Behandlungs-Bilanz 2018

Bremer Ärzte haben weniger Fehler gemacht

Die Zahl der festgestellten Behandlungsfehler in Bremer Kliniken und Arztpraxen ist im vergangenen Jahr erneut zurückgegangen. Allerdings werden längst nicht alle Beschwerden und Fehler erfasst.
03.04.2019, 19:20
Lesedauer: 2 Min
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Bremer Ärzte haben weniger Fehler gemacht
Von Sabine Doll

Wenn Ärzte Fehler machen, kann das schwerwiegende Folgen haben. Und: Die Patienten haben womöglich Anspruch auf Schadenersatz und Schmerzensgeld. Es gibt mehrere Anlaufstellen, an die sich Betroffene bei einem Verdacht wenden können, dazu zählen die Schlichtungsstellen der Ärztekammern. Die Bremer Kammer hat am Mittwoch aktuelle Zahlen für das Land vorgelegt: Danach gab es 2018 weniger Behandlungsfehler als in den Vorjahren. Die Schlichtungsstelle der norddeutschen Ärztekammern entschied über 36 Vorwürfe, in zehn Fällen wurde ein Behandlungsfehler bestätigt.

Insgesamt 96 Entscheidungen

Insgesamt hat die Schlichtungsstelle im vergangenen Jahr 96 Entscheidungen getroffen, mehrere Fälle stammten noch aus dem Vorjahr, wie die Bremer Ärztekammer-Sprecherin Bettina Cibulski betonte. In 60 Fällen konnte die Stelle den Fall nicht begutachten – weil sie entweder nicht zuständig war, der Antrag zurückgezogen oder Widerspruch eingelegt wurde. „Demnach war etwa jeder zehnte Fall ein Behandlungsfehler“, so Cibuls­ki. 2017 habe die Quote noch bei 20 Prozent gelegen, 2016 bei 21 und 2015 bei 30 Prozent.

Jeder tatsächliche Fehler sei einer zu viel, betonte die Bremer Ärztekammer-Präsidentin Heidrun Gitter. „Dennoch zeigt die geringe Zahl der Fehler bei insgesamt sieben Millionen ambulanten und stationären Behandlungsfällen im Land Bremen, dass Patienten in Kliniken und Praxen auf eine gute medizinische Behandlung auf hohem Qualitätsniveau vertrauen können.“

Keine zentrale Erfassung

Allerdings ist im vergangenen Jahr auch über weniger Fälle entschieden worden. Zudem spiegeln die Zahlen der Schlichtungsstellen nur einen Teil der ­Behandlungsvorwürfe und -fehler wider, da es keine zentrale Erfassung gibt. Patienten können sich bei einem Verdacht auch direkt an Anwälte, Gerichte oder Krankenkassen wenden. Wie viele Beschwerden und Fehler es ­tatsächlich gibt, lässt sich demnach nur schätzen.

Auch bundesweit ist die Zahl festgestellter Behandlungsfehler erneut leicht zurückgegangen: Bestätigt wurden 1499 Fälle, 2017 waren es laut Bundesärztekammer 1783. In 88 Fällen führten Fehler zum Tod von Patienten. Die meisten Beschwerden gab es laut der Ärztestatistik für den Bund nach Behandlungen und Operationen von Knie- und Hüftgelenkverschleiß, Oberschenkelbrüchen und Bandscheibenschäden. Insgesamt trafen die Schlichtungsstellen der Ärztekammern im vergangenen Jahr bundesweit 5972 Entscheidungen zu mutmaßlichen Fehlern, 2017 waren es 7307.

Patientenverbände wie die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordern seit Langem ein Zentralregister für Behandlungsfehler. Darin müssten neben ärztlichen Behandlungsfehlern auch sämtliche Fehler in der Pflege erfasst werden. Notwendig sei es zudem, die Patientenrechte zu stärken und die Beweislast umzukehren, wie der Vorstand der Stiftung, Eugen Brysch, betonte. Bislang müssten Patienten Fehler beweisen, die Fakten lägen ­jedoch bei Kliniken und Ärzten.

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