Die erste von 77 Straßenbahnen

Bremens neue Bahn ist da

Im Morgengrauen des Dienstags ist die erste von insgesamt 77 Straßenbahnen in Bremen angekommen. Bis 2023 sollen alle weiteren des Modells „Nordlicht“ bei der BSAG folgen.
31.03.2020, 20:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremens neue Bahn ist da
Von Pascal Faltermann
Bremens neue Bahn ist da

37 Meter lang, 2,65 Meter breit und 47,9 Tonnen schwer ist die neue Straßenbahn der BSAG. Am Dienstag ist sie in Bremen angekommen.

BSAG

Eiskalt bis frostig ist es. Kurz nach drei zeigt die Uhr an. Das schwere Gespann aus Lastwagen und Tieflader rollt am frühen Dienstagmorgen die letzten Meter auf das Gelände am Flughafendamm. Nur ein paar Meter vor der Hochstraße der Autobahn 281 entfernt, fast darunter, stehen vereinzelt Menschen im Dunkel der Nacht. Acht oder neun. Mehr nicht. Sie warten mit Abstand zueinander. So lange, bis der Schwertransport seinen Standort auf dem Gelände der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) erreicht hat.

Um 3.18 Uhr ist sie dann endgültig angekommen, die erste von insgesamt 77 neuen Straßenbahnen. Lastwagen und Anhänger bleiben stehen. 37 Meter lang, 2,65 Meter breit und 47,9 Tonnen schwer ist das Fahrzeug, das vom Siemens Mobility-Werk in Wien in die Hansestadt transportiert wurde. So beschreibt BSAG-Sprecher Andreas Holling die morgendliche Situation später am Telefon.

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Dass die neue Bahn angeliefert worden ist, hat live nur eine kleine Personengruppe mitbekommen. Medienvertreter, Straßenbahnfans oder Schaulustige sind gebeten worden, nicht gegen die derzeit gültigen Versammlungsbeschränkungen wegen des Coronavirus zu verstoßen. Es gilt die Kontaktsperre. Auch bei solchen Terminen. In den frühen Morgenstunden ist Warten angesagt. „Die Bahn muss im Tageslicht abgeladen werden“, sagt Holling. Das sei so vorgeschrieben.

Gegen halb fünf beginnen BSAG-Mitarbeiter damit, eine Rampe aufzubauen. Über eine provisorische Schiene soll das Fahrzeug vom Tieflader rollen. Es dauert, bis alles an der richtigen Stelle, alles justiert und eingestellt ist. Kurz nach sieben Uhr geht die Sonne auf. Die Ladefläche wird aufgebockt und die Straßenbahn rollt durch die Schwerkraft herunter. Vier Nächte lang war das Fahrzeug von Wien aus unterwegs. Und nun: „Um kurz vor acht hat dieser neue Typ Bahn das erste Mal bremischen Boden betreten“, sagt Holling. Er lacht, weil er weiß, dass das pathetisch klingt. Als Augenzeuge hat er die Aufgabe, die Situation ganz genau zu beschreiben.

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Es ist die „Mobile Zukunft für Bremen“, heißt es in der Pressemitteilung der BSAG über das moderne Fahrzeug. In den kommenden Wochen und Monaten soll es von den Expertinnen und Experten der BSAG im Rahmen des anstehenden Zulassungsverfahrens ausgiebig getestet werden, bevor es voraussichtlich im Sommer 2020 erstmals mit Fahrgästen an Bord durch die Hansestadt fährt. Zur Ausstattung gehören eine Klimaanlage, ein Fahrgastinformationssystem mit Monitoren, aber auch Videoüberwachung, LED-Beleuchtung oder ein Hublift.

Ursprünglich sollte die Bahn bereits ab Januar im Einsatz sein. Probleme in der Fabrikation führten jedoch zu einer Verzögerung. Nun ist das erste Fahrzeug in Bremen, und Hajo Müller, kaufmännischer Vorstand und Vorstandssprecher der BSAG, sagt: „Für den Nahverkehr in Bremen beginnt damit eine neue Ära.“ Im Jahr 2011 sei zum letzten Mal eine neue Straßenbahn geliefert worden, damals noch vom Typ Bombardier Flexity Classic. „Seitdem hat der technische Fortschritt noch einmal einen Sprung gemacht“, so Müller.

Die 77 neuen Fahrzeuge, die bis zum Jahr 2023 nach Bremen kommen sollen, werden von Siemens in Wien gebaut. Die Straßenbahnen basieren auf dem Fahrzeugtyp Avenio, sind aber den Bremer Bedürfnissen angepasst worden. Insbesondere im Hinblick auf die Barrierefreiheit sei an Verbesserungen gearbeitet worden. So gibt es nun eine siebte Fahrgasttür, damit der zweite Rollstuhlstellplatz besser erreicht werden kann. Die Bremer Variante des Avenio hat die BSAG auf den Namen „Nordlicht“ getauft.

Insgesamt acht sogenannte Mehrfachnutzungsflächen finden sich in der Straßenbahn, „da immer mehr Menschen mit Rollatoren und Kinderwagen unterwegs sind“, sagt Müller. „Bremen investiert mehr als eine halbe Milliarde Euro in den modernen öffentlichen Nahverkehr. Jetzt ist die erste von 77 neuen Straßenbahnen endlich da“, sagt Verkehrssenatorin Maike Schaefer. Es sei „ein sehr positiver und bedeutender Schritt, die Verkehrswende in Bremen voran zu treiben.“

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Vor allem, wenn man die neuen Straßenbahnen auch noch zusammenbringe mit den geplanten Verlängerungen der Linie 1 und 8 sowie der Querverbindung Ost und potenziell weiteren Verlängerungen in die Überseestadt, Woltmershausen oder nach Osterholz, so Schaefer, die auch Aufsichtsratsvorsitzende der BSAG ist. Zunächst in den Werkstätten und später auch im Streckennetz sollen nun die vorbereitenden Arbeiten für den öffentlichen Betrieb des Nordlichts durchgeführt werden. „Wir wollen, dass die neue Straßenbahn möglichst schnell allen Bremerinnen und Bremern zu Gute kommt“, sagt BSAG-Vorstandssprecher Hajo Müller.

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