Live-Übertragungen bald möglich

Abschied in Corona-Zeiten: Trauerfeiern unter freiem Himmel in Bremen

Unter Einhaltung der Corona-Vorgaben können Trauerfeiern in Bremen nur im kleineren Kreis ausgerichtet werden. Eine Live-Übertragung eröffnet die Chance, dass mehr Angehörige und Freunde teilnehmen können.
22.11.2020, 06:00
Lesedauer: 4 Min
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Abschied in Corona-Zeiten: Trauerfeiern unter freiem Himmel in Bremen
Von Ulrike Troue

Am Sonntag, 22. November, dem letzten vor dem ersten Advent gedenken die Menschen in Deutschland ihrer Verstorbenen. Am Totensonntag ist ein Gang zum Friedhof auch für viele Bremerinnen und Bremer ein festes Ritual. Friedhöfe sind Orte der Trauer – nur sie hilft, loszulassen und weiter zu leben. Für viele liegt der Moment des Abschieds lange zurück, andere Trauernde haben einen Angehörigen oder Freund erst vor wenigen Monaten, Wochen oder Tagen während der Pandemie verloren.

Ihnen die Hand zum Trost reichen, sie umarmen oder einfach da sein – diese Zeichen der Anteilnahme lassen die Corona-Kontaktbeschränkungen kaum mehr zu. Der Bundesverband deutscher Bestatter (DBD) weist darauf hin, dass auf körperlichen Gesten der Kondolenz bei Trauerfeiern aus Gründen des Gesundheitsschutzes ganz verzichtet werden sollte. Für den Friedhof empfiehlt er, die 1,5 Meter-Abstandsregel einzuhalten, ebenfalls zwischen den Sitzplätzen auf einer Trauerfeier.

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Für die städtischen Friedhöfe hat der Umweltbetrieb Bremen (UBB) klare Regeln aufgestellt. Generell gilt dort, dass alle Besucher Mund- und Nasenschutz tragen müssen. Ferner seien die Teilnehmerzahl für Trauerfeiern in den Friedhofskapellen und an den Grabstellen begrenzt worden, teilt Kerstin Doty als UBB-Pressesprecherin mit.

Trauerfeiern unter freiem Himmel dürfen mit maximal 100 Gästen stattfinden. Der letzte Gang zur Grab- oder Beisetzungsstelle und der dortige Aufenthalt ist auf den engsten Familien- und Freundeskreis beschränkt, laut Verordnung dürfen sich dort höchstens 50 Personen versammeln. Die Personenzahlbeschränkungen für Trauerfeiern in Friedhofskapellen seien individuell auf die örtlichen Gegebenheiten abgestimmt worden, erläutert Doty. Sie ist je nach Größe der Kapelle auf neun bis 25 Trauergäste in den großen wie Walle, Huckelriede oder Osterholz limitiert, ist der Homepage zu entnehmen (www.umweltbetrieb-bremen.de). „Wir haben sehr weitreichende Hygieneregeln für die Kapellen aufgestellt, und die Bestatter achten auf deren Einhaltung“, sagt die Pressesprecherin.

An Hygieneregeln haben sich die Menschen gewöhnt

An Masken, Handdesinfektion und Corona-Anwesenheitsliste hätten sich die Menschen inzwischen gewöhnt, stellt Heiner Schomburg vom Bestattungsunternehmen „Trauerraum“ im Viertel fest. Auch auf geringere Zahlen an Trauergästen hätten sich die meisten eingestellt, sagt der „Trauerraum“-Inhaber. Das verdeutlichten Zeitungsanzeigen und Trauerbriefe mit dem Hinweis, dass die Beisetzung momentan nur im kleinen Kreis möglich sei. „Viele Ältere kommen auch gar nicht zur Trauerfeier, aus Angst vor der Ansteckungsgefahr“, berichtet Schomburg.

Für Hinterbliebene sei es belastend, die wenigen auszuwählen, die aufgrund vorgegebener Platzkapazitäten an der Trauerfeier teilnehmen dürften, beobachtet Lars Lankenau von Niedersachsen Bestattungen in der Neustadt. „Sie müssen sich ernsthaft darüber Gedanken machen, wen sie dabei haben wollen“, spricht er die schwierige Abwägung zwischen engstem Familien- und Freundeskreis an. Für Trauerfeiern in den Kirchen geben die Kirchengemeinden laut Lankenau die Personenzahl vor. Die Zahl der Trauergesellschaften in Kirchen, sagt er, seien jedoch verschwindend gering.

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Vor der Pandemie seien Trauerfeiern nach seiner persönlichen Einschätzung je zur Hälfte auf dem Friedhof und in den Feierhallen der Institute abgehalten worden. In diese Aussage bezieht Lars Lankenau Schomaker Bestattungen in Walle und Bremer Bestattungen in Osterholz mit ein, denn alle drei haben sich zu den „Bremer Bestattungen“ zusammengeschlossen.

In den eigenen Trauerhallen in der Neustadt und in Walle dürften von den vorhandenen 30 bis 50 Plätzen aktuell nur acht bis zehn besetzt werden, führt Lankenau aus. Um mehr Menschen die Möglichkeit zu geben, Verstorbe auf dem letzten Weg zu begleiten, würden derzeit 80 Prozent der Trauerfeiern unter freiem Himmel, also auf dem Friedhof, veranstaltet, so der Neustädter. „Das Bedürfnis zum Abschiednehmen ist da“, bestätigt sein Kollege Heiner Schomburg diesen Trend.

Draußen Lautsprecher aufgestellt

Vor dem Hintergrund hätten sich Angehörige zum Beispiel entschieden, die 25 im Abstand aufgestellten Stühle in der Huckelrieder Kapelle mit engen Familienmitgliedern zu besetzen und draußen noch einmal 50 Stühle in gebührendem Abstand aufzustellen, erzählt Schomburg. Dort waren Lautsprecher aufgestellt worden, sodass weitere Wegbegleiter die Abschiedszeremonie drinnen verfolgen konnten.

Die Möglichkeit der Liveübertragung von Trauerfeiern werde aktuell sehr konkret geprüft und in Kürze angeboten, berichtet Gunnar Richter, Marketingleiter beim GE-BE-IN Bestattungsinstitut Bremen, mit zehn Standorten in der Hansestadt und Achim Bremens größtes Bestattungsunternehmen. Die technischen und rechtlichen Voraussetzungen dafür werden gerade geschaffen. „Eine Audioaufzeichnung ist aber auch schon jetzt möglich.“

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Eine Liveübertragung sei eine schöne Möglichkeit, dabei zu sein und man habe nicht das Gefühl ausgeschlossen zu sein, sagt der GE-BE-IN-Marketingleiter und weist auf die aktuellen Corona-Einschränkungen, gesundheitlich gehandicapte oder ältere Menschen sowie Angehörige in weit entfernteren Städten hin, sagt Richter.

„Gerade in dieser Zeit ist es eine wichtige Aufgabe, gute Abschiede zu ermöglichen“, stellt Richter mit Blick auf die Regeln zum Gesundheitsschutz zur Eindämmung der Pandemie fest, die sich jeweils auf Basis der aktuellen Infektionszahlen verändern. Deshalb setze man sich regelmäßig zusammen und passe eigene Vorgaben und Abläufe an. Hausintern gilt zum Beispiel, dass Beratungsgespräche zur Planung von Bestattungen momentan nur mit zwei bis drei Angehörigen stattfinden, Hausbesuche nicht möglich sind und Trauerfeiern in den vier großen Feierhallen mit maximal 20 Personen ausgerichtet werden.

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