Kampfabstimmung bei Frauen-Union

Motschmanns Hausmacht in Bremen bröckelt

Mitten in ihrem Werben um eine erneute Bundestagskandidatur wird die Bremer CDU-Abgeordnete Elisabeth Motschmann kalt erwischt. Ausgerechnet in der Frauen-Union macht man ihr den Vorsitz streitig.
18.07.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Motschmanns Hausmacht in Bremen bröckelt
Von Jürgen Theiner

Wer führt die Bremer CDU in die Bundestagswahl 2021? Elisabeth Motschmann würde gern, das hat sie bereits im vergangenen Jahr deutlich gemacht. Die Frage ist, ob die Partei sie lässt. Mit einer Gegenkandidatur von Bürgerschaftsfraktionschef Thomas Röwekamp oder dem Kreisverbandsvorsitzenden Jens Eckhoff wird fest gerechnet. Diese Konkurrenz hat Motschmann schon länger auf dem Zettel. Doch nun droht auch Gefahr an einer Flanke, die sie gut abgesichert wähnte: Ausgerechnet in der Frauen-Union (FU) bröckelt die Hausmacht der amtierenden Abgeordneten.

Elisabeth Motschmann ist Landesvorsitzende dieser Parteigliederung, und das gedenkt sie auch zu bleiben, wenn die Mitglieder am 26. August im Radisson Blu Hotel an der Böttcherstraße zusammenkommen. Die Wiederwahl schien Formsache, bis vor Kurzem eine Rivalin auf den Plan trat. Die Schwachhauser Beiratspolitikerin Miriam Benz will Motschmann beerben und einen Generationswechsel an der Spitze der Bremer Frauen-Union einleiten. „Ich finde, dass junge berufstätige Frauen in der Führung der Bremer Frauen-Union bisher zu wenig repräsentiert sind“, sagt die 31-jährige Rechtsanwältin, die in einer Wirtschaftskanzlei am Domshof arbeitet und auf Restrukturierung und Sanierung von Unternehmen spezialisiert ist.

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Eine Karrierefrau, die daraus auch kein Geheimnis macht und sich deshalb unter anderem zum Ziel gesetzt hat, die Vereinbarkeit von beruflichem Fortkommen und politischer Betätigung zu verbessern. Andere Themen, so Benz im Gespräch mit dem WESER-KURIER, seien gleiche Bezahlung für Mann und Frau und Unterstützung für Alleinerziehende. „Ich denke, ich kann das authentischer darstellen als Elisabeth Motschmann, die eher für ein etabliertes, konservatives Frauenbild steht“, sagt Benz. Mit ihrer Bewerbung gehe es ihr „um die Gestaltung der Frauen-Union“, nicht darum, Motschmann im Kampf um die CDU-Spitzenkandidatur bei der Bundestagswahl zu schaden. Doch Motschmann wittert Letzteres. „Es ist klar, das soll mich schwächen“, glaubt die 67-Jährige. Sie nimmt an, Miriam Benz sei von interessierter Seite zu einer Kampfkandidatur „ermuntert“ worden.

Früh Klarheit schaffen

Die Palastrevolte in der Frauen-Union ist nicht der einzige Vorgang, über den sich die amtierende Bundestagsabgeordnete in jüngster Zeit ärgern musste. Sie hatte gehofft, den CDU-Landesvorstand dazu bewegen zu können, die Aufstellung der Landesliste für die Bundestagswahl 2021 auf den Herbst vorzuziehen. Doch Ende Juni entschied sich die Parteiführung, erst im März 2021 auf einem Parteitag darüber abstimmen zu lassen, wer die Bremer Christdemokraten in den Wahlkampf führen soll. Für Motschmann ist das unverständlich. So habe etwa der niedersächsische Landesverband bereits damit begonnen, Kandidaten aufzustellen. Auch für Bremen sei es sinnvoll, früh Klarheit zu schaffen, weil dann die Zeit reiche, um eine Kampagne vorzubereiten, die auf die Kandidatin oder den Kandidaten zugeschnitten ist. Auch für das Sammeln von Spenden zur Wahlkampffinanzierung empfehle sich eine frühe Personalentscheidung.

Elisabeth Motschmann glaubt, über gute Argumente für eine erneute Entsendung nach Berlin zu verfügen. Sie habe sich als medienpolitische Sprecherin der CDU-Bundestagsfraktion profiliert, vor dem Hintergrund der Corona-Krise kämpfe sie „wie ein Löwe für Kulturschaffende und Solo-Selbstständige“. Im Übrigen stehe es der Bremer CDU gut an, nicht alle Spitzenpositionen mit Männern zu besetzen. Bürgerschaftspräsident, Fraktionsvorsitzender, Landesvorsitzender – alles Männer, darauf weist die Abgeordnete hin. Sie fragt: „Was macht es da für einen Sinn, die einzige Frau in herausgehobener Stellung, die zudem in Berlin einen Superjob macht, durch einen Mann zu ersetzen?“

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Noch bleibt dieser Mann in der Deckung. Bürgerschaftsfraktionschef Thomas Röwekamp und Kreisvorsitzender Jens Eckhoff hatten sich vor Monaten in die Hand versprochen, die Frage einer Gegenkandidatur untereinander schiedlich-friedlich zu regeln und in der Partei keine alten Gräben zwischen ihren jeweiligen Gefolgschaften wieder aufreißen zu lassen. Wahrscheinlich werden sie sich im Spätsommer erklären. Die meisten Parteiinsider rechnen damit, dass es auf Röwekamp hinausläuft.

Wettbewerb fair austragen

Für den Landesvorsitzenden Carsten Meyer-Heder ist es „legitim, wenn Leute für Funktionen in der Partei gegeneinander antreten“. Wichtig sei, dass der Wettbewerb fair ausgetragen wird. Die CDU und ihre Gliederungen stünden insgesamt vor einer Verjüngung. „Da wird noch einiges passieren, da ist viel Bewegung drin“, sagt Meyer-Heder.

In den Ohren von Elisabeth Motschmann klingt das sicher nicht wie eine Ermutigung, doch wer die 67-Jährige abschreibt, der unterschätzt ihren Kampfgeist. Seit Monaten lässt sich die Abgeordnete auffallend häufig auf Stadtbezirksveranstaltungen der Partei blicken und bearbeitet dort die Basis. Wie ein Löwe kämpft sie auch in eigener Sache.

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