Eltern und Schüler frustriert Bremer Eltern legen Widerspruch gegen Schulplatz-Absagen ein

In Bremen sind mehrere Familien enttäuscht, weil es nicht mit dem Platz an der Wunschschule für die fünfte Klasse geklappt hat. Einige von ihnen legen nun Widerspruch gegen die Absagen ein.
26.03.2019, 20:05
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Eltern legen Widerspruch gegen Schulplatz-Absagen ein
Von Lisa Schröder

Bescheide der Bildungsbehörde bestimmen im März die Gefühlslagen ganzer Familien. Ein Gang zum Briefkasten bringt entweder Erleichterung oder Enttäuschung. Denn derzeit geht es um die Frage, an welcher weiterführenden Schule das Kind einen Platz für die fünfte Klasse bekommen hat. Drei Wünsche können vorher angegeben werden. Vor etwas mehr als zehn Tagen sind die Briefe rausgegangen.

In einer Familie in St. Magnus sorgte der Bescheid für Traurigkeit. „Wir sind ganz unglücklich“, sagt die Mutter. Ihr Sohn wollte auf die Oberschule Lerchenstraße, doch es hat nicht geklappt – Lospech. Alle seine Freunde hätten dort einen Platz bekommen. Doch die Nachfrage war zu groß: 116 Plätze gibt es für das Schuljahr, 163 Kinder gaben die Oberschule als Erstwunsch an. „Wichtige Freundschaften werden zerrissen. Die Kinder sind nur noch eine Nummer“, kritisiert die Mutter. Schon jetzt werde ihr Sohn zum Außenseiter, weil sich in seiner Klasse alle für die neue Schule zusammenschlössen. „Das ist schlimm. Denn man kann nichts machen. Das entscheidet über die Zukunft unseres Kindes.“

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In insgesamt 96 Prozent der Fälle hat es diesmal mit einem der drei Wünsche für das Schuljahr geklappt. Für 3737 Grundschüler musste die Behörde Plätze an Gymnasien und Oberschulen finden. Doch ein Fall aus dem Viertel zeigt, dass die zweite oder dritte Wahl manchmal kein wirklicher Wunsch ist. Die Familie ging davon aus, dass es wie vermittelt auf jeden Fall mit einem Platz an der Gesamtschule Mitte (GSM) klappt. Völlig überraschend sei aber nur der zweite Schulplatzwunsch zum Zug gekommen. „Da will mein Sohn aber auf keinen Fall hin“, sagt der Vater. „Die Zuversicht ist plötzlich zunichtegemacht.“ Nur weil es sein müsse, habe der Sohn zwei weitere Schulen genannt.

Die Zahlen zeigen: Die GSM hat in diesem Jahr 37 Plätze zu wenig gehabt. Das Los muss dann entscheiden. Das ist auch in Niedersachsen in der Regel der Fall, wenn die Nachfrage nach den weiterführenden Schulen zu groß ist. Wie die Mutter aus St. Magnus möchte der Vater seinen Namen nicht in der Zeitung lesen. Die Eltern möchte anonym bleiben – auch, um ihre Kinder zu schützen.

„Wir haben geweint“

Die Familie im Viertel ist enttäuscht. Alle Freunde des Jungen gingen zur GSM, der jahrgangsübergreifende Unterricht dort habe dem Grundschüler gefallen, erzählt sein Vater. Nun wolle der Neunjährige nach den Sommerferien nicht mehr zur Schule gehen, obwohl er sonst Spaß am Unterricht habe. „Wir müssen gucken, dass wir das wieder gerade rücken.“ Gerade weil die ältere Tochter krank sei, belaste der Bescheid die Familie. Doch einen Härtefallantrag, um bevorzugt zu werden, stellte sie aus diesem Grund nicht, weil sie den Platz ganz in Sicherheit sah.

Die Eltern legen nun Widerspruch ein. Die Behörde haben bisher Einwände im niedrigen zweistelligen Bereich erreicht. Immer wieder laufen noch weitere Widersprüche ein. Niemand denke daran, was die missglückte Schulwahl mit den Kindern mache, beklagt der Vater. Besonders groß ist die Diskrepanz zwischen Angebot und Wunsch an der Gesamtschule Ost (68 mehr Erstwünsche) und an der Gesamtschule West mit mehr als doppelt so viel Nachfrage (65 mehr Erstwünsche).

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Insgesamt 151 Schüler hatten zunächst gar keinen Platz, weil keiner der Wünsche passte. Eine Familie aus Mitte hat dann erneut Pech gehabt, als es um die Vergabe der Restplätze ging. Anders als die Behörde es im Gespräch vermittelt habe, seien die Plätze an der Alternativschule, die es dann schließlich sein sollte, plötzlich nach zwei Tagen weggewesen. Die zweite Enttäuschung für die Familie. Geklappt hat es in diesem Fall nicht mit dem Erstwunsch Am Barkhof. Die Oberschule habe durch ihr individuelles Konzept verschiedener Profile sehr überzeugt, sagt der Vater. Am vorletzten Sonnabend aber dann der Brief mit der Absage. „Wir haben beide geweint“, spricht der Mann für sich und seine Frau.

Der Frust gegenüber der Behörde ist groß

Die Eltern aus Bremen-Mitte haben bereits Widerspruch eingelegt. Wenn es damit nicht klappen sollte, ziehen sie eine Privatschule in Erwägung. Der Frust gegenüber der Behörde ist groß, weil es gerade erst bei der Tochter nicht mit einem Kindergartenplatz geklappt hat. „Wir sind vom Lospech verfolgt.“ Die Eltern bereuen, nicht wie andere sofort zweigleisig gefahren zu sein mit einer Privatschule. Die Nachfrage auf diese sei nun natürlich groß. „Wir haben dem System vertraut. Das ist retrospektiv zu naiv gedacht gewesen.“

„Für die betroffenen Eltern ist es echt schwer“, sagt die Mutter aus St. Magnus. Ihr Sohn versuche, über die neue Schule nicht mehr nachzudenken. „Das zerreißt einem das Herz.“ Die Hoffnung, dass es doch mit der Schule an der Lerchenstraße klappt, hat die Familie aufgegeben. Der Sohn stehe zu weit hinten auf der Warteliste. Die Eltern wollen dennoch etwas unternehmen und ebenfalls Widerspruch gegen die Absage einlegen. Doch es gebe seit Tagen Probleme mit dem Faxgerät der Behörde. „Bis heute ist der Widerspruch dort nicht angekommen“, klagt die Bremen-Norderin. Die Sache mit dem Faxgerät kann die Sprecherin des Bildungsressorts nicht bestätigen.

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