Gespräch mit Martina Baden Bremer Bäder-Chefin: Sicheres Schwimmen ist unser großes Anliegen

Bäder-Chefin Martina Baden im Gespräch über Sanierungsstau an Bremer Bädern, den richtigen Zeitpunkt für Wassergewöhnung und über Eltern, die ihre Kinder am Eingang vom Schwimmbad abgeben wollen.
08.03.2020, 06:17
Lesedauer: 3 Min
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Von Martin Märtens
Im vergangenen Jahr kam eine Summe von circa 100 Millionen Euro an Bedarf für die Bremer Bäder auf. Sogar von drohender Schließung war die Rede. Wie ist das passiert?

Martina Baden: Die hohen Summen können einem in der Tat Sorge bereiten. Es ist aber so, dass sich diese Summen unterschiedlich zusammensetzen. Es gibt zum einen die Neubauprojekte, die zum Teil bereits finanziell abgesichert sind. Hinzu kommt der große Sanierungsbedarf an praktisch allen Standorten. So summiert es sich. Aber wir arbeiten das über einen längeren Zeitraum sukzessive ab. Sonst wäre es finanziell und personell nicht leistbar.

Droht einzelnen Bädern denn nun die Schließung?

Kein Bad ist akut von einer Schließung betroffen, aber wir merken schon, dass die Bäder aufgrund des Sanierungstaus immer längere Ausfallzeiten haben. Lediglich das Unibad wird geschlossen, aber erst, wenn das Horner Bad fertig ist und gleichzeitig das Westbad zur Verfügung steht. Voraussetzung ist natürlich, dass das Unibad solange durchhält.

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Was bedeuten die Ausfallzeiten?

In der Regel handelt es sich dabei um geplante Ausfallzeiten. Wir versuchen, die Hallenbäder in den Schließzeiten während des Sommers zu sanieren. Aber wir haben das Problem, dass aufgrund des Sanierungsstaus Bäder auch mal ungeplant vom Markt gehen müssen. Wir können dabei garantieren, dass in allen Bädern sicher geschwommen werden kann. Man sieht den Bädern als Außenstehender den Sanierungsbedarf oft auch gar nicht an.

Welche Bedeutung haben die Bäder rein zahlenmäßig für Bremen?

Aus unserer Sicht eine sehr hohe. Statistisch besucht jeder Bremer drei bis viermal im Jahr ein Schwimmbad. Damit liegen wir bei den Großstädten sehr weit vorne. Das ist zum einen sehr erfreulich, bedeutet aber gleichzeitig eine große Herausforderung und Verantwortung. Wir versuchen dabei den Ansprüchen unserer Besucher gerecht zu werden.

Haben sich die Ansprüche an ein Schwimmbad in den vergangenen Jahren verändert?

Man muss sich erst einmal bewusst machen, dass man in Deutschland in Trinkwasser schwimmt. Diesbezüglich nehmen die Anforderungen und Auflagen stetig zu, die Parameter, die untersucht werden, sind zudem mehr geworden. Was uns aber besonders umtreibt, ist die Erwartung an uns als Bädergesellschaft.

Was meinen Sie damit?

Es passiert häufig, dass Eltern ihre Kinder am Eingang abgeben möchten und sie dann zwei oder drei Stunden später wieder abholen wollen. Wir sind aber kein Wasserkindergarten. Wir erwarten, dass Eltern ihre Kinder begleiten – vor allem wenn sie Nichtschwimmer sind. Wir erwarten, dass man selber aufmerksam ist und sein Kind beobachtet. Und wir erwarten zudem, dass, wenn Kinder alleine zu uns kommen, sie schwimmen können und ein entsprechendes Abzeichen haben. Wir als Bädergesellschaft können eine Komplettversorgung, wie sie sich manche Eltern vielleicht erhoffen, gar nicht leisten. Zumindest nicht bei Preisen von drei bis vier Euro.

Ist es tatsächlich so, dass Eltern ihre Kinder, die nicht schwimmen können, an der Tür des Schwimmbads abgeben?

Ja. Und es kommt häufig vor, dass Eltern nicht realistisch einschätzen können, ob ihre Kinder schwimmen können. Es gibt einen großen Unterschied, ob das das Kind wirklich schwimmen kann oder ob es lediglich an das Wasser gewöhnt ist. Deshalb legen wir so großen Wert auf die Abzeichen. Sicheres Schwimmen ist unser großes Anliegen.

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Ab welchem Abzeichen können die Kinder bedenkenlos ins Schwimmbad?

Bei uns erhalten Kinder den Zutritt zum Bad, wenn sie die Abzeichen Bronze, Silber oder Gold vorweisen können. Viele Kinder haben bei uns schwimmen gelernt und werden dann auch an der Kasse automatisch wiedererkannt.

Wann sollten die Kinder schwimmen lernen?

Es ist am besten, wenn Kinder sehr früh schon ans Wasser gewöhnt werden und noch bevor sie in die Schule kommen schwimmen gelernt haben. Es ist für das Kind in der Regel einfacher schwimmen zu lernen, wenn es noch jünger ist, da zu dem Zeitpunkt die Ängste noch nicht so ausgeprägt sind.

In der Schule haben die Kinder in der Regel ein Halbjahr lang einmal die Woche 30 Minuten Schwimmunterricht. Reicht das nicht aus?

Wenn ein Kind in der dritten Klasse noch gar nicht ans Wasser gewöhnt ist, ist das schwierig. Es ist auch ein bisschen zu spät. Wir empfehlen schon früher mit den Kindern schwimmen zu üben, oder sie bei uns einen Schwimmkurs besuchen zu lassen. Es gibt hingegen anders verlautender Meldungen bei uns auch keine Wartelisten. Und wer finanzielle Unterstützung braucht, kann sich an Kids in die Bäder, ein Projekt zusammen mit der Bremer Sportjugend, wenden. Darüber bekommen Bedürftige kostenlose Schwimmkurse. Es gibt also keine Ausreden mehr.

Können auch ältere Menschen bei Ihnen noch schwimmen lernen?

Ja, und die Kurse werden auch in den letzten Jahren verstärkt nachgefragt.

Das Gespräch führte Martin Märtens.

Info

Zur Person

Martina Baden leitet seit 2012 die Bremer Bäder GmbH. Sie hat Betriebswirtschaftslehre an der Uni Lüneburg studiert und war vor ihrem Wechsel in die Hansestadt sieben Jahre Kurdirektorin in Carolinensiel.

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