In Millionenstadt Monrovia vor Ort Bremer Ehepaar setzt sich für Kinder in Liberia ein

Lena und Christian Pichler engagieren sich über den Verein Liberia für Kinder in einem Waisenhaus und eine Elementarschule in Monrovia. Durch Bürgerkrieg und Ebola-Krise haben 4000 Kinder ihre Eltern verloren.
05.08.2019, 19:42
Lesedauer: 5 Min
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Bremer Ehepaar setzt sich für Kinder in Liberia ein
Von Ulrike Troue

Die dreiwöchige Reise in die Millionenstadt Monrovia im vergangenen Jahr hat Lena und Christian Pichler darin bestärkt, sich für Kinder in Liberia einzusetzen. „Die Kinder, die so freundlich, offen und so fleißig sind, haben mich am meisten beeindruckt. Sie arbeiten fast immer und gucken immer freundlich“, sagt Lena Pichler noch immer nachhaltig beeindruckt davon, was Mädchen und Jungen ohne Murren auf sich nehmen, um zu überleben.

„Und ich habe selten so starke Frauen gesehen“, fährt die Erzieherin aus Gröpelingen fort. „Sie tragen die Last der Gesellschaft: Sie versorgen die Familie, kümmern sich um den Haushalt und arbeiten schwer. Frauen sind in Liberia besonders gefordert. Und Mädchen sind besonders gefährdet, sie werden häufig ausgenutzt.“

Deshalb engagieren sich Lena und Christian Pichler seit mehren Jahren schon in dem Verein „Liberia“. Dieser setzt sich für die Verbesserung der Lebensumstände und der Bildungssituation in Liberia ein. Denn das westafrikanische Land hatte sich von den Folgen eines langen und blutigen Bürgerkrieges noch nicht erholt, als 2014/15 die Ebola-Katastrophe hereinbrach. Dadurch verloren in dem westafrikanischen Land, in dem die Bevölkerung durch die galoppierende Inflation derzeit zusätzlich gebeutelt ist, 4000 Kinder ihre Eltern.

Drei Hilfsprojekte

Konkret unterstützt der Verein „Liberia“ ein Waisenhaus für Mädchen, das eine studierte Sozialarbeiterin leitet. Denn die pädagogische Arbeit soll bewusst in den Händen einheimischer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter liegen. Außerdem bekommt die Magif Community School Hilfe, eine Elementarschule mit zwei Klassen für Kinder, zu der auch eine Kita mit einer Gruppe gehört. „Schließlich gibt es noch Einzelunterstützung für derzeit 13 Kinder, für die Mitglieder oder Spender die jährliche Gebühr von 180 Euro zum Besuch einer staatlichen Schule übernommen haben“, berichtet Lena Pichler, die vor drei Jahren den „Liberia“-Vereinsvorsitz übernommen hat.

Der persönliche Kontakt zu Margret Gieraths-Nimene ist für Lena und Christian Pichler ein wichtiges Argument für ihren ehrenamtlichen Einsatz in dem Verein „Liberia“. „Sie ist eine Powerfrau“, betont Christian Pichler, der die Diplom-Psychologin über eine Bekannte persönlich kennengelernt hat. Margret Gieraths-Nimene ist seit 1983 eng mit Liberia verbunden. Denn sie hat einen liberianischen Arzt geheiratet und lebt seit rund 30 Jahren in Monrovia. Dort hat ihr Mann nach Auskunft der Gröpelinger zunächst ein Krankenhaus aufgebaut, das nach deutschen Hygienevorstellungen betrieben wird. „Das war der Auslöser für die Vereinsgründung“, berichtet Lena Pichler.

Die Finanzierung läuft über den Verein

„Die Klinik hat ein eigenes Kostenmodell entwickelt und trägt sich inzwischen selbst“, erläutert ihr Mann Christian. Firmen würden für einen finanziellen Beitrag Plätze für ihre Mitarbeiter reservieren, falls diese erkrankten, und dank dieser festen Einnahme könnten andere Kranke kostenlos behandelt werden. Deshalb kann sich der Verein „Liberia“ inzwischen voll und ganz auf die Unterstützung der beiden anderen Projekte konzentrieren, die Margret Gieraths-Nimene zielstrebig vorangetrieben hat und die unter der Schirmherrschaft der Margret-Gieraths-Nimene-Stiftung (Magif) registriert sind. Sie arbeitet eng mit dem liberianischen Gesundheits- und dem Sozialministerium zusammen, die der Einrichtung die Mädchen zuweisen. Für die Finanzierung der Projekte ist der Verein zuständig.

„Margret weiß, wovon sie spricht und ist sehr organisiert“, betont Christian Pichler in diesem Zusammenhang. Denn innerhalb eines halben Jahres hat Margret Gieraths-Nimene den geplanten Neubau des Waisenhauses mit 25 Plätzen organisiert. Nur noch Restarbeiten stehen aus, dann können die derzeit 17 Mädchen aus dem angemieteten Wohnhaus, das zu klein und zu dunkel und dessen Dach undicht ist, in die neuen Räume der Einrichtung umziehen. Vier Securitykräfte bewachen sie zum Schutz der Mädchen.

Klima erschwert die Situation vor Ort

„Die Lebensbedingungen sind echt schwierig, was das Klima angeht“, erzählt Christian Pichler. Denn bei 90 Prozent Luftfeuchtigkeit selbst in der Trockenzeit „schimmeln die Häuser von unten“. Deshalb werde das Waisenhaus alle zwei Jahre gestrichen. Auch die Kosten für Schulmaterialien seien dadurch relativ hoch, bemerkt Lena Pichler. „Das Papier wird schnell feucht.“ Nicht zu vergessen, dass die Feuchte die Ausbreitung von Malaria begünstige, nennen die Gröpelinger Eheleute eine weitere Bedrohung für die Bevölkerung.

Die Magif Community School besuchen nach den Worten der „Liberia“-Vereinsvorsitzenden 65 Kinder. Es sind nicht nur die Mädchen aus dem Waisenhaus, sondern auch Mädchen und Jungen aus der Umgebung. „Der Besuch ist kostenfrei“, berichtet Lena Pichler. „Die Kinder bekommen dort auch eine Mahlzeit, weil sie zum Teil so entkräftet sind, dass sie sonst dem Unterricht gar nicht folgen könnten“, ergänzt Christian Pichler.

Die Gröpelinger, ihre sechs Mitstreiter aus Bremen und ein kleiner Kreis weiterer Vereinsmitglieder aus ganz Deutschland versuchen nun verstärkt, weitere Unterstützer und Spender zu generieren. Ein guter Anlass, auf den Verein „Liberia“ aufmerksam zu machen, sei die kleine Feier im August aus Anlass des 25-jährigen Bestehens des Vereins, finden Pichlers. Dazu wird Margret Gieraths-Nimene erwartet. Sie will von den konkreten Hilfsmaßnahmen berichten, die der Verein „Liberia“ unterstützt, und sie kann Interesse und Begeisterung wecken.

Davon sind Lena und Christian Pichler ebenso überzeugt wie von der Sinnhaftigkeit ihres eigenen freiwilligen Engagements für Kinder in Liberia.

Info

Zur Sache

Verein feiert Jubiläum

Der Verein „Liberia“ veranstaltet am Sonnabend, 17. August, 14.30 Uhr, eine kleine Feier mit Kaffee und Kuchen anlässlich seines 25-jährigen Bestehens im Torhaus Nord, Liegnitzstraße 63. Dazu wird Margret Gieraths-Nimene als besonderer Gast erwartet. Sie lebt seit über 30 Jahren in Liberia, hat die oben genannten Einrichtungen gegründet und will von ihrer Aufbauarbeit berichten. Außerdem möchte Lena Pichler eine Geschichte erzählen und plant einen Stand mit liberianischen Waren, zum Beispiel Schürzen von einem Schneider aus Monrovia, die sie gegen eine Spende abgibt. Wer sich für die Arbeit des Vereins „Liberia“ interessiert, erfährt Näheres im Internet unter www.liberia-ev.de. Es gibt einen Spendenaufruf über die Online-Plattform „betterplace“. Eine direkte Kontaktaufnahme mit Lena Pichler ist unter der Handynummer 01 57 / 81 73 47 04 oder per E-Mail an pichlerlena@gmx.de möglich.

Weitere Informationen

Der Verein „Liberia“ veranstaltet am Sonnabend, 17. August, ab 14.30 Uhr eine kleine Feier mit Kaffee und Kuchen anlässlich seines 25-jährigen Bestehens im Torhaus Nord, Liegnitzstraße 63. Dazu wird Margret Gieraths-Nimene als besonderer Gast erwartet. Sie lebt seit über 30 Jahren in Liberia, hat die oben genannten Einrichtungen gegründet und will von ihrer Aufbauarbeit berichten. Außerdem möchte Lena Pichler eine Geschichte erzählen und plant einen Stand mit liberianischen Waren, zum Beispiel Schürzen von einem Schneider aus Monrovia, die sie gegen eine Spende abgibt.

Wer sich für die Arbeit des Vereins „Liberia“ interessiert, erfährt Näheres im Internet unter www.liberia-ev.de. Es gibt einen Spendenaufruf über die Online-Plattform „betterplace“. Eine direkte Kontaktaufnahme mit Lena Pichler ist unter der Handynummer 01 57 - 81 73 47 04 oder per E-Mail an pichlerlena@gmx.de möglich.

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