Bremer Diversity-Preis

Solidarisch durch die Krise

Corona stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen: Plötzlich sind flexible Strukturen und Arbeitsformen gefragt. Zwei Gewinner des Diversity-Preises 2019 erzählen, wie sie durch die Krise navigieren.
26.05.2020, 06:53
Lesedauer: 3 Min
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Von Lisa Urlbauer
Solidarisch durch die Krise

Ce-Con Geschäftsführerin Maren Handwerk in der Videokonferenz mit Nachwuchs-Ingenieur Rasmus Wienemann. Er betreut im Moment neben der Arbeit zu Hause auch seine Kinder.

Christina Kuhaupt

Die Förderung von Vielfalt in Organisationen, von unterschiedlichen Fähigkeiten und Talenten, ist auch ohne Pandemie eine Herausforderung, der sich Unternehmen und Einrichtungen oft gar nicht erst stellen. Es gibt aber auch die, in denen flexible Strukturen und gelebte Integration schon Alltag sind.

Zwei der Preisträgerinnen und Preisträger des Bremer Diversity-Preises 2019, der wegen der Pandemie in diesem Jahr ausgesetzt wird, berichten, wie sie durch die aktuelle Situation navigieren. Sie erklären auch welche Chancen sie in der Krise sehen, in der Arbeitnehmer gezwungen sind, Job und Familie neu zu koordinieren und Arbeitgeber ihre Firmen neu aufstellen müssen.

„Digitales Arbeiten und Homeoffice waren auch vor der Krise bereits normal für uns“, sagt Maren Handwerk. Sie ist die Geschäftsführerin der Ce-Con GmbH, die sich auf Maschinensicherheit und CE-Kennzeichnung spezialisiert hat. Für ein strategisches Diversity-Management wurde das Unternehmen im vergangenen Jahr ausgezeichnet. Von zu Hause zu arbeiten, ist für das Team von Ce-Con nichts Neues – dass Kitas und Schulen über Wochen geschlossen bleiben müssen, allerdings schon.

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Die Hälfte der rund 30 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen hat Kinder. Damit sich diese um Arbeit und Familie gleichzeitig kümmern konnten, hätten kinderlose Mitarbeiter zunächst ihre Überstunden gespendet, sagt Handwerk. „Solidarität und Transparenz haben uns durch die erste Zeit getragen“, erklärt Unternehmerin. „Jetzt wird es aber langsam schwierig.“ Ce-Con will deswegen nun prüfen, ob eine betriebseigene Kita möglich wäre.

Ce-Con arbeitet laut Handwerk nach dem Prinzip einer selbstlernenden Organisation. Das bedeutet: Das Unternehmen hat zusammen mit dem gesamten Team Werte erarbeitet, die von allen mitgetragen werden. Eine externe Beraterin hilft bei der Weiterentwicklung, manche Arbeitsprozesse werden basisdemokratisch entschieden. Talente oder Fachkräfte nicht zu integrieren, weil sie Mütter sind oder einen Migrationshintergrund besitzen, kommt für Handwerk nicht in Frage.

„Bei Software-Entwicklungen und in der Beratung braucht man jeden Kopf.“ Solidarität, Offenheit und Transparenz sind für Handwerk die Werte, die diverses Arbeiten auszeichnet – und die man braucht, um durch die Corona-Krise zu kommen. Für die Zukunft hofft sie, dass das Thema Arbeitssicherheit, ein Schwerpunkt des Unternehmens, an Bedeutung gewinnen wird. „Es wird gerade deutlich, in welchen Bereichen nicht gut mit Leuten umgegangen wird“, sagt sie. Corona zeige, worauf es wirklich ankomme, welche Tätigkeiten und Werte wichtig seien.

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„Es geht nicht um die Defizite, sondern um die Potenziale der Schüler“, sagt Alexander Hauer. Mit seinem Unternehmen Opus Einhundert verwirklicht der Künstler Kulturprojekte. Für „On Stage“ gab es 2019 den Bremer Diversity-Preis: Ein Jahr lang haben die Schülerinnen und Schüler der Oberschule am Waller Ring an William Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ gearbeitet. Musik, Tanz und Schauspiel mit über 100 Jugendlichen, dem gesamten neunten Jahrgang.

„Alle machen mit. Wir suchen für jeden den richtigen Platz, auf der Bühne und neben der Bühne“, sagt Hauer. „On Stage“ läuft bereits im dritten Jahr, gemeinsam mit Schulleiterin Renate Riebeling und Lehrer Lars Trimborn hat Hauer das Projekt zu einem festen Bestandteil im Plan der neunten Klassen gemacht. Nun stehen sie vor der Frage, wie sie das Projekt trotz Corona fertigstellen können. Hauer hofft darauf, dass sie sich in kleinen Gruppen treffen dürfen.

„110 Schüler gleichzeitig können wir uns abschminken“, sagt er. In Kontakt kommen ohne körperlichen Kontakt: Das Medium Film könnte eine Chance sein. „Licht, Ton, Bewegung und Gestik können von einem Video ins nächste transportiert oder gestreamt werden.“ Die Künstler wollen Gemeinschaft erzeugen in einer Zeit, in der Einsamkeit und Isolation unweigerlich auftreten. „Unser Ansatz ist zu gucken, was geht“, sagt Hauer. „Wir werden aus der Not eine Tugend machen, schließlich kannten auch Romeo und Julia Kontaktsperren.“

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Zur Sache

Konferenz im Dezember

Bundesweit finden jedes Jahr am 26. Mai Aktionen zur Förderung von Vielfalt statt. Aus Bremen kommen zwei Beiträge zum Deutschen Diversity-Tag 2020: ein Video zum Thema „Unterschiedlich alt sein in Corona-Zeiten“ sowie eine kurze Präsentation über die Herausforderungen und Chancen im Umgang mit dem Thema Vielfalt während Corona.

Aufgrund der derzeitigen Situation pausiert der Bremer Diversity-Preis „Der Bunte Schlüssel: Vielfalt gestalten“. „Zahlreiche Unternehmen, Institutionen und Projekte kämpfen um ihr Überleben. In diesem Jahr möchten die Akteure des Bremer Diversity-Preises deshalb auf die übliche Ausschreibung verzichten“, sagt Katrin Nissel vom Zentrum für Interkulturelles Management und Diversity. Stattdessen soll es im Dezember eine öffentliche, überregionale Konferenz an der Hochschule Bremen geben, verbunden mit ihrem 50-jährigen Jubiläum. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.diversity-preis-bremen.de.

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