Landesparteitag Bremer CDU würdigt Kastendiek - und kehrt in den Wahlkampf zurück

Nach dem Tod von Landeschef Jörg Kastendiek hatte die CDU sich eine Wahlkampfpause auferlegt. Der Landesparteitag am Donnerstag war deshalb eine Zäsur, bevor es im Kampf ums Rathaus weiter geht.
16.05.2019, 20:58
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Bremer CDU würdigt Kastendiek - und kehrt in den Wahlkampf zurück
Von Lisa-Maria Röhling

Die letzten neun Tage vor der Bürgerschaftwahl sind keine leichten Tage für die CDU. Während diese Etappe vor dem Wahlsonntag eigentlich für die finale Mobilisierung der Wählerinnen und Wähler dienen sollte, müssen sich die Bremer Christdemokraten in diesen Tagen sammeln und innehalten.

„So hatte sich Jörg Kastendiek das nicht vorgestellt“, erklärt Thomas Röwekamp, Fraktionschef der Partei, am Donnerstagabend den Delegierten auf dem Landesparteitag der CDU. Denn dieser letzte Landesparteitag vor der Bürgerschaftswahl, er sei ein besonders wichtiger Termin für Kastendiek gewesen, das habe er in persönlichen Gesprächen immer wieder betont.

„Er wollte noch einmal ein Zeichen nach außen und nach innen setzen.“ Die Tagesordnung für das Zusammenkommen der Parteimitglieder am Donnerstag war eigentlich seit Wochen gesetzt: Erst eine kurze Aussprache über die Finanz- und Rechenschaftsberichte der Partei, dann Wahlkampfeinstimmung mit Prominenz aus dem Bundesverband in Person von CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak.

Doch es kam anders. Mitten im Wahlkampf hielt die CDU für zwei Tage inne: Nach dem Tod von Landesparteichef Jörg Kastendiek hatten sich die Christdemokraten eine Wahlkampfpause auferlegt, um sich zu sammeln und seiner zu gedenken. Viele sagten öffentliche Auftritte und Podiumsdiskussionen ab, auch das angekündigte 100-Tage-Programm der Partei wurde vorerst verschoben. Der Landesparteitag im Schuppen Zwei ist deshalb nicht nur eine Würdigung Jörg Kastendieks, sondern auch eine Zäsur. Denn nun will die CDU die letzte Wahlkampfetappe in Angriff nehmen.

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Über eine Nachfolge für Jörg Kastendiek will die CDU an diesem Abend und auch vor der Wahl nicht sprechen, vorerst haben seine drei Stellvertreter Yvonne Averwerser, Jens Eckhoff und Peter Skusa die Geschäfte übernommen. Ob Spitzenkandidat Carsten Meyer-Heder für den Landesvorsitz verfügbar sein wird, will auch er an diesem Abend noch nicht sagen. Vorerst bleibt der 26. Mai das nächste Ziel, danach wird alles weitere diskutiert.

Dieser Übergang zwischen Besinnung und Begeisterung bestimmt auch die Veranstaltung im Schuppen Zwei. Während sich die Mitglieder freudig begrüßen, ist ein schwarz-weiß Bild des verstorbenen Landesparteichefs auf eine Leinwand auf der Bühne projiziert. Thomas Röwekamp würdigt in der ersten Ansprache der Abends seinen langjährigen Parteikollegen und Freund Kastendiek.

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Wahlkampf, sagt er, sei Kastendieks liebste Zeit gewesen. Er sei ein loyaler Parteikollege gewesen, der der CDU viel Zeit geschenkt habe. „Er war immer da, wo er mit seinen unverwechselbaren Begabungen und Fähigkeiten gebraucht wurden“, beschreibt Röwekamp Kastendieks Einsatz für die Christdemokraten.

Eigentlich habe Kastendiek an diesem Abend den heißen Wahlkampf einläuten, die Mitglieder noch einmal begeistern und anstacheln wollen. „Ihm war Bremen wichtig“, betont Röwekamp. Kastendiek habe deshalb für die Bürgerschaftswahl einen klaren Plan für die CDU gehabt. Das Ziel: Der Einzug ins Rathaus.

Die neuen Umfragezahlen, erklärt Röwekamp, die die CDU aktuell drei Prozentpunkte vor der SPD sehen, hätte Kastendiek mit einer Ermahnung kommentiert, dass jetzt noch nichts entschieden sei. Auch deshalb ist für die CDU die Wahlkampfpause jetzt vorbei: Dass wegen ihm die Regie geändert werde, sagt Röwekamp, hätte Kastendiek nicht gewollt. „Ich habe ihm versprochen, dass wir weitermachen und nicht aufhören.“

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Also machen sie weiter. Nach einem Video, das Jörg Kastendieks Einsatz in der Partei und seine lange CDU-Karriere würdigt sowie einer Schweigeminute für den Landeschef, beginnt die ursprüngliche Tagesordnung. Nach dem formellen Teil treten Meyer-Heder und Ziemiak auf, um über Bremen und den Wahlkampf der CDU zu sprechen. Meyer-Heder betont, dass seine Berufung zum Spitzenkandidaten ohne Jörg Kastendiek nicht möglich gewesen wäre.

„Er hatte den Mut, so einen schrägen Typen wie mich zu nehmen und einen anderen Wahlkampf zu führen“, sagt Meyer-Heder. „Lasst uns dafür kämpfen, dass sein Wunsch wahr wird.“ Ziemiak würdigt Kastendiek als Mitglied im Bundesvorstand der CDU und schwört die Anwesenden darauf ein, in seinem Namen die letzten Tage des Wahlkampfes zu bestreiten.

Dann gehen die Männer in den Wahlkampfmodus: Ziemiak erklärt, Bremen spiele unter der SPD-Führung auf Bundesebene keine Rolle. „Bremen ist blass.“ Mit Meyer-Heder als Spitzenkandidat sei es für die CDU möglich, etwas im kleinsten Bundesland zu verändern: „Mit Carsten gibt es eine Chance, querzudenken.“

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Das habe sich schon an der ungewöhnlichen, CDU-untypischen Wahlplakatierung gezeigt. Das habe auch auf Bundesebene die Partei begeistert. „Von euch kann ich etwas mitnehmen“, so Ziemiak. Meyer-Heder sagt, er wolle jetzt noch einmal alles geben. „Wir haben jetzt neun Tage Zeit, noch mehr zu holen.“ Sein Ziel: mehr als 30 Prozent.

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