Nur noch zwei Fahrzeuge mit E-Antrieb

Bremer Behörden mustern Elektroautos aus

Bremen gehört zwar zu einer „Modellregion Elektromobilität“, im Fuhrpark der senatorischen Behörden sind aber fast keine E-Fahrzeuge zu finden. Das stößt auf Kritik.
14.05.2017, 15:53
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Behörden mustern Elektroautos aus
Von Jürgen Theiner
Bremer Behörden mustern Elektroautos aus

1150 Fahrzeuge hat die Verwaltung in Betrieb - genau zwei davon sind Elektroautos.

dpa

Bremen gehört zwar zu einer „Modellregion Elektromobilität“, im Fuhrpark der senatorischen Behörden sind aber fast keine E-Fahrzeuge zu finden. Das stößt auf Kritik.

Für die Bremer Verwaltung und die angeschlossenen Wirtschaftsbetriebe ist Elektromobilität praktisch kein Thema. Gegenüber dem Jahr 2013 ist die ohnehin geringe Zahl eingesetzter E-Autos sogar noch zurückgegangen – obwohl Bremen zusammen mit Oldenburg bereits 2009 von der Bundesregierung als „Modellregion Elektromobilität“ ausgewählt wurde. Klimaschonendes Fahren zu preisen, ist offenbar das eine; es selbst zu praktizieren, das andere. Da verhält sich die öffentliche Hand nicht anders als die Gesamtheit der Autofahrer.

Wie es um die Nutzung von E-Autos im Fuhrpark der Hansestadt steht, geht aus einer Antwort des Senats auf eine parlamentarische Anfrage der CDU-Bürgerschaftsfraktion hervor. Laut Verwaltung haben ihre Dienststellen und die stadteigenen Betriebe aktuell 1150 Fahrzeuge in Betrieb, die meisten davon auf Leasing-Basis. Bei 552 Fahrzeugen handelt es sich um Personenwagen, die übrigen sind Nutz- und Sonderfahrzeuge. In dieser ansehnlichen Flotte befinden sich ganze zwei Elektroautos. Vor vier Jahren waren es zumindest noch neun.

Damals hatte die Bundesregierung die Anschaffung von Wagen mit Elektroantrieb im Rahmen des Konjunkturprogramms II gefördert. „Vor allem die hohen Mehrkosten nach Ablauf des Förderzeitraums haben dazu geführt, dass sich die Zahl der Elektrofahrzeuge im Bestand ... reduziert hat“, heißt es in dem Senatspapier. Die eigene Lade-Infrastruktur der Verwaltung ist ebenfalls schwach ausgebaut. Es existieren lediglich zwei Stationen, und zwar am Oslebshauser Gefängnis und an der Hochschule für Künste.

E-Autos verursachen höhere Betriebskosten

Den fast vollständigen Verzicht auf Elektrofahrzeuge begründet der Senat rein wirtschaftlich. Bei E-Autos seien die Betriebskosten selbst dann höher, wenn Käufer die sogenannte Umweltprämie des Bundes in Anspruch nehmen. Doch von dieser Prämie sei die öffentliche Verwaltung ausdrücklich ausgeschlossen. Für die Bremer Behörden hieße das beispielsweise: Ein sparsamer, geleaster Golf mit herkömmlichem 1,0-Liter würde 184 Euro an monatlichen Kosten verursachen, ein E-Golf im Vergleich 321 Euro.

„Der Mehraufwand für elektrische Fahrzeuge im eigenen Fuhrpark würde Einsparungen an anderer Stelle erforderlich machen“, heißt es in der Stellungnahme der Verwaltung klipp und klar. Man bemühe sich allerdings, auf anderen Feldern Beiträge zur Reduzierung des Schadstoffausstoßes des Verwaltungsfuhrparks zu leisten. Hervorgehoben wird dabei das Car-Sharing. Stand Mitte März hätten insgesamt 16 Dienststellen der senatorischen Behörden einen Vertrag mit einem Car-Sharing-Anbieter. Über 1300 Mitarbeiter seien als Nutzer eingetragen. Gegenüber den Werten von 2013 seien diese Zahlen deutlich erhöht.

Für den CDU-Verkehrspolitiker Heiko Strohmann ist die Bilanz des Senats bei der E-Mobilität ausgesprochen dürftig. Natürlich seien Wirtschaftlichkeitserwägungen wichtig. Doch wenn es der Senat nicht einmal schaffe, die E-Quote von vor vier Jahren zu halten, sei das schwach. Wer E-Mobilität propagiere, müsse sie auch vorleben. „Die Stadt wäre da durchaus als Vorbild gefragt“, findet Strohmann. Seine Kritik richtet er auch an den Umweltsenator persönlich. Joachim Lohse (Grüne) habe es als Aufsichtsratsvorsitzender der Bremer Straßenbahn AG bisher nicht geschafft, die Nutzung von elektrisch betriebenen Bussen auf breiter Front voranzubringen. „Die BSAG doktert seit Jahren nur mit Pilotprojekten herum. Andere Städte vergleichbarer Größe sind da schon wesentlich weiter.“

Umfang der Fahrzeugflotte verringern

Der Sprecher der Bau-, Umwelt- und Verkehrsbehörde, Jens Tittmann, weist Strohmanns Kritik zurück. Umweltpolitik bestehe nicht in der Anschaffung von E-Fahrzeugen um jeden Preis, sondern in der Reduzierung des Schadstoffausstoßes. Und da bediene sich die Verwaltung diverser Instrumente. Neben dem Car-Sharing nutzten die Mitarbeiter der senatorischen Behörde für kürzere Wegstrecken auch Bus und Bahn sowie Fahrräder.

Ziel sei, den Umfang der Fahrzeugflotte der Verwaltung nach und nach zu verringern. Im Übrigen eigne sich ein Großteil des öffentlichen Fuhrparks gar nicht für die Umstellung auf E-Mobilität. Das gelte unter anderem für die Sonder- und Nutzfahrzeuge von Feuerwehr und Baubetriebshöfen, aber etwa auch für die Polizei.

In Oldenburg, der anderen Großstadt in der „Modellregion Elektromobilität“, plant die Stadtverwaltung derzeit eine Aufstockung des E-Fuhrparks – der allerdings momentan auch nur aus einem einzigen Auto besteht, einem Kleinwagen des Typs VW Up. Zum August sollen drei weitere Fahrzeuge beschafft werden.

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