Alarmierende Nichtschwimmer-Zahlen

Bremer Bäder bieten kostenlose Schwimmkurse für benachteiligte Kinder

Etwa die Hälfte aller Drittklässler in Bremen können noch nicht schwimmen. Um diese Zahl zu senken, gibt es künftig kostenlose Schwimmkurse für Kinder aus ärmeren Familien.
01.06.2018, 17:16
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Bäder bieten kostenlose Schwimmkurse für benachteiligte Kinder
Von Aljoscha-Marcello Dohme
Bremer Bäder bieten kostenlose Schwimmkurse für benachteiligte Kinder

Um im Rahmen des Schulsports Schwimmen zu lernen, sind die Klassenverbände viel zu groß.

dpa

Seit vielen Jahren gehört der Schwimmunterricht für Bremer Schüler in der dritten Klasse genauso zum Stundenplan wie Mathematik oder Deutsch. Doch die Hälfte aller Kinder kann zum Beginn des dritten Schuljahres noch nicht schwimmen. Um die Zahl der Nichtschwimmer in der Stadt zu reduzieren, haben die Bremer Bäder gemeinsam mit der Bremer Sportjugend das Projekt „Kids in die Bäder“ ins Leben gerufen.

Das Programm richtet sich an Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 18 Jahren, die entweder Nichtschwimmer sind oder aber ihre Fertigkeiten im Wasser weiter festigen wollen. Das Angebot in Anspruch nehmen können Kinder, deren Eltern das Geld für einen Schwimmkurs nicht aus eigener Tasche bezahlen können, zum Beispiel, weil sie von Hartz IV leben oder geflüchtet sind.

Die Kosten für die Schwimmkurse werden von Sponsoren übernommen, sodass die Eltern nichts bezahlen müssen. „Daneben beraten wir die Familien auch, damit sie den passenden Kurs für ihre Kinder finden können“, sagt Martina Baden, Geschäftsführerin der Bremer Bäder.

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Durch das Programm sollen Kinder nicht nur Schwimmen lernen, sondern auch an das Wasser gewöhnt werden. "Wir wollen die Teilnehmer auch für andere Wassersportarten begeistern, wie zum Beispiel für den Kanusport", erläutert Linus Edwards, Abteilungsleiter der Bremer Sportjugend.

Zunächst werden die teilnehmenden Kinder auf die bestehenden Schwimmkurse in den Bädern der Stadt verteilt. Die Familien können sich aussuchen, ob der Schwimmunterricht wöchentlich oder als Intensivkurs in den Ferien stattfinden soll. Je nach dem, wie groß die Nachfrage nach diesem Angebot ist, werden zusätzliche Schwimmkurse angeboten. Dafür benötigen die Bremer Bäder und die Bremer Sportjugend weitere Spenden, um möglichst viele Familien in das Programm aufnehmen zu können.

Klassenverbände zu groß zum Schwimmen lernen

„Der Schwimmunterricht in der 3. Klasse dient nicht dazu, schwimmen zu lernen. Ziel ist vielmehr, dass die Kinder weitere Schwimmabzeichen erlangen“, betont Baden. Kinder müssten bereits zuvor an das Wasser gewöhnt werden und Schwimmbäder kennenlernen. Um im Rahmen des Schulsports Schwimmen zu lernen, seien die Klassenverbände viel zu groß.

Deshalb müssten die Kinder bereits schwimmen können, bevor sie in die 3. Klasse kommen. „Häufig machen Familien am Meer oder an der See Urlaub. Wenn Kinder dann noch nicht schwimmen können, ist das ein sehr hohes Risiko“, betont die Geschäftsführerin der Bremer Bäder. Die Eltern seien dafür verantwortlich, dass ihre Kinder schwimmen können.

Durch das neue Projekt wolle man insbesondere einkommensschwache Familien unterstützen und es ihnen leichter machen, ihren Kindern einen Schwimmkurs zu ermöglichen. „Mir ist wichtig, dass alle Kinder Fahrradfahren und schwimmen können“, betont Sozialsenatorin Anja Stahmann, die die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen hat.

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Sie setzte sich dafür ein, dass jedes Kind in Bremen schwimmen lerne. Da nicht alle Familien in der Stadt finanziell in der Lage seien, ihren Kindern einen Schwimmkurs zu bezahlen, seien Angebote wie diese von großer Bedeutung. „Das Interesse an dem Projekt ist riesig. Bei einem Besuch in Walle habe ich von dem Angebot berichtet und sofort haben mich erste Anmeldungen erreicht“, erzählt Stahmann.

Gerade an warmen Sommertagen kommt es an Badeseen und in Schwimmbädern immer wieder zu heiklen Situationen. Erst am Donnerstag musste die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) zwei Jungen am Mahndorfer See retten. Die Rettungsschwimmer wurden auf die Kinder aufmerksam, weil sie außerhalb des Nichtschwimmerbereiches spielten und sich gegenseitig unter Wasser gedrückt haben.

So schnell wie möglich Zugang zu den Kursen

Dabei bemerkten sie nicht, dass ein Zwölfjähriger keine Luft mehr bekam und sich deshalb kaum noch wehren konnte. Der Junge konnte das Ufer nicht mehr aus eigener Kraft erreichen und war deshalb auf die Hilfe der DLRG angewiesen. Sein Freund bekam wenig später eine Panikattacke, nachdem ihm bewusst war, mit welchen Folgen der Ausflug an den See hätte enden können.

Wann die ersten Schüler ihren geförderten Schwimmunterricht beginnen, steht noch nicht fest. "Die Kinder sollen so schnell wie möglich Zugang zu den Kursen bekommen", verspricht der Abteilungsleiter der Bremer Sportjugend. Über die Internetseite des Vereins (www.bremer-sportjugend.de) können Eltern ihre Kinder zu "Kids in die Bäder" anmelden. Einen Anspruch auf Teilnahme an dem Programm haben bedürftige Familien jedoch nicht, da es sich um ein freiwilliges Zusatzangebot handelt.

Einen Video-Beitrag zum Thema "Schwimmen lernen" sehen Sie hier:

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