Serie „Ehrenamt in Bremen“

Was für und gegen die Fusion von Sportvereinen spricht

Können klassische Vereine in Zukunft nur noch überleben, wenn Sie sich zusammenschließen? In Bremen gibt es dazu, nach dem zum Teil realisierten Projekt „SG Bremen-Ost“, unterschiedliche Ansichten.
27.01.2021, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Was für und gegen die Fusion von Sportvereinen spricht
Von Maurice Arndt
Was für und gegen die Fusion von Sportvereinen spricht

Sowohl Befürworter als auch Gegner von Vereinsfusionen sehen in ihren Ansätzen Chancen, um klassische, ehrenamtliche Vereine wie etwa Sportvereine für die Zukunft aufzustellen.

Jonas Kako

Vier Vereine wollten sich ursprünglich zur SG Bremen-Ost zusammenschließen: der TuS Vahr, die SG Arbergen-Mahndorf, der ATSV Sebaldsbrück und OT Bremen. Nach vielen Diskussionen haben sich schlussendlich lediglich der TuS Vahr und die SGAM zusammengeschlossen. Beide Seiten, die neue SG Ost wie auch der noch eigenständige ATSV sind von ihrem Weg überzeugt und schauen vorsichtig optimistisch in die Zukunft.

Dass klassische, ehrenamtlich geführte Vereine auch ohne Fusionen eine Perspektive haben, davon sind die Funktionäre beim ATSV Sebaldsbrück überzeugt. Um für möglichst viele engagierte Ehrenamtler sowie Mitglieder attraktiv zu sein, brauche man nicht zwangsläufig ein großes Angebot. „Man muss eine Wohlfühlatmosphäre schaffen, als Vorstand nahbar sein sowie Spaß und Freude vermitteln können“, meint der ATSV-Vorsitzende Helge Uhing, der nach einem halben Jahr im Amt über Zulauf berichten kann. Zwar sei es wichtig, als Verein nicht die Augen vor Herausforderungen, wie einem knappen Angebot an Ehrenamtlern, zu verschließen. Lösungen könne man aber auch als kleiner Verein finden, wenn man bereit sei die damit verbunden Aufgaben, wie etwa die Ausbildung von Übungsleitern, anzugehen. „Gerade in Bremen blicken wir auch als kleiner Verein optimistisch in die Zukunft, weil es einen starken politischen Willen gibt, Vereinen zu helfen“, ergänzt ATSV-Kassenwart Peter Henze.

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Dass es für einen Großteil der klassischen ehrenamtlichen Vereine in Zukunft nicht mehr alleine geht, glaubt hingegen Uwe Jacobs, stellvertretender Vorsitzender bei der SG Bremen-Ost. Der Grund: der gesellschaftliche Wandel. Wie Kulturwissenschaftler Jan-Hendrik Kamlage im WESER-KURIER-Interview sieht er ein großes Problem darin, dass Menschen sich immer seltener langfristig und in Funktionen mit Verantwortung einbringen wollen würden. Vielen fehle es an Zeit: „Wer im Schichtbetrieb oder spät am Tag arbeitet, hat abends keine Zeit, im Verein Sport zu treiben und schon gar nicht, um sich zu engagieren.“ Zudem wachse die Verantwortung und die Bürokratie stetig an. „Ein Verein ist mittlerweile wie ein kleines Wirtschaftsunternehmen. Das nebenbei zu machen ist nicht einfach“, sagt Jacobs. Durch den resultierenden Schwund von Mitgliedern und Ehrenamtlern sind Fusionen aus seiner Sicht unvermeidlich.

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Zugleich ist ihm aber auch bewusst, dass das viele Probleme nur aufschiebt, aber nicht löst. „Man bekommt durch einen Zusammenschluss eine neue Stärke, die man nutzen muss. Man darf nicht weiter in seinem eigenen Saft schmoren“, betont Jacobs. Im konkreten Fall bei der SG Bremen-Ost soll nun die neugewonnene Größe auch als politisches Gewicht genutzt werden, um bei der Entwicklung der Galopprennbahn mitreden zu können. „In der Vahr und drumherum gibt es so gut wie keine Sportplätze. Das wollen wir ändern, bisher fehlte uns aber die Größe, um uns politisch Gehör zu verschaffen.“

Aus einer großen Lösung, um die Vereine im Bremer Osten für die Zukunft aufzustellen wurden zwei kleine. Beide Seiten scheinen für den Moment mit ihrem Weg zufrieden zu sein und blicken optimistisch in die Zukunft. Auf der Seite der Nichtfusionierten freut man sich beim ATSV stellvertretend über einen frischen Neustart. Bei der SGBO ist man zufrieden, schlussendlich doch zusammengegangen zu sein, nachdem man das nach dem Absprung von OT und ATSV zunächst nicht wollte. Nun bekommt man zumindest einen Teil der erhofften Verbesserungen, etwa politisches Gewicht. Welcher Weg der richtige ist - oder ob beide richtig sind, lässt sich wohl erst in einigen Jahren absehen. Wichtig scheint vor allem zu sein, ob Fusion - oder nicht: „Mit dieser Entscheidung ist es nicht getan. Wir müssen“, sagt Jacobs von der SGBO, „als Vereine auf den gesellschaftlichen Wandel reagieren.“

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