ASV-Chef im Interview „Das Amt ist besser als sein Ruf“

Seit sechs Wochen ist er im Dienst: Sebastian Mannl, neuer Leiter des Amtes für Straßen und Verkehr (ASV), spricht im Interview über Bremer Baustellen, Brücken und Bundesstraßen.
16.07.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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„Das Amt ist besser als sein Ruf“
Von Pascal Faltermann

Warum sind Sie aus Oldenburg nach Bremen gekommen?

Sebastian Mannl: Weil ich eine neue berufliche Herausforderung gesucht habe. Es gab den glücklichen Zufall, dass ich den temporären ASV-Amtsleiter, Ludger Schleper, kennenlernen durfte. Er hat mir erzählt, was für Aufgaben hier anstehen und welche Möglichkeiten bestehen, mit der vorhandenen Mannschaft dieses Amt weiterzuentwickeln. Das hat mich sehr interessiert.

Was glauben Sie, hat in Ihrer Bewerbung den Ausschlag gegeben?

Ich vermute, dass die Ressortspitze ein Interesse hatte, die Stelle mit jüngerem Personal zu besetzen, welche das Amt vielleicht etwas anders gestaltet. Da hatte ich als externer Bewerber wohl ganz gute Karten. Hinzu kommt meine Fahrradtasche, die ich im Bewerbungsgespräch dabei hatte. Dafür gab es anscheinend auch einen großen Pluspunkt (lacht).

Was bringen Sie sonst so mit nach Bremen?

Ich hatte in Oldenburg eine sehr gute Stimmung im Amt, eine sehr gute Gemeinschaft, sowohl im Innen- wie auch im Außendienst. Und wir hatten niedersachsenweit eine einmalig gute Produktivität.

Das ASV verliert die Zuständigkeit für Bundesstraßen und Autobahnen an den Bund. Werden Sie die Straßen bei der Arbeit vermissen?

In Oldenburg waren die Autobahnen das dominante Element, da hätte ich sie vermisst. In Bremen ist es so, dass viele der großen Autobahn-Projekte ohnehin schon an die Planungsgesellschaft Deges weitergegeben wurden. Die planerischen Herausforderungen begleitet man jetzt auch oft aus zweiter Hand. Meine Entscheidung war aber bewusst ein Schritt in eher kommunale Themen. Und da ist mehr als genug zu tun.

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Sind Sie nicht froh, am Ende des Jahres die maroden Bauwerke wie Stephanibrücke oder Lesumbrücke los zu sein?

Ich finde es persönlich eigentlich wichtig, dass solche Projekte vor Ort bleiben. Das heißt, es wäre nicht schlecht, wenn die Zuständigkeit für eine Stephanibrücke beim ASV bliebe, das direkt in Sichtweite sitzt und für so ein Bauwerk eine andere Verantwortung wahrnimmt. Da es jetzt aber nicht mehr so ist, werden wir die Bauwerke noch einmal sauber herrichten und an den Bund übergeben.

Straßen und Brücken in einem Verkehrsnetz sollten möglichst gemeinsam geplant werden. Werden die Prozesse nicht langsamer, wenn ein Teil an den Bund ausgegliedert ist?

Ja, ziemlich sicher wird es am Anfang zu Schwierigkeiten kommen, die auch Zeit kosten können. Es muss sich zurechtruckeln. Die komplette Zuständigkeit von der Autobahn bis zur Stadtstraße in Bremen ist eine Stärke gewesen, um schnell handeln zu können.

Wird durch die beiden neuen Außenstellen der Autobahn GmbH in Verden und Oldenburg nicht viel Fachpersonal in Bremen weggezogen?

Tatsächlich wechselt in dem gesetzlich geregelten Übergang kaum jemand. Es gibt ja keinen konkurrierenden Standort in Bremen selbst. Wir haben keine Verluste in den Fachabteilungen – das bleibt konstant. Nur unsere Autobahnmeisterei geht vollständig zum Bund. Und für die wegfallenden Aufgaben übernehmen wir über 100 kleinere Brücken aus dem Bestand anderer in dieser Stadt.

Über Baustellen und damit oft über das ASV wird viel gemeckert. Wie sollen Sie diese Außendarstellung ändern?

Das ultimative Verständnis für Baustellen ist sozusagen der Heilige Gral. Das wird es wohl nie geben. Nichtsdestotrotz: Was ich in den ersten sechs Wochen mitbekommen habe, ist dieses Amt deutlich besser als sein Ruf, als die Außenwahrnehmung. Es gibt einen Unterschied zwischen der erbrachten Leistung, also was die Professionalität, die Kosten- und Termintreue angeht, zu dem, was draußen wahrgenommen wird. Es muss möglich sein, das nach draußen zu kommunizieren. In welchen Zeiträumen so ein Imagewandel möglich ist, das ist eine andere Frage.

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Warum wird das ASV als Verhinderungsbehörde wahrgenommen, das sich strikt an Vorschriften, Regeln und Gesetze hält?

Wir geben als Fachbehörde zu Themen eine Meinung ab, die sich auf die Bauordnung oder Straßenverkehrsordnung bezieht. Das ist aber nicht die endgültige Verhandlungsposition. Dann kommt man normalerweise in eine Interaktion. Alle Interessen müssen unter einen Hut gebracht werden.

Bei der Außengastronomie hatten viele Gastronomen eine Absage bekommen, wenn sie Autoparkplätze als Sitzflächen nutzen wollen. Beispielsweise beim Eisen am Sielwall im Viertel ging es dann auf einmal doch. Wie kam das?

Es braucht die Interaktionen, um den Knoten durchzuschlagen. Man muss ins Reden und ins Handeln kommen. Dann klappt das auch.

Ist das ein Impuls, den Sie setzen wollen?

Ich kann nicht die geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen aushebeln, das wird nicht funktionieren. Aber wir müssen anstreben, dass wir die Fachpositionen mit den Belangen vieler anderer Beteiligter in Einklang bekommen. Also dass dann die Außengastronomie eben nicht direkt vor der Einfahrt einer Tiefgarage eingerichtet wird, sondern ein anderer Ort unter Berücksichtigung aller Aspekte gefunden wird. Es gibt viele gute Beispiele, wo das bereits klappt.

Die Bremer Innenstadt soll autofrei werden, was zu zahlreichen Konflikten führt. Wie wollen Sie die lösen?

Die Ansprüche der Nutzer an eine Straße oder eine Verkehrsfläche gab es schon immer. Es ist aber nicht unsere Aufgabe, die Prioritäten zu setzen, das macht die Politik. Früher hatte das Auto Vorrang, jetzt sind es die Fußgänger und Radfahrer. Da müssen viele Kompromisse gemacht, Fragen geklärt und abgearbeitet werden. Da werden wir Wege finden. Es ist ja nicht die erste autofreie Innenstadt Deutschlands, wenn man fertig ist.

Info

Zur Person

Sebastian Mannl (41) ist der neue Leiter des Amtes für Straßen und Verkehr (ASV). Der gelernte Bauingenieur hatte zuvor verschiedene Führungsaufgaben in der Straßenbauverwaltung des Landes Niedersachsen übernommen. Zuletzt leitete er den Geschäftsbereich Oldenburg. Er ist verheiratet, hat zwei Töchter und lebt in Oldenburg.

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