Verbotszonen für Feuerwerk

Bremer Böllerverbot wird zum Vorbild

In Bremen wurde Feuerwerk im Innenstadtbereich rund um das Rathaus bereits zum Jahreswechsel 2010/2011 verboten. Nun zieht die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover nach.
14.12.2018, 21:40
Lesedauer: 3 Min
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Von Bernhard Komesker, Björn Struß und Hans Wöste
Bremer Böllerverbot wird zum Vorbild

In Hannover sorgt sich die Stadt vor allem um die Sicherheit von Passanten und ­Ordnungskräften.

Karl-Josef Hildenbrand/ dpa

Sie sind brandgefährlich für historische Gebäude und Naturschutzgebiete und können immensen Schaden beim Menschen anrichten: Wenn Passanten in Partylaune sind oder unter Alkoholeinfluss stehen, steigt das Risiko durch Silvesterraketen und Böller. Bremen hat darauf längst reagiert ‒ schon zum Jahreswechsel 2010/2011 war Feuerwerk rund um das Rathaus verboten. Jetzt zieht die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover nach, die erstmals das Abbrennen von Feuerwerkskörpern in einem Bereich der Innenstadt verbietet.

In Bremen wurde das Verbot rund um den Marktplatz vor allem zum Schutz des historischen Rathauses ausgerufen. Das Weltkulturerbe ist durch seinen hölzernen Dachstuhl und seine hölzernen Dachbereiche besonders gefährdet. Dass Fenster von Silvesterraketen durchschlagen werden, ist dabei nicht nur eine theoretische Möglichkeit: So schlugen auch schon Raketen in der Oberen Rathaushalle oder im gegenüberliegenden Schütting ein, aber immerhin richteten sie keinen größeren Schaden an.

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Zuletzt passierte das ‒ trotz Böllerverbots ‒ 2016. „Die Rakete ist durch die Fensterscheibe geflogen und explodiert“, erklärte Mario Heuer, Sprecher der Feuerwehr. Der Brandmelder löste Alarm aus, gebrannt hat es aber nicht. Bei der Untersuchung habe man nur die Überreste der Rakete und das Loch im Fenster entdeckt. Weitere Verbotszonen sind das gesamte Hafengebiet sowie der Flughafen im Umkreis von 1,5 Kilometern.

Einsatzkräfte mit Raketen beschossen

In Hannover geht es nur am Rande um den Schutz von Architektur. Dort sorgt sich die Stadt vor allem um die Sicherheit von Passanten und ­Ordnungskräften. Zunehmend wurden zuletzt auch Rettungskräfte und Polizisten mit Raketen und Böllern angegriffen. Erstmals verbietet die Landeshauptstadt deshalb das Abbrennen von Feuerwerkskörpern in einem Bereich der Innenstadt. Dort soll das Mitbringen und erst recht das Zünden von Böllern und Raketen untersagt werden, sagte ein Stadtsprecher.

Das Verbot sei eine Konsequenz aus Erfahrungen der vergangenen Jahre. So waren Böller inmitten von Menschenmengen gezündet und Einsatzkräfte mit Ra­keten beschossen worden, es gab Verletzte. Über Details zur Verbotszone in der City und zur Einhaltung will die Stadt kommende Woche informieren.

Auch im Bremer Umland greifen Feuerwerksverbote. Im Landkreis Osterholz erlassen die sieben Mitgliedskommunen alljährlich eine Allgemeinverfügung für den 31. Dezember und 1. Januar. Sie verbietet das Abbrennen von Feuerwerk der Klasse 2 in einem Umkreis von 200 Metern rings um Reetdachhäuser. Auch in der Nähe von Kirchen, Krankenhäusern und Altenheimen darf nicht geböllert werden. Verstöße können mit Geldbußen von bis zu 50 000 Euro geahndet werden.

Feuerwerk in Delmenhorst erlaubt

„Ich kann gut verstehen, dass gerade größere Städte das restriktiv handhaben und Gefahren möglichst vermeiden möchten“, sagt der Osterholzer Kreisbrandmeister Jan Hinken zum geplanten Verbot in Hannover. „Die Frage ist natürlich immer, wie solche Verbote durchgesetzt werden können.“ Dass Böller nicht auf Menschen geworfen werden dürfen, sollte sich eigentlich von selbst verstehen, findet der Feuerwehrchef. Die Osterholzer Einsätze in der Neujahrsnacht 2018 hätten „nicht direkt“ mit Feuerwerk zu tun gehabt: In zwei Fällen sei offenbar eine noch glimmende Feuerwerksbatterie zu früh in der Mülltonne entsorgt worden.

In anderen niedersächsischen Städten belässt man es bei Appellen zur gegenseitigen Rücksichtnahme und Vernunft. Zum Beispiel in Delmenhorst. „Wir verfolgen natürlich sehr genau, was in anderen Städten passiert“, sagt Timo Frers, Pressesprecher der Stadtverwaltung. Anders als etwa in Bremen sei in Delmenhorst im Innenstadtbereich nie übermäßig viel Feuerwerk gezündet worden. „Auch unser Marktplatz ist kein Ort, an dem sich viele Menschen zum Knallen treffen“, berichtet Frers. So sei auch das Rathaus oder der symbolträchtige Wasserturm nicht gefährdet.

Ähnlich gelassen ist der Umgang der Stadt Braunschweig mit Feuerwerk. „Für die Sicherheit in der Silvesternacht sind wir alle verantwortlich“, heißt es im Aufruf. Weitergehende Konsequenzen zieht die Stadt nicht aus zwei schweren Unfällen der vergangenen Silvesternacht: Unbekannte Böllerwerfer hatten zwei Menschen schwer verletzt. Ein 49-Jähriger verlor die Sehkraft auf einem Auge, eine 21-Jährige kann auf einem Auge nur noch hell und dunkel erkennen.

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