätte man fünf bis zehn Jahre sparen können“, so Dautert. So habe es länger gedauert, bis man ein gutes Team zusammen hatte. Auch die Digitalisierung könnte weiter sein. Jetzt sagt der Teamplayer: „Wir haben eine gute Mannschaft, die gut arbeitet. Das macht Spaß.“

Ulrich Gellhaus, Leiter des Landesamtes Geoinformation, sagt über Dautert: „Seine Kompetenz ist innerhalb der Verwaltung, bei den Investoren und Immobilienfachleuten anerkannt und geschätzt.“ Ihm gelinge der Spagat, die Preisvorstellungen von Investoren, Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung auf eine fachlich fundierte Basis zu stellen. „Ich schätze seinen besonderen Humor, seine präzise, aber immer auch offene Haltung für andere Meinungen und seinen großen Erfahrungsschatz“, sagt Jens Lütjen, geschäftsführender Gesellschafter von Robert C. Spies, der viele Jahre mit Dautert im Gutachterausschuss zusammenarbeitete. Mit seiner „ironische Seite“ habe er schwierigen Dingen eine gewisse Leichtigkeit gegeben.

„Ein echter Typ“

Für Reinhard Viering, Abteilungsleiter im Bauressort, ist Dautert ein langjähriger Weggefährte, dessen Expertise er immer sehr geschätzt habe. „Seine riesige Erfahrung in der Grundstücksbewertung konnte man immer kollegial nutzen in den vielen Gelegenheiten, wo es bei planerischer Arbeit nicht auf ein förmliches Gutachten ankommt, sondern auf eine erste Einschätzung und kritische Diskussion.“ Persönlich habe Viering ihn als „echten Typen“ kennengelernt, der in keine Schublade passe, mit eigener Meinung und immer an Lösungen interessiert.

Am aktuellen Grundstücksmarktbericht sowie an der Bodenrichtwertkarte arbeitet Dautert derzeit noch mit. Denn sein Ruhestand sieht vor, einmal in der Woche weiter zu arbeiten. Zumindest bis ein Nachfolger gefunden und eingearbeitet ist.

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