Krise des Bremer Klinikverbundes

Bremer AOK fordert Umdenken bei der Krankenhausplanung

Die AOK schaltet sich in die Debatte um die Zukunft der Bremer Kliniklandschaft ein. In einem Positionspapier erhebt die größte gesetzliche Krankenkasse konkrete Forderungen.
27.10.2019, 19:32
Lesedauer: 2 Min
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Bremer AOK fordert Umdenken bei der Krankenhausplanung
Von Jürgen Theiner
Bremer AOK fordert Umdenken bei der Krankenhausplanung

Die AOK verdeutlicht in einem Positionspapier, dass es aus ihrer Sicht in Bremen derzeit zu viele Klinikabteilungen gibt, die ein gleiches oder ähnliches Leistungsspektrum abdecken.

Stache/dpa

Weniger Betten, beschleunigte Digitalisierung, mehr Konzentration medizinischer Leistungen an den Klinikstandorten: Das sind Forderungen an die Landespolitik, die die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) Bremen/Bremerhaven erhebt. Sie stehen in einem aktuellen Positionspapier, das dem WESER-KURIER vorliegt. Der Debattenbeitrag des wichtigsten Kostenträgers im Gesundheitswesen kommt mitten in der größten Krise des kommunalen Klinikverbundes Gesundheit Nord (Geno) – und zeigt Wege zu ihrer Überwindung auf.

Nach Auffassung der AOK haben die Krankenhäuser insbesondere in der Stadtgemeinde Bremen zuletzt auf eine falsche Strategie gesetzt. Ziel sei die stetige Ausweitung stationärer therapeutischer Leistungen gewesen, auch, weil die demografische Entwicklung dauerhaftes Wachstum zu verheißen schien. Diese Annahme habe sich jedoch nicht bewahrheitet. Der Expansionskurs, so die Einschätzung der AOK-Spitze, sei wegen der Engpässe beim ärztlichen und pflegerischen Personal ohnehin zum Scheitern verurteilt gewesen.

Leistungen konzentrieren

Der Schlüssel zu einer erfolgreichen Neuaufstellung der Bremer Krankenhauslandschaft liegt nach Einschätzung der Kasse in einer örtlichen Konzentration von Leistungen. Derzeit gebe es zu viele Klinikabteilungen, die ein gleiches oder ähnliches Leistungsspektrum abdecken. Sie müssten jeweils dort zusammengeführt werden, „wo die beste Qualität geleistet werden kann“. Nicht nur innerhalb der Geno mit ihren vier Häusern bestünden „Möglichkeiten für Kooperationen und Schwerpunktbildungen“, sondern auch zwischen Geno-Kliniken und den Krankenhäusern der freigemeinnützigen Träger (St.-Josef-Stift, Diako, Rotes-Kreuz-Krankenhaus, Roland-Klinik). Konsequenterweise ist für die AOK auch die aktuelle Zahl der Krankenhäuser nicht unantastbar. In dem Positionspapier wird gefordert: „Politisch muss die Frage sinnvoller Zentralisierung und Konzentration von Leistungsangeboten mit der Frage nach der Notwendigkeit aller heutigen Krankenhausstandorte diskutiert werden.“

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Der gegenwärtige Krankenhaus-Planungsprozess und die Investitionsförderung durch das Land Bremen sind aus Sicht der Bremer AOK ungeeignet, um die notwendigen Strukturreformen zu befördern. Im Gegenteil: „Die heutige pauschale Förderung je Krankenhausbett konterkariert geradezu die Zukunftsthemen der Spezialisierung, Konzentration und des Bettenabbaus“, heißt es in dem Positionspapier. Ein reformiertes Bremisches Krankenhausgesetz müsse deshalb die Möglichkeit zur Förderung von Einzelvorhaben beinhalten.

Digitalisierung birgt großes Potenzial

Ein weiteres Stichwort der Kassenexperten ist die Digitalisierung. Gerade in der Medizin gebe es hierfür große Potenziale, etwa durch Robotik, künstliche Intelligenz, elektronische Patientenakte und Telemedizin. Durch den Einsatz moderner Technik werde die Voraussetzung für einen effektiven Einsatz des ärztlichen und pflegerischen Personals geschaffen. Länder wie Dänemark machten dies vor. Dort würden etwa 20 Prozent des Umsatzes in moderne IT-Ausstattung und Logistik investiert, in Deutschland laut einer Studie aus dem Jahr 2016 lediglich zwei Prozent.

Die Privatisierung von Krankenhäusern ist aus Sicht der AOK dagegen kein Weg, den Bremen beschreiten sollte. Private Kliniken seien auf Gewinnmaximierung ausgerichtet, nicht auf die Sicherstellung einer Basisversorgung für die gesamte Bevölkerung einschließlich einer flächendeckend verfügbaren Notfallmedizin.

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