Ausstellung im Parteihaus am Wall Bremer CDU zeigt ihre Geschichte auf drei Etagen

"Nicht schon wieder nur einen Sektempfang" wollte Landeschef Jörg Kastendiek zum 70. Geburtstag der Bremer CDU haben. Und so gibt es im Parteihaus am Wall nun eine Ausstellung über drei Etagen.
14.06.2016, 00:34
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Frank Hethey

"Nicht schon wieder nur einen Sektempfang" wollte Landeschef Jörg Kastendiek zum 70. Geburtstag der Bremer CDU haben. Und so gibt es im Parteihaus am Wall nun eine Ausstellung über drei Etagen.

Eine orangefarbene Bogenlampe im Stil der 70er-Jahre, dazu ein grünes Telefon mit klassischer Wählscheibe. Oder ein Röhrenradio aus den 50ern samt Cocktailsessel. Die Macher der Ausstellung zum 70. Geburtstag der Bremer CDU haben sich alle Mühe gegeben, im Parteihaus am Wall eine zeittypische Atmosphäre zu schaffen. Nur im dritten Stock war das nicht nötig. Im Büro von Bernd Neumann konnte einfach alles so bleiben, wie es ist. Die Sofagarnitur versprüht den Charme der 80er-Jahre, in der Luft hängt noch immer Nikotingeruch. Und das, obwohl der Ehrenvorsitzende das Rauchen längst aufgegeben hat. Von einer „multisensonalen Zeitreise“ spricht schmunzelnd Landeschef Jörg Kastendiek.

Zum runden Geburtstag wollte die CDU mal etwas anderes als sonst bei solchen Gelegenheiten machen. „Nicht schon wieder nur ein Sektempfang“, sagt Kastendiek. Dabei herausgekommen ist eine Ausstellung, die über drei Etagen die Parteigeschichte von der Gründung im Juni 1946 bis 1995 beleuchtet. Von den Anfängen, als sich 131 Interessierte ausgerechnet im Haus „Vorwärts“ einfanden, um auch an der Weser eine überkonfessionelle Volkspartei aus der Taufe zu heben, bis zum Beginn der Großen Koalition.

Dazwischen liegen Jahre, die keineswegs nur von Harmonie geprägt waren. Besonders nach dem Ausstieg aus der gemeinsamen Regierungsverantwortung mit der SPD 1959 musste sich die Partei neu erfinden. Und tat das auch, schon lange bevor Bernd Neumann als „junger Wilder“ ab den frühen Siebzigern die Partei aufmischte. „Der Mitgliederstand lag 1960 unter der 1000er-Marke“, sagt der Kurator der Ausstellung, der Historiker Andreas Bösche – und meint damit, es gab Handlungsbedarf. Das Konzept zur Erneuerung hieß: mehr Bürgernähe wagen, weg von der Honoratiorenpartei. Zeitgenössische Wahlkampfplakate illustrieren den Richtungsschwenk. Plötzlich ist da nicht mehr nur der führende Kopf zu sehen, sondern eine ganze Mannschaft.

Entwicklung der CDU auf 15 Text- und Bildplakaten

Innerparteiliche Konflikte konnten da nicht ausbleiben. Nicht nur beim Aufstieg Neumanns. Sondern auch, als Landesparteichef Uwe Hollweg aus Protest gegen die Kanzlerkandidatur von Franz Josef Strauß 1979 überraschend seinen Hut nahm. Ein Brief aus seinem Privatarchiv zeigt seine Motivation. Gegenüber Neumann kritisierte er die „problematische Persönlichkeitsstruktur“ des bayrischen Machtmenschen. Das habe er nicht vertreten können. Anders Neumann, der Hollweg nachfolgte und damit seine Dominanz in der Landespartei zementierte.

Bei der Recherche habe ihm niemand Vorgaben gemacht, betont Historiker Bösche. „Meine Texte wurden anstandslos angenommen.“ Auf 15 Text- und Bildplakaten ist die Entwicklung der Partei nachzuverfolgen, auf jeder Etage gibt es eine Lese- und Medienstation. Auch im Büro Neumanns, das im CDU-Haus ein bisschen so wirkt wie das Allerheiligste. Vorm Schreibtisch hängt ein Monitor und zeigt in Dauerschleife den heute 74-Jährigen als Zeitzeugen im Interview. Eine geradezu unheimliche Präsenz. „Auf dem Sofa sind Gespräche geführt worden, die Bremens Schicksal bestimmt haben“, sagt Kastendiek. Die Ausstellung ist montags bis freitags, 9 bis 17 Uhr, zu sehen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+