Buchveröffentlichung

Eine Achterbahn der Gefühle

Autor Wilfried Stüven veröffentlicht seinen vierten Roman – ein Liebesdrama mit einer Prise Krimi. Die Geschichte spielt im Bremer Viertel und an Schauplätzen an der Weser.
26.10.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Britta Kluth
Eine Achterbahn der Gefühle

Autor Wilfried Stüven in der Horner Straße. Dort leben seine Hauptfiguren Thora und Benno.

Roland Scheitz

Mit Liebesgeschichten hat Wilfried Stüven so seine Erfahrung. Die letzte aus seiner Feder war ein großer Erfolg für den Bremer Autor aus dem Fesenfeld. In seinem neuen Roman greift er erneut tief in die Beziehungskiste. Doch nicht nur die Liebe ist ein Drama. Die Emotionen kochen hoch. Denn Protagonist Benno hat obendrein die Polizei im Haus. Und als ob das nicht langt, spielen sich auch noch bei seinem grün-weißen Lieblingsfußballverein Tragödien ab. „Welche Farbe hat die Wirklichkeit“ heißt das neue Werk von Wilfried Stüven. Der Autor legt sich ungern auf ein Genre fest und so ist sein vierter Roman ein Mix aus Liebesstory und Krimi garniert mit Bremensien. Denn die Geschichte spielt im Bremer Viertel und an verschiedenen Schauplätzen an der Weser. Darunter das Stadion, in dem der SV Werder zu Beginn der Geschichte just in die so traumatisch verlaufende Saison 2019/2020 startet.

„Eigentlich hatte ich mit meinem Verlag abgesprochen, dass das Buch im Dezember erscheint“, erzählt Stüven. „Weil dann aber coronabedingt Termine ausfielen, hatte ich plötzlich viel Zeit zum Schreiben.“ Die hat der 67-Jährige genutzt. Früher als geplant war das Manuskript abgeschlossen, sodass der neue Roman pünktlich zur herbstlichen Lesezeit am 2. Oktober im Kellner Verlag erschien. Einziges Manko: Die offizielle Buchpremiere sei erst am 10. Dezember im Wall-Saal. Der Termin habe nicht mehr vorverlegt werden können. Umso mehr freut es Stüven, dass im November schon mal zwei Lesungen, eine in seinem Geburtsort im niedersächsischen Osten und die andere in Syke, geplant sind. Zumal der persönliche Austausch mit seinen Leserinnen und Lesern ihm sehr wichtig ist – „die Nähe lässt den Funken überspringen“, so der Autor.

Vier Bücher seit der Pensionierung

Wilfried Stüven ist Frühaufsteher. Morgens um sieben ist seine Zeit. Dann sitzt er gern schon am Schreibtisch und arbeitet. Die Ideen für seine Geschichten findet er in den kleinen Beobachtungen des Alltags. Eine Frau habe ihm mal geschrieben, es sei beeindruckend, wie er in den Köpfen anderer Menschen spazieren gehe. Ein schönes Kompliment für den ehemaligen Lehrer. Denn so richtig zum Schreiben kam er erst, als er 2009 aus dem Schuldienst ausschied. Seitdem hat er vier Bücher veröffentlicht. Das letzte „Roter Mohn verblasst nicht“ avancierte schnell zu einem der Verlagsbestseller. Im Mai 2019 besuchte er im Rahmen einer Lesereise mit einer Gruppe von 23 Teilnehmenden einige der Originalschauplätze auf Kreta. „Wir haben eine Wiederholung der Reise für das Frühjahr 2021 organisiert“, berichtet Stüven. „Noch müssen wir aber schauen, ob sie wie geplant stattfinden kann.“

Für sein neues Buch müssen die Leserinnen und Leser dieses Mal nicht in die Ferne schweifen. Die beiden Hauptfiguren Thora und Benno leben in der Horner Straße im Bremer Fesenfeld. „Ich wollte die Geschichte nicht in einer fiktiven Stadt spielen lassen. Der Ortsbezug war mir wichtig.“ Ein Heimatroman ist es dennoch nicht geworden. Bremerinnen und Bremer werden zwar zu originalgetreuen Plätzen und Straßen der Hansestadt geführt, eine konkrete Verbindung aber wird nicht hergestellt.

„Welche Farbe hat die Wirklichkeit“ beginnt nach einem Beziehungsstreit. Nicht der Erste. Schnell wird klar, dass die Ehe von Thora und Benno an einem Tiefpunkt angelangt ist. Die Trennung scheint unvermeidlich. Thora verlässt das gemeinsame Haus, um zu ihrer Schwester zu ziehen. Derweil fährt Benno ein paar Tage an die Ostsee, damit seine Frau in Ruhe die Möglichkeit hat, ihre Sachen abzuholen. Sie könne alles mitnehmen, schreibt er ihr – und ist doch überrascht, als er zurückkehrt und seine wertvolle Kunstsammlung vermisst. Hat Thora die Situation etwa ausgenutzt? Oder ist er Opfer eines Einbruchs geworden? Merkwürdig nur, dass es keine Einbruchsspuren gibt. So viel steht schnell fest: Thora hat nichts mit den fehlenden Bildern zu tun. Und etwas Gutes hat die Sache. Benno und Thora reden wieder miteinander. Nicht nur über Vergangenes, sondern ebenso über eine mögliche gemeinsame Zukunft. Dabei wechseln die Perspektiven. Mal ist die weibliche Sicht der Dinge im Vordergrund, mal die männliche.

Eine kurze, wenn auch bedeutsame Rolle spielt zudem eine Frau, der Benno in Travemünde begegnet ist. Agnes, sie ist blind und ihre Frage „Welche Farbe hat die Wirklichkeit?“ zieht sich durch das gesamte Buch und gab ihm letztendlich seinen Titel. Dazu inspiriert hat Stüven übrigens ein Zitat des römischen Kaisers und Philosophen Marc Aurel: „Auf die Dauer der Zeit nimmt die Seele die Farbe deiner Gedanken an.“ Der Satz habe ihn ins Herz getroffen und beim Schreiben begleitet, erzählt er. Eine ganz eigene Quintessenz hat er dabei ebenfalls gefunden. „Wir können aus jedem Staubkorn einen unüberwindbaren Felsen machen oder aus jedem Felsen ein überwindbares Handeln“, fasst Wilfried Stüven zusammen. „Was in mir ist, das macht, wie der Tag wird.“

Weitere Informationen

„Welche Farbe hat die Wirklichkeit“ ist im Kellner Verlag erschienen und kostet 14,90 Euro. Die Buchpremiere ist am Donnerstag, 10. Dezember, im Wall-Saal. Lesungen finden am Sonnabend, 7. November, im Osteland-Festhaus in Osten sowie am Freitag, 27. November, im Nostalgie-Museum Okel in Syke statt. Der Eintritt ist frei. Anmeldungen und Infos gibt es auf www.kellnerverlag.de/veranstaltungen.html. Mehr über den Autor erfahren Interessierte unter www.wilfried-stueven.de im Internet.

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