Bürgerschaftspräsident will Perspektivwechsel

Besuch an Stätten der Armut

Was heißt es, arm zu sein? Bremens Bürgerschaftspräsident Frank Imhoff (CDU) will in den nächsten Wochen den Dialog mit Betroffenen und Experten suchen, um daraus Denkanstöße für die Politik abzuleiten.
27.07.2021, 19:03
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Besuch an Stätten der Armut
Von Jürgen Theiner
Besuch an Stätten der Armut

Frank Imhoff bei einem Termin im Mai dieses Jahres.

CARMEN JASPERSEN

Bürgerschaftspräsident Frank Imhoff (CDU) unternimmt in den kommenden Wochen eine ungewöhnlich Sommertour. Er sucht Orte in Bremen und Bremerhaven auf, die von Armut geprägt sind. Er spricht mit Betroffenen und Akteuren der Armutsbekämpfung und nimmt den Dialog mit einschlägig profilierten Wissenschaftlern auf.

Aus Imhoffs Sicht hat sich die Politik zu sehr an die erschreckenden Zahlen gewöhnt, die Bremen in puncto Armut aufweist. Der Paritätische Wohlfahrtsverband hatte 2019 für den Stadtstaat eine Armutsquote von 24,9 Prozent ausgewiesen, den schlechtesten Wert aller Bundesländer. Besonders stark sind Kinder betroffen. Demnach lebten 2019 42,2 Prozent der Unter-18-Jährigen in Familien, die Hartz-IV-Leistungen beziehen. "Das ist ein Trauerspiel", urteilt der Bürgerschaftspräsident.

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Er will sich aber nicht mit dieser Feststellung begnügen, sondern die Perspektive der Betroffenen kennenlernen: Was bedeutet es, mit sehr wenig Geld auskommen zu müssen? Wie fühlt es sich an, Empfänger von Unterstützungsleistungen zu sein? Solchen Fragen will Imhoff in den Gesprächen nachgehen, die er auf seiner Sommertour führt. Erste Station ist an diesem Mittwoch das Café Abseits an der Otto-Brenner-Allee in Osterholz. Diese Einrichtung ist eine offene Anlaufstelle insbesondere für Menschen mit Suchterfahrungen. Imhoff trifft sich dort mit einer Streetworkerin, die ihm von ihren Erfahrungen berichten wird. In den kommenden Wochen besucht er außerdem einen Handwerksbetrieb, der mehrere geflüchtete Jugendliche ausbildet, die ärztliche Sprechstunde für Obdachlose, die Schuldnerberatung der Caritas sowie die Johannis-Oase, die Wasch- und Duschmöglichkeiten für mittellose Menschen bereitstellt. Vorgesehen ist darüber hinaus ein Gespräch mit dem Armutsexperten René Böhme von der Universität Bremen. Letzte Station ist am 10. August das sogenannte Care-Leaver-Zentrum des SOS-Kinderdorfs. Dort werden Hilfsangebote an Jugendliche gemacht, die aus der Kinder- und Jugendhilfe ausscheiden, ihren Alltag danach aber in der Regel ohne ein familiäres oder sonstiges Sicherheitsnetz meistern müssen.

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